20. SEPTEMBER 2018

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"Unser Profil muss klar erkennbar bleiben"


Interview

Frank Blase – Für ein etabliertes, aber auch aufstrebendes Unternehmen wie Igus ist es unerlässlich, seinen eigenen Weg zu finden und sich auf die wirklichen Stärken zu verlassen. Der Geschäftsführer erzählt, wie er das möglichst erfolgreich umsetzen will.
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Herr Blase, Igus ist die Motions Plastics Company und man merkt, dass die Begeisterung für Kunststoff hier überall gelebt wird. Aber was interessiert Sie ganz persönlich an diesem Werkstoff, mit dem Sie ja quasi aufgewachsen sind, und woher kommt die Konzentration auf bewegte Kunststoffe?

Ich denke, dass es gut ist für eine Firma, wenn dessen Profil klar erkennbar ist. Und vielleicht liegt da auch die Kunst im Weglassen. Wobei Motion Plastics an sich ist schon ein Riesenbereich. Daher sehen wir eher die Gefahr, uns innerhalb der Motion Plastics noch zu verzetteln und zu viel anzupacken, als die Gefahr, dass uns die Stoffe ausgehen.
Zur ersten Frage: Der berühmte Designer Charles Eames hat mal gesagt, man sollte einem Designer den Kunststoff nicht in die Hand geben, bevor er 50 Jahre alt ist, weil man mit dem Kunststoff so viel machen kann. Das Übertragen auf meine Person bedeutet: Ja, ich bin damit groß geworden, aber ich erkenne erst jetzt, was für Möglichkeiten in dem Werkstoff stecken, und ich bin glücklich, weil wir mit der Fokussierung auf die Bewegung ein Feld gefunden haben, dass uns etwas eingrenzt, in dem wir aber noch sehr viel machen können. Und dieses Machen erfolgt aus eigener Kraft.
Ich komme erst gerade aus der letzten Entwicklungsbesprechung für die diversen Bereiche und jede Woche sehen wir die Ergebnisse und Fortschritte. Alles von der Produktidee, Erfindung, Produktion, Vermarktung auf diese Weise noch aktiv im Haus begleiten und kontrollieren zu können, finde ich großartig und begeistert mich nach wie vor, auch wenn es manchmal Rückschläge gibt. Die Möglichkeiten sind wirklich fantastisch.

Wenn Sie sagen, dass man innerhalb der Motion Plastics noch so viel machen kann, was haben Sie denn vor?

Unser Traum ist ja, dass wir so bekannt werden, dass die Leute uns anrufen, wenn sie irgendein Bewegungsproblem haben. Wenn zum Beispiel ein Fahrrad quietscht und der Anwender sagt: Ich kenne die gängigen Bewegungselemente, aber erstmal sehen, was Igus dazu sagt. Ganz konkret geht es natürlich um Zahnräder, wir befassen uns jetzt aber verstärkt auch mit anderen Komponenten wie zum Beispiel Rollen, aber in einer einfacheren Art und Weise, also Bauteile, die man aus einem Kunststoff fertigen kann. Und immer wieder geht es bei Igus um das Berechenbare, wir forschen also so viel, dass der Anwender oder Konstrukteur vorher weiß, worauf er sich einlässt. Das ist unser erklärtes Ziel.

Für den Anwender ist Kunststoff dank ihrer Forschung und Tools jetzt berechenbar, für Ihre Entwickler aber eher unberechenbar. Wie geht man mit diesem unternehmerischen Risiko um?

In der Tat, die Entwicklung eines unserer Lüfterlager hat insgesamt rund 30 Jahre gedauert. Zum einen können wir darum nicht unbedingt nur auf die Kosten schauen, und wir wissen andererseits auch nicht ganz genau, was alles in unserer Forschungsabteilung passieren wird. Wir starten viele Ballons, wir pflanzen viele Samenkörner, wir unternehmen eine Vielzahl von Initiativen. Im Moment haben wir das Glück, vor allem in so einer Phase, dass die Produkte, die wir schon seit drei Dekaden produzieren, immer noch einen Markt haben und nach wie vor gefragt sind, und das erlaubt uns im Moment, das Geld in die Forschung zu stecken. So können wir für die Zeit vorsorgen, wo manche Produkte nicht mehr so gut laufen.


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Ausgabe:
:K 06/2018
Unternehmen:
Bilder:
© Igus
© Igus
1 Unternehmens-Video:
  • Public Brewing

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