HP steigt in den Metall-3D-Druck ein

Auf der International Manufacturing Technology Show (IMTS) 2018 hat HP mit HP Metal Jet die nach eigenen Angaben weltweit fortschrittlichste 3D-Drucktechnologie zur Serienfertigung von Metallteilen in Produktionsqualität präsentiert.

11. September 2018
HP Metal Jet soll die Massenproduktion von 3D-Druck-Metallteilen möglich machen.
Bild 1: HP steigt in den Metall-3D-Druck ein (HP Metal Jet soll die Massenproduktion von 3D-Druck-Metallteilen möglich machen.)

Sie liefere mechanisch funktionsfähige Fertigteile mit bis zu 50-fach höherer Produktivität als andere 3D-Druckverfahren und zu deutlich geringeren Kosten im Vergleich zu anderen Binder-Jetting-Systemen, heißt es. Erste Auftraggeber sind Volkswagen und Wilo.

HP Metal Jet sei eine bahnbrechende Binder-Jetting-Technologie auf Voxel-Ebene, die aus mehr als 30 Jahren HP-Innovation bei Druckköpfen und hochentwickelten chemischen Verfahren schöpfe. Mit einer Druckbett-Größe von 430x320x200 mm, vierfacher Düsenredundanz und doppelt so vielen Druckstangen4 sowie gewichtsmäßig deutlich weniger Bindemittel liefere HP Metal Jet größere Produktivität und Zuverlässigkeit im Vergleich zu anderen 3D-Metalldrucklösungen bei niedrigen Beschaffungs- und Betriebskosten. HP Metal Jet beginne mit Edelstahlteilen, deren isotrope mechanische Eigenschaften die Industriestandards übertreffen.

„Wir befinden uns inmitten einer digitalen industriellen Revolution, die die 12 Billionen US-Dollar schwere Fertigungsbranche transformiert. Durch Pionierleistungen bei der 3D-Massenproduktion von Plastikteilen unterstützt HP dabei, diese Transformation voranzutreiben. Mit HP Metal Jet präsentieren wir nun einen weiteren Durchbruch in der Metall-3D-Drucktechnologie”, erklärt Dion Weisler, CEO und Präsident von HP Inc. „Die Folgen sind gewaltig – allein im Automotive-, medizinischen und industriellen Sektor werden jedes Jahr hunderte Milliarden Metallteile produziert. Die neue HP Metal Jet 3D-Druckplattform sowie der Produktionsservice liefern die Geschwindigkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit, dank derer unsere Kunden neu durchdenken, wie sie designen, produzieren und neue Lösungen für das digitale Zeitalter liefern.

HP Metal Jet-Technologie will Industrien verwandeln

HP kooperiert mit dem Unternehmen GKN Powder Metallurgy, in dessen Fabriken mit HP Metal Jet funktionelle Metallteile für führende Fahrzeug- und Industrieunternehmen wie Volkswagen und Wilo gefertigt werden sollen – die nach eigenen Angaben industrieweit erste Zusammenarbeit dieser Art. GKN Powder Metallurgy ist ein Hersteller von Materialien und Produkten unter Einsatz pulvermetallurgischer Verfahren und umfasst die Marken GKN Sinter Metals, GKN Hoeganaes sowie GKN Additive Manufacturing. Das Unternehmen produziert mehr als drei Milliarden Komponenten pro Jahr und rechnet damit, bereits im kommenden Jahr Millionen HP Metal Jet-Teile in Produktionsqualität für seine Kunden aus unterschiedlichsten Industrien zu drucken.

„Wir befinden uns am Wendepunkt einer spannenden neuen Ära, die nur eine Richtung kennt: die Zukunft der Massenproduktion durch 3D-Druck. Die HP Metal Jet-Technologie erlaubt uns, unser Geschäft durch neue Möglichkeiten auszubauen, die bislang zu kostspielig waren”, so Peter Oberparleiter, CEO von GKN Powder Metallurgy. „Unsere DNA und Expertise bei der Pulverproduktion und Metallteile-Verarbeitung unter Einsatz digitaler, vernetzter Systeme ermöglicht uns, die Industrialisierung über den gesamten Wertfluss additiver Fertigung hinweg voranzutreiben. Durch die Vereinigung der Kräfte von HP und GKN Powder Metallurgy werden wir die Produktivität und Leistungsfähigkeit unserer Kunden auf ein beispielloses Niveau heben, das auf den wirtschaftlichen und technischen Vorteilen der HP Metal Jet-Technologie basiert.”

Volkswagen plant die Produktion von individualisierten Massenteilen mit HP Metal Jet

Volkswagen will HP Metal Jet in seine langfristigen Design- und Produktionspläne integrieren. Als erstes Ziel der Kooperation von Volkswagen, GKN Powder Metallurgy und HP evaluieren die drei Unternehmen die Herstellung von individualisierten Massenteilen – beispielsweise personalisierten Schlüsselringen oder Namensschildern zur Außenanbringung. Der mehrjährige Plan von VW, HP Metal Jet einzusetzen, sieht auch die Produktion funktioneller Hochleistungsteile mit erheblichen strukturellen Anforderungen wie Schaltknäufe und Spiegelhalterungen vor. Da neue Plattformen wie Elektrofahrzeuge in Serie gehen, wird erwartet, dass HP Metal Jet für zusätzliche Anwendungen wie die Leichtbauweise von vollständig sicherheitszertifizierten Metallteilen genutzt wird.

„Die Autoindustrie wird revolutioniert. Die Kunden erwarten heutzutage nicht nur eine Personalisierung, bis 2025 wird die Volkswagen-Gruppe 80 neue elektrische Modelle eingeführt haben“, sagt Dr. Martin Goede, Head of Technology Planning and Development bei Volkswagen. „Ein einziges Auto besteht aus sechs- bis achttausend verschiedenen Teilen. Ein großer Vorteil von additiven Technologien wie HP Metal Jet: viele dieser Teile können wir fertigen, ohne dass zuerst die entsprechenden Produktionswerkzeuge hergestellt werden müssen. Durch die Verkürzung der Produktionsz von Teilen können wir die Serienfertigung in einem höheren Volumen sehr schnell realisieren. Aus diesem Grund ist die neue HP Metal Jet-Plattform für die Industrie ein gewaltiger Schritt nach vorne. Wir freuen uns darauf, die Messlatte des Möglichen höher zu legen, um unseren Kunden einen Mehrtert und Innovation zu liefern.“

GKN Powder Metallurgy nutzt HP Metal Jet-Technologie auch, um für Wilo, ein weltweit führendes Unternehmen im Bereich Pumpen und Pumpsystemlösungen, kostengünstige Industrieteile mit größerem hydraulischem Wirkungsgrad herzustellen. Wilo setzt auf HP Metal Jet-Technologie, um hydraulische Teile wie Laufräder, Diffusoren und Pumpengehäuse, die intensiver Saugwirkung, Druck und Temperaturschwankungen widerstehen müssen, in höchst variablen Maßen zu produzieren.

Die Neuerfindung des Gesundheitswesens

Im Dienste der Medizinindustrie arbeitet HP zudem mit dem ATW-Unternehmen Parmatech zusammen, um die Serienfertigung von Metal Jet-Teilen auf Kunden wie Okay Industries, Primo Medical Group und weitere Unternehmen auszubauen. Parmatech ist weltweit führend beim Metallspritzguss, seit über 40 Jahren ein Pionier in der Metallverarbeitung und spezialisiert auf kostengünstige Großserien-Metallteile für den medizinischen und industriellen Bereich.

„HP Metal Jet stellt die erste wirklich brauchbare 3D-Technologie für eine Produktion von Metallteilen im industriellen Maßstab dar. Unsere Kunden verlangen höchste Leistung, Qualität und Zuverlässigkeit, und HPs fortschrittliche Technologie und Historie bei der Umwälzung des Marktes gibt uns die Zuversicht, weit über die Erwartungen hinaus abzuliefern“, so Rob Hall, President von Parmatech. „Wir freuen uns, HP Metal Jet in unsere Produktionsanlagen zu integrieren und mit der Herstellung komplexer Teile wie chirurgische Scheren oder endoskopische chirurgische Zangen zu beginnen. Darüber hinaus sind wir in der Lagem uns mit neuen Anwendungen und Geometrien zu beschäftigen, die uns konventionelle Metallverarbeitungstechniken nicht erlauben. Unsere Mission ist es, innovative Lösungen für die einzigartigen Herausforderungen unserer Kunden zu entwickeln, und dabei wird die HP Metal Jet-Technologie eine Schlüsselrolle spielen.“

Konzipiert für die Massenproduktion

In der ersten Jähreshälfte 2019 werden Kunden 3D-Designdateien hochladen können, um Teile in Industriequalität und hoher Zahl über den neuen Metal Jet-Produktionsservice zu erhalten. Die Teile werden in Zusammenarbeit mit den HP-Partnern GKN Powder Metallurgy und Parmatech hergestellt, um höchste Standards bei der technischen und Produktionsqualität sicherzustellen.