20. SEPTEMBER 2018

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Unerreichte Reaktionszeiten


Wenn Linearführungen, Stangen und Wellenführungen abgebremst beziehungsweise geklemmt werden, muss zuverlässig durch hohe Klemmkraft und kurze Reaktionszeit sofort Sicherheit erzielt werden. Welche Klemmenbauweise für welche Anwendung geeignet ist, erläutert Stefan Heiland im Interview.

Herr Heiland, die neue Baureihe LBHS kommt ohne bewegliche und damit spielbehaftete Bauteile aus. Bremst und klemmt sie dennoch sicher?

Heiland: Ja, mittels Vorspannung wird die Klemmkraft rein über die Materialspannung eines speziellen hochzähen Stahls erreicht. Darüber hinaus erreicht die LBHS aufgrund fehlender spielbehafteter Bauteile eine ausgezeichnete Steifigkeit und eine beeindruckende Genauigkeit

Durch die direkte Übersetzung des Drucks in die Aufbiegung des Grundkörpers werden nur sehr geringe Volumina im niedrigen Milliliter-Bereich benötigt. Durch die zusätzlich immense Vorspannung des Materials im geöffneten Zustand wird eine bisher unerreichte Reaktionszeit bei hydraulischen Bremselementen für Profilschienenführungen von 10 Millisekunden bei der Größe 45 erreicht, womit eine der wichtigsten Anforderungen an Notbremselementen erfüllt wird.

Funktioniert das Prinzip auch bei Innenklemmung?

Nein, ausschließlich zur Klemmung geschliffener Profilschienenführungen von außen. Aufgrund der hochgenauen Toleranzen bei Profilschienenführungen können die hohen Haltekräfte über die eingestellte Vorspannung erreicht werden.

Neben den hydraulischen gibt es ja auch pneumatische und manuell zu bedienende Klemmen – für welche Anwendungen empfehlen Sie welche Bauweise?

Für simple Klemm- und Positioniervorgänge wie etwa die Einstellung eines Anschlags oder einer Schlitten-Arretierung ist die manuelle Lösung zu empfehlen.

Die pneumatische Bauweise eignet sich für Automationsanlagen, bei welchen die bewegten Massen durch die hohe Leistungsdichte der Pneumatik gewichtsoptimiert sind, schnelle Zykluszeiten und hohe Klemmzyklen erreicht werden müssen.

Vor allem bei schwer zerspanenden Werkzeugmaschinen und Pressen, bei welchen die Bremswegsanforderungen an hohe Haltekräfte und Präzision bestehen, ist die hydraulische Lösung geeignet. Die elektrische Bauweise ist vorteilhaft bei Anwendungen ohne vorhandene Versorgung durch Pneumatik oder Hydraulik, wie im Reinraumbereich oder der Medizintechnik.

Ist auch die Baugröße eine Anforderung der Anwender?

Ja, speziell die LBHS kann selbst bei den kleinsten niedrig und schmal bauenden Wagenformen eingesetzt werden. Somit ist die LBHS für alle Wagenformen einsetzbar.

Funktioniert das Bauprinzip der LBHS denn auch bei pneumatischen Elementen wie der LBPS?

Für die elastische Deformation des Stahlkörpers sind Hydraulikdrücke über 100 bar notwendig. Hierfür reichen die standardmäßigen Drücke in der Pneumatik nicht aus. Bei der LBPS-Baureihe kommt das bewährte Keilgetriebe zwischen zwei Rollen zur effizienten Übersetzung der Kräfte und dem Erreichen hoher Zyklenzahlen zum Einsatz

Wie zuverlässig sichert das bei Pneumatik-Ausfall?

Über mehrere ineinander verschachtelte Federpakete wird das Element im Pneumatik-Ausfall sicher geschlossen und bringt somit zuverlässig die erforderliche Haltekraft über die hohe Übersetzung des Keilgetriebes auf.

Bietet Zimmer auch entsprechende Beratung?

Ja, bei Zimmer wurde speziell eine Servicestelle zur technischen Beratung eingerichtet. Diese wird vor allem zur Auslegung von Bremselementen und der Ermittlung des Bremswegs im Notstopp-Fall in Anspruch genommen. Weiterhin bei erforderlichen kundenspezifischen Anpassungen oder technischen Rückfragen. Über das Auswahltool kann der Kunde einfach und direkt aus einer breiten Auswahl das passende Klemm- oder Bremselement für die entsprechende Schiene finden und alle zugehörigen Informationen, wie CAD-Daten oder Betriebsanleitung, herunterladen.

Können Sie uns ein realisiertes Beispiel beschreiben und welche besondere Anforderung dabei bestand?

Im weiten Technologiebereich der Handhabungstechnik wurde zum Beispiel ein Klemmelement direkt an den Greifer adaptiert, welches für das sichere Halten des Greifguts im Pneumatik-Ausfall sorgt. Dies musste bauraumoptimiert direkt an den Greifer angebunden werden.

5 Tipps für den Konstrukteur
• Die erforderliche Genauigkeit bei der notwendigen Haltekraft.
  • Abstreifer bei Schmutz verwenden, um gleichmäßige Bedingungen beiKlemm- und Bremsvorgängen zu erzielen.
  • Auslegung des Bremswegs bei sicherheitskritischen Notbremsungen.
  • Beim Einsatz von mehreren Klemmelementen sollten diese auf beiden Führungsschienen gleichmäßig verteilt werden, um eine maximale Steifigkeit der Gesamtkonstruktion zu erreichen.
  • Über ein Online-Auswahltool kann der Kunde einfach und direkt aus einer breiten Auswahl das passende Klemm- oder Bremselement für die entsprechende Schiene finden und alle zugehörigen Informationen, wie CAD-Daten oder Betriebsanleitung herunterladen.

Datum:
30.08.2018
Unternehmen:
Bilder:
© Zimmer Group

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