In Sekunden aufs Papier

Ventile - Die Zahl pneumatischer Funktionen im Zeitungsdruck wächst seit Jahren beständig, und »das wird auch so weitergehen«, bekräftigt Ernst Messerli, bei der Maschinenfabrik WIFAG zuständig für Pneumatik und Fluidtechnik. Können die Ventilsysteme soviel Druck vertragen?

11. Oktober 2005

Jedes Farbwerk der neuen Serie von WIFAG umfasst aktuell acht bis neun pneumatische Funktionen. Pro Druckturm in der Gummi-Gummi-Bauweise (mit acht Farbwerken), respektive der Satellitenbauweise mit Gegendruckzylinder regeln bis zu 90 Ventile beispielsweise die Druckanstellung von Druckwalzen, Gegendruckzylindern und Feuchtwalzen oder die Farbmenge im Farbkasten. Die ersten Bestellungen für die neue Maschinengeneration von den Zeitungen ›La Stampa‹ in Italien, ›Les Dernières Nouvelles d’Alsace‹ in Frankreich, dem ›Daily Mirror‹ sowie zahlreichen weiteren Zeitungen in Großbritannien umfassten jeweils gleich mehrere Drucktürme mit einigen hundert Pneumatikventilen der HF 03 Serie von Rexroth.

Die neue Maschinengeneration ›Evolution‹ unterstreicht den Anspruch von WIFAG, im Konzert der wenigen weltweit bedeutenden Hersteller von Rotationsdruckmaschinen für Zeitungen und Magazine eine bedeutende Rolle zu spielen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Bern feierte 2004 das einhundertjährige Jubiläum. WIFAG steht nicht nur für Schweizer Präzision, sondern kann auch auf eine beeindruckende Innovati­onshistorie zurückblicken. So stellte der Maschinenhersteller 1994 die erste einsatzfähige Zeitungsdruckmaschine mit elektronischer Welle vor. Übrigens entwickelten die Schweizer Ingenieure die Einzelantriebstechnik, die sich innerhalb weniger Jahre als Stand der Technik etablierte, gemeinsam mit dem Antriebs- und Steuerungshersteller Rexroth.

Digitaler Workflow beim Druck

Bei Evolution steht die Umstellung auf die digitale Computer-to-Press-Technologie im Zentrum: »Wir ermöglichen unseren Kunden damit einen schrittweisen Umstieg auf den neuen digitalen Workflow und damit eine erhebliche Beschleunigung der Arbeitsabläufe«, betont Ernst Messerli. Dabei werden beispielsweise Bilddaten direkt verarbeitet und auf dem Zylinder in der Maschine auf einweg- und prozessfreie Druckplatten belichtet. In absehbarer Zukunft soll dies mit wiederbeschreibbaren Druckplatten geschehen. Aber auch Schnittlageregelung sowie Farbregister- und Farbdichteregelung basieren bei der neuen Generation auf den Bilddaten. WIFAG macht das Informationsmedium Zeitung damit noch aktueller und verringert die Makulatur im Andruck und Fortdruck bei noch einmal gesteigerter Produktivität. Auch wenn der Kunde zunächst noch konventionell druckt, kann er mit der evolution-Baureihe jederzeit auf Computer-to-Press nachrüsten.

Druck mit neuester Antriebstechnik

Der digitale Workflow ist dabei nicht nur ein Thema für die Datentechnik, sondern stellt auch höhere Anforderungen an die Automatisierung der Druckmaschine. Auf dem Weg zum digitalen Rollen-Offsetdruck hat WIFAG die Druckmaschinen im Achterturmdesign oder mit Zehnzylinder-Satelliten mit neuster Antriebstechnik ausgelegt. Beispiel Pneumatik: »Wir haben uns klar für die Pneumatikventile und die Ventilinseln HF 03 von Rexroth entschieden«, erinnert sich der Schweizer Konstrukteur. Die kompakten HF 03-Ventilträger mit lediglich 16 mm breiten Ventilen sparen kostbaren Platz im Schaltschrank. Die Träger können sowohl über vier Durchgangsbohrungen als auch über die verbreitete Hutschienenmontage befestigt werden. Jede Ventilinsel bietet Platz für bis zu 16 Ventile, mit bis zu 32 Spulen. Damit kombiniert WIFAG sowohl monostabile als auch bistabile Ventile. »Je nach Funktion haben wir exakt definiert, welcher Zylinder bei Stromausfall in die Ausgangsstellung zurückgeführt werden muss und welche Aktoren genau an der aktuellen Position verharren müssen«, hebt der Ingenieur hervor. »Wir haben über den Produktkonfigurator gemeinsam mit Rexroth die Inseln mit den jeweiligen Ventilkombinationen zusammengestellt.«

Bei einer Druckmaschinen-Nutzungsdauer von 20 und mehr Jahren müssen auch zukünftige Funktionen schon jetzt berücksichtigt werden, denn die Maschinen erhalten während ihrer aktiven Zeit in der Regel mehrere Verjüngungskuren. »Gerade darum legen wir Wert auf kompakte Baumaße, denn auch wenn eine Druckmaschine am Ende sehr groß ist, geht es in den Farbwerken um jeden Millimeter Einbauraum«, betont Ernst Messerli.

Klein gebaut und großer Durchfluss

Das elektropneumatische Ventilträgersystem HF 03 verbindet die geforderte kleine Baugröße mit einem hohen Durchfluss. Die Ventilserie deckt den Druckbereich von Vakuum bis zu 10 bar ab, bei einem Nenndurchfluss von 700 l/min. Gleichzeitig ist die elektrische Leistungsaufnahme gering. Die vorgesteuerten Ventile sind in den Versionen 2x3/2, 5/2 oder 5/3 verfügbar. Bei der Entwicklung der HF-Serie hat Rexroth besonderen Wert auf Wartungsfreundlichkeit gelegt. Instandhalter können einzelne Ventile ausbauen und ersetzen, ohne dass sie die gesamte Einheit demontieren müssen. Gemäß der Konstruktion des Ventilblocks mit Aluminium-Endplatten und sicherer elektrischer Anbindung ist das Ventilsystem unempfindlich gegen Vibrationen oder Temperaturschwankungen. WIFAG stellt mit der neuen Generation komplett auf die CANopen-Anbindung der Pneumatik um und steuert die Ventile digital an. »Wir haben damit klar auf einen offenen Standard und damit die Zukunft gesetzt«, hebt Ernst Messerli hervor. Die Busknoten für die Ventilinseln montiert WIFAG selbst auf die vorgeprüften Einheiten.

Sabine Nätscher, Bosch Rexroth

Erschienen in Ausgabe: 07/2005