14. NOVEMBER 2018

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Deutschlands größter Schraubenprüfstand


Das Mannheimer Unternehmen Karl Berrang, Spezialist für Verbindungstechnik, verfügt seit wenigen Wochen über den größten Schraubenprüfstand Deutschlands.

Das Berrang-Labor, das sich auf hochspezielle Prüfungen konzentriert, die es nicht bei externen Entwicklungs- und Prüflaboren einkaufen kann, analysiert damit nun Schrauben und Muttern bis M64, erzeugt Drehmomente bis 25.000 Nm und misst Vorspannkräfte bis 2.500 kN. Den Prüfstand hat übrigens der Remscheider Spezialist für Qualitätssteigerung und Kostensenkung in der Schraubenmontage Schatz entwickelt.


Mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Bernhard Berrang sprach die :K über den neuen Prüfstand, die Wirtschaftskrise und die Trends in der Verbindungstechnik.

Herr Berrang, Sie haben gerade in der Wirtschaftskrise den größten Schraubenprüfstand Deutschlands angeschafft. Warum?
Jede Wirtschaftskrise ist eine vorübergehende Erscheinung, ob sie nun länger oder kürzer dauert. Bei der Firmenentwicklung hat man ja längere Zeiträume im Blick und weil wir diesen Prüfstand als wichtig erachten für uns, unsere Marktbearbeitung und das Vorstoßen in neue Märkte, haben wir diese Entscheidung getroffen.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für den neuen Prüfstand entschieden haben?
Der Anlass dafür waren technische Aufgabenstellungen, die wir mit unserem bisherigen Prüfstand nicht abdecken konnten. Wir haben Gespräche geführt mit Anwendern von großen Schrauben und haben einen Bedarf an Informationen, die wir mit dem Prüfstand liefern können, erkannt. Der Kunde kann jetzt, ohne selbst in diese Technologie zu investieren, eine umfangreiche Absicherung seiner Produktion vornehmen.

Wie lange hat die Umsetzung gedauert?
Das hat etwa zwei Jahre gedauert, wobei die Lieferzeit neun Monate betrug.

Was hat Ihnen dabei geholfen? Ihre gute Eigenkapitalquote von über 60 Prozent?
Es ist richtig, dass einem die gute Eigenkapitalquote die notwendige Freiheit gibt, Dinge selbst zu entscheiden. Wir lassen uns von einer nachhaltigen Entwicklung leiten und das ist unsere Basis. Deshalb müssen wir auch so aufgestellt sein, dass wir die nachhaltige Entwicklung finanzieren können.

Die Prozesse und Produkte werden immer schlanker und preiswerter. In welcher Richtung geht Ihrer Meinung nach der Trend in der Verbindungstechnik?
In der Verbindungstechnik sind zwei Trends zu beobachten. Zum einen, dass man mehr in Richtung Normteile konstruiert und denkt. Der andere Trend geht dahin, dass man verschiedene Funktionen in ein Bauteil integrieren will, um zu verschlanken. Das heißt: Vielleicht ein oder zwei Teile einsparen, um dann ein Spezialteil zu fordern und zu konstruieren.
Die Verbindungstechnik wird sicher auch beeinflusst durch die neuen Werkstoffe, die notwendiger Weise eingefügt werden müssen, um Gewicht zu sparen und um umweltschonendere Produkte zu produzieren.

Viele Schrauben im allgemeinen Maschinenbau sind überdimensioniert. Sehen Sie hier noch Sparpotenzial?
Sicherlich haben sich auch die früheren Konstrukteure Gedanken gemacht, wie sie ihr Produkt sicher machen. Aber es gibt in jedem Produkt Verbesserungspotenzial und nachdem wir alle gehalten sind, mit den Ressourcen sparsamer umzugehen, wird sicherlich jeder versuchen, das Mögliche herauszuholen.

80 Prozent Ihrer Lieferanten kommen aus dem deutschen und europäischen Raum. Welches sind Ihre Gründe dafür?
Wir wählen unsere Lieferanten nach dem Gesichtspunkt der Total-Cost-Strategie. Dies berücksichtigt mehr als nur den tatsächlichen Teile- und Einkaufspreis. Wichtig ist, dass das Teil geprüft ist und eine gleichbleibende Qualität hat. Und diese Eigenschaften verbinden die europäischen Lieferanten momentan noch besser als die Lieferanten aus den sogenannten Niedriglohnländern.

Glauben Sie, dass der asiatische Raum hier aufholen wird?
Sicher werden die Asiaten aufholen. Denn sie wollen ja auch Produkte fertigen, die sie später nach Europa exportieren können. Hier sind die Anforderungen an die Produkte ganz andere als im asiatischen Raum.

Sehen Sie eine merkliche Aufholung Asiens, also muss Europa sich warm anziehen?
Wir in Europa haben natürlich einen Vorsprung, weil wir hier schon viel länger diese Produkte fertigen. Außerdem haben wir einen Markt, der sehr fordernd ist und der sehr hohe Anforderungen an die Produkte stellt. Das war in Asien zunächst gar nicht der Fall. Dort ging es erst einmal darum, dass die Produkte vorhanden sind. Aber wir sehen jetzt schon, dass auch in Asien die Forderungen nach qualitativ höherwertigen Produkten laut werden. Insofern werden auch die Hersteller in Niedriglohnländern mit höherwertigeren Produkten aufwarten müssen, um einfach den Wunsch ihrer Kunden zu befriedigen. Es gibt ja genügend Beispiele für das Aufholen bis zur Marktführerschaft, wie zum Beispiel bei der Herstellung von Muttern.

Das Interview führte Angela Unger

Datum:
02.02.2010
Unternehmen:
Bilder:

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