In die Ferne gesehen

C-Technik - Spätestens seit Public Viewing sind Röhrengeräte passé. Das Geschäft mit flachen Fernsehern boomt. Hersteller müssen dem Ansturm gewappnet sein. Das schließt auch die C-Technik ein.

20. Juli 2006

Die große Mehrzahl der Fernseher wird das Bild schon bald nicht mehr mit Kathodenstrahlröhren erzeugen, sondern mittels Flüssigkristall, ionisierten Gasen oder Elektronenstrahlen. Die Geräte werden dadurch nicht nur flacher und Platz sparender, sondern erreichen eine viel bessere Bildqualität. Für die Hersteller der Geräte bedeutet dies Investitionen - in die neue Bildschirmtechnik und vor allem in die Gehäuse- und Bedientechnik.

Der Hersteller für Unterhaltungselektronik Metz hat deshalb den Bereich Kunststofftechnik zu einer seiner Kernkompetenzen gemacht. Das mittelfränkische Unternehmen beliefert inzwischen mit seinem Maschinenpark für das Spritzgießen sogar andere Hersteller aus der Branche oder auch die Automobilindustrie.

»Unsere Stärke ist die Systemlösung«, sagt Reinhard Neumüller, bei Metz verantwortlich für Technik und Qualitätsmanagement. »Die Herstellung großvolumiger Kunststoffteile mit dekorativer Oberflächenveredelung und die Montage ist unser Kerngeschäft.“

Gleichzeitig optimiert das Unternehmen Entwicklung und Fertigung durch den Einsatz moderner Software-Werkzeuge. Das bestehende CAD-Systems Mechanical Desktop wurde durch die 3D-Software Onespace Designer Modeling von Co Create ersetzt. Zur Software-Konfiguration gehört neben dem Basispaket auch das Surfacing-Modul für die Modellierung komplexer Freiformflächen sowie Schnittstellen zu CAD-Systemen.

Die Co Create-Software liest Daten als Volumen- oder Flächenmodelle in guter Qualität ein und verarbeitet sie weiter. Dabei ist es egal, wie sie entstanden sind. Mitarbeiter in der Kunststofftechnik bereiten die Teiledaten fertigungsgerecht auf und optimieren sie für die Spritztechnik.

Aus dem eigenen Haus oder von externen Kunden erhalten die Anwender dann die Geometrie der zu fertigenden Bauteile, meist als IGES-Dateien. Sie laden sie in ihr CAD-System ein, um sie auf ihre Machbarkeit zu prüfen. Dazu werden die Bauteile in das STL-Format umgewandelt und an ein separates Moldflow-Programm übergeben, mit dem die Anwender die Anspritzpunkte definieren und das rheologische Verhalten des Bauteils simulieren.

Der Workflow

Ausgehend von diesen Füllstudien sind an den Bauteilen meist noch Änderungen notwendig. Die Kunststoffexperten schlagen den Teilekonstrukteuren zum Beispiel eine andere Wanddicke, einen größeren Radius oder eine topologische Änderung vor. Die designrelevanten Flächen werden nicht verändert. Außerdem ergänzen sie die Modelle um Schnapphaken oder andere Befestigungen, zur späteren Montage. Die Kunststoffexperten konstruieren nicht nur das komplette Spritzgießwerkzeug, sondern erstellen auch die Spritzformkonzeption. Sie definieren also, wie das Teil getrennt wird, wo die Schieber sitzen sollen und wie es gekühlt und entlüftet wird. Detailkonstruktion und Fertigung vergibt der Unterhaltungselektronikhersteller an externe Formenbauer, die das Projekt technisch und terminlich umsetzen. Danach holt Metz die Werkzeuge für die Großteile, teilweise über 20 Tonnen schwer, in die eigene Fertigung. Die Werkzeuge für kleinere Teile bleiben meist bei den Partnern, die auch die Serienfertigung übernehmen.

Tool zur Zusammenarbeit

Aufgrund der spezifischen Konstellation mit global tätigen Kunden einerseits und ausländischen Formenbauern auf der anderen Seite besteht bei der Metz Kunststofftechnik ein relativ großer Bedarf für die webgestützte Zusammenarbeit. Um den Aufwand für die Abstimmung mit Auftraggebern und Lieferanten zu reduzieren, beschaffte man bei der Einführung von Onespace Designer Modeling zusätzlich drei Client-Lizenzen der Collaboration-Lösung Onespace.net und richtete auf dem Server bei Co Create einen virtuellen Project Workspace ein. In dem Projektraum können sämtliche CAD-Modelle, Zeichnungen und andere projektrelevante Informationen abgelegt werden, so dass die Mitglieder verteilter Teams jederzeit Zugriff auf die aktuellen Unterlagen haben.

Um nicht Schnittstellen zu CAD-Systemen anschaffen zu müssen, die nur einige Male im Jahr benötigt werden, nutzt Metz die Collaboration-Plattform auch für die Datenkonvertierung. Da das Unternehmen Onespace.net als gehosteten Dienst in Anspruch nimmt, ist der Aufwand für die Installation und Wartung der Software sehr gering. Die Client-Software installiert und aktualisiert sich automatisch, wenn ein Teammitglied den entsprechenden Link in der Einladungsmail zu einer Online-Sitzung anklickt. Einladungen, Sitzungsprotokolle oder Mitteilungen über aktualisierte Dokumente lassen sich dank Outlook-Integration automatisch an die Mitglieder des Projektteams verschicken. Derzeit nutzen die Kunststoffexperten die Collaboration in erster Linie für die synchrone Zusammenarbeit, das heißt um Bauteilmodelle simultan zu betrachten und mit Kunden oder Zulieferern online über Änderungen zu diskutieren.

OneSpace.net. bietet für die synchrone Zusammenarbeit einfach zu bedienende Application-Sharing-Funktionen, die Co Create für den Einsatz mit grafikintensiven Anwendungen optimiert hat. Dadurch können auch größere Baugruppen in Echtzeit gedreht oder gezoomt werden, ohne dass die Bilder zu ruckeln anfangen. Außerdem verfügt die Software über einen vielseitigen 3D-Viewer, mit dem man CAD-Daten aus beliebigen Anwendungen visualisieren, mit Anmerkungen versehen und in begrenztem Umfang sogar modifizieren kann.

Michael Wendenburg

Cocreate

FAKTEN

Beim Namen Metz denken viele sofort an leistungsstarke Blitzgeräte, doch das weitaus wichtigere Standbein des traditionsreichen Zirndorfer Unternehmens ist das Geschäft mit Unterhaltungselektronik. Dass man den Namen nicht gleich mit Fernsehern verbindet, liegt daran, dass die Metz-Werke Geräte im gehobenen Preissegment herstellen, die nur im Fachhandel erhältlich sind. Etwa 80 Prozent ihres Jahresumsatzes erwirtschaftet Metz mit Fernsehern, die in alle Welt exportiert werden; nur etwa 10 Prozent entfallen auf die Photoelektronik, etwa genau so viel wie auf das Systemgeschäft.

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2006