Immer strategisch denken

Gleit- und Wälzlager

Wälzlager – Bestimmte Segmente der Industrie stets im Blick, entwickelt NTN-SNR ständig neue Wälzlager sowie verwandte Produkte wie Kühlungen, Käfige oder Dichtungen.

20. Mai 2015

Ohne eine Flut von Innovationen können Hersteller von Komponenten kaum bestehen, sie sind zumeist eine der tragenden Säulen der Entwicklungsstrategie. Darum ist es ratsam, alle Neuheiten konkret auf eine Strategie auszurichten. Dazu gehört es in ganz wesentlichem Maße, sich auf die jeweiligen Kunden und Märkte auszurichten und künftige Anforderungen vorwegzunehmen. Ohne eine gezielte Forschung und technologische Bausteine ist das nicht möglich.

In dieser allgemeinen Situation sieht sich auch der japanisch-französische Wälzlagerhersteller NTN-SNR. Er konzentriert sich auf bestimmte Industriemärkte und derzeit verstärkt auf Wälzlager für schwierige Einsatzbedingungen sowie für die Bereiche Robotik, Werkzeugmaschinen, Lineartechnik und Monitoring. Um die lukrativsten Märkte zu eruieren, befragten die Ingenieure von NTN-SNR innerhalb von zwei Jahren über 150 Kunden. So ließen sich Entwicklungsprojekte generieren – entweder in Zusammenarbeit mit einem Kunden oder als Antwort auf grundsätzliche Probleme. Darüber hinaus versucht das Unternehmen, Lösungen oder innovative technische Bausteine voranzutreiben.

Eine gute Plattform zum Testen ihrer Neuheiten war die Hannover Messe 2015. Hier bestand auch die Gelegenheit, Projekte zu präsentieren, die sich in der Einführungsphase befinden. NTN-SNR hatte sich vorgenommen, mindestens eine Innovation für jeden strategischen Markt zu präsentieren. Viele der neuen Produkte und Lösungen sind dabei auch stark auf die Verbesserung der Lebensdauerkosten und des Total Cost of Ownership ausgerichtet.

Neuheiten aus jedem Bereich

Als ein erstes konkretes Beispiel hat der Anbieter einen Wälzlagerprototyp mit geschützten Pendelrollenlagern entwickelt. Dieses Premium-Wälzlager der Baureihe Ultage ist mit Deckscheiben ausgerüstet und bietet damit einen berührungslosen Schutz, der eine Kompromisslösung für raue Umgebungen, begrenzten Platzbedarf und hohe Drehzahlen darstellt.

Bei einem speziellen Wälzlager für Getriebemotoren konnte NTN-SNR das Gewicht um 60 Prozent reduzieren. Dieses kompaktere und leichtere Lager ermöglicht etwa ein Downsizing aller Teile eines Roboters, eignet sich aber auch für technisch anspruchsvolle Bereiche wie die Luftfahrt oder die Medizintechnik. Hier geht es vor allem um Probleme mit großen bewegten Massen und um möglichst wenig Bauraum.

Dank eines neuen Polyamidkäfigs bieten Spindellager auch bei hohen Drehzahlen eine insgesamt verbesserte Gesamtleistung. Die Drehzahl kann bis zu 50 Prozent höher liegen und bis zu 1,6 Millionen Umdrehungen pro Minute erreichen. Gründe dafür sind der Einsatz eines sehr widerstandsfähigen Materials und das außergewöhnliche Design mit quadratischen Taschen.

NTN-SNR bringt zudem ganz neu den Air Cooling Spacer zur optimierten Kühlung von Spindellagern auf den Markt. Seine besondere Konstruktion mit direkter Luftzufuhr auf dem Innenring senkt die Temperatur und sorgt für einen Temperaturausgleich zwischen Innen- und Außenringen. Dieses System verbessert die Leistungen bei Drehzahl und Vorspannung des Lagers, um noch präziser arbeiten zu können.

Die Besonderheit des Lineartechnik-Systems Kalipso ist die drahtlose Informationsübertragung der Axialposition. Auch hier spielt das Thema Bauraum eine entscheidende Rolle, zudem sind keine störenden Kabel im Weg. Dieses Projekt wurde in Zusammenarbeit mit einer deutschen Hochschule und Spezialisten aus der Industrie entwickelt und ist vor allem für hochgenaue Werkzeugmaschinen bestimmt.

NTN-SNR will mit einem zweiteiligen Winkelsensor unter der Bezeichnung »True power on« der Anforderung nach sehr hoher Auflösung gerecht werden, die in immer mehr Anwendungen unerlässlich ist. Der Sensor setzt eine sehr zuverlässige Magnettechnik ein, die preisgünstiger und robuster ist als die gängigen optischen Technologien. Sie ermöglicht eine Auflösung von einer Million Punkten pro Umdrehung. Diese spartenübergreifende Lösung für den Konstrukteur findet sein Einsatzgebiet bei Motorsteuerungen, zur Ausrichtung von Gondeln von Windkraftanlagen, aber auch in Getrieben in der Robotik oder in der Textilindustrie.

Die zweite Generation des CMS-Systems zur Senkung der Wartungskosten ist vor allem vorgesehen für den Berg- und Tagebau, die Stahlindustrie oder die Papierindustrie. Laut Hersteller ist sie benutzerfreundlich und ermöglicht die gleichzeitige Verfolgung mehrerer Parameter. Mit diesem System, das selbst bei niedrigen Drehzahlen leistungsstark sein soll, kann der Anwender die Anzahl der eingesetzten Sensoren erheblich verringern. Das CMS-System befindet sich derzeit in der Entwicklungsphase und dürfte in zwei Jahren auf dem Markt eingeführt werden. Andere Ausführungen mit neuen Technologien gibt es für den Bahnsektor und für die Windkraft.

Auch im Bereich der Dichtungen ist NTN-SNR aktiv. Das neue Modell »AGR« ist vor allem für mobile Maschinen in der Landwirtschaft bestimmt und hier speziell für Gehäuselagereinsätze. Es besteht aus einer 3-Lippen-Nitrildichtung und einer zusätzlichen dichten Deckscheibe. Diese lebensdauergeschmierte Lagerlösung mit Komplettdichtung verlängert die Lebensdauer der Maschinen für die Bodenbearbeitung, die unter besonders schwierigen Bedingungen wie Schmutz, Steinschlag und Hochdruckreinigung arbeiten müssen. Die neue Dichtung hat sich bereits in Kreisel- und Scheibeneggen bewährt.

Zentrum für Forschung

Grundlage für alle Neuerungen bei NTN-SNR ist das europäische F&E-Zentrum in Annecy, das immer mit dem aktuellen Stand der Technik ausgerüstet ist: Laut Hersteller bereiten hier 400 Mitarbeiter die Wälzlager der Zukunft vor. Dazu verfügen sie über unterschiedliche Labore mit umfangreicher Messtechnik, zum Beispiel zur Analyse organischer Werkstoffe oder von Metallen. NTN-SNR setzt auch moderne Simulationstools ein und verfügt über ein Versuchszentrum mit mehr als 200 Prüfständen.

Die Forscher in Annecy arbeiten mit den verwandten Abteilungen von NTN im japanischen Kuwana zusammen. Dies ermöglicht einen permanenten Austausch sowie die Bündelung von Know-how bei erfolgversprechenden neuen technischen Verfahren.

Erschienen in Ausgabe: 04/2015