14. NOVEMBER 2018

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Vorhersagbarkeit wird entscheidend


Interview

Martin Johannsmann, SKF – Lager stellen das Herz unzähliger Maschinen dar: Überall, wo sich was dreht, sind sie ein unverzichtbares Konstruktionselement. SKF ist einer der führenden Anbieter von Produkten und Dienstleistungen rund um Lager und Antriebstechnik. Martin Johannsmann, Chef der deutschen SKF, erklärt die Trends bei Lagerkonstruktionen.
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Eine der wichtigsten Eigenschaften von Lagern ist die lange Lebensdauer. Dr. Victoria van Camp, Leiterin Technologieentwicklung der SKF AB, hat aber angesichts der zunehmenden Digitalisierung darauf hingewiesen, dass die Vorhersagbarkeit wichtiger werde als die Lebensdauer. Warum ist das so und was hat das mit Digitalisierung zu tun?

Eben weil Lager quasi das »Herz« vieler Maschinen sind, liegt es nahe, diese betriebswichtigen Komponenten nicht nur langlebiger zu machen, sondern sie auch kontinuierlich zu überwachen. Und um ungeplanten Stillständen vorzubeugen sowie die Verfügbarkeit zu steigern, gewinnt die Vorhersagbarkeit immer mehr an Bedeutung. Das wiederum verlangt nach modernster Sensortechnik samt ausgefeilter Signalverarbeitung sowie Zustandsdaten-Analysen mithilfe intelligenter Algorithmen. Um die Prognosequalität zu optimieren, bietet sich zudem die Aggregation dieser Daten in der Cloud an, um »Big Data Analytics« oder »Deep Learning«-Konzepte zu realisieren. Wir bei SKF verfolgen diese Ansätze – je nach Anwendung bzw. Kundenwunsch – bspw. mit tragbaren Sensoren zzgl. Analyse-Apps, netzwerkfähigen Sensoreinheiten für die Radsatzlager von Zügen oder auch Online-Maschinenüberwachungssystemen für Schiffsgetriebe. Die entsprechenden Daten können die Experten in unserem weltumspannenden Netzwerk aus SKF Remote Diagnostic Centern via Cloud permanent fern überwachen – und den Kunden dadurch frühzeitig vorwarnen, sobald sich ein Problem anbahnt. Zu diesem Zweck sind schon jetzt mehr als eine Million Maschinenkomponenten mit der SKF Cloud vernetzt. Und wenn ich das noch ergänzen darf: Diese digitale Vernetzung ermöglicht auch neue Geschäftsmodelle auf Basis von performanceabhängigen Vereinbarungen mit den Kunden.

Ok, aber auf der anderen Seite hat SKF letztes Jahr 40 Mio. Euro in ein Schweinfurter Großlager-Prüfzentrum investiert, dessen Teststände helfen sollen, präzisere und effizientere Lager zu entwickeln. Ist das kein Widerspruch?

So ausgeklügelt die derzeit verfügbare Software auch sein mag: Bislang ist ja noch kein Simulationsprogramm der Welt imstande, sämtliche dynamischen Prozesse in besonders großen Lagern realitätsgetreu abzubilden. Die beiden neuartigen Prüfstände in unserem Sven Wingquist Test Center werden Erkenntnisse ans Tageslicht fördern, mit denen sich die momentan vorhandenen Simulationsmodelle im Hinblick auf eine größere Realitätsnähe vervollkommnen lassen. Dazu werden die zu testenden Lager an ihre absoluten Belastungsgrenzen getrieben und dabei stets von komplexer Sensorik überwacht. Die so gewonnenen Erkenntnisse sind Schlüssel – sowohl für robustere und energieeffizientere Wälzlagerlösungen als auch für präzisere Diagnose- und Performance-Software. Auf die Frage »Testen oder numerische Simulation?« lautet unsere Antwort deshalb ganz eindeutig: »Sowohl als auch!«


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:K 04/2018
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