14. NOVEMBER 2018

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Die Farbe Grün


Kunststoffe - Wo immer Metallketten schonend geführt werden, kommen seit Jahren grün gefärbte Kunststoffprofile zum Einsatz. Der Erfinder dieses Universal-Kunststoffs des Maschinenbaus feiert in diesem Jahr sein -50-jähriges Firmenjubiläum.

Manchmal wird ein Markenname zur Beschreibung eines Gegenstands: So sagt fast jeder zum Papiertaschentuch nur ›Tempo‹, und den Haartrockner nennt jeder ›Fön‹ völlig unabhängig davon, wer das Taschentuch oder das Elektrogerät tatsächlich produziert hat. Ein Beispiel für diesen Wunschtraum jedes Werbetexters gibt es auch im Maschinenbau: Dort bezeichnet niemand das grüne Kunststoffmaterial an der Kettenführung in der Verpackungsmaschine als ›ultrahochmolekulares Niederdruckpolyethylen der Tafelgruppe 2‹ statt dessen heißt es ›S grün›, benannt nach dem Markennamen des Original-Werkstoffs des Dortmunder Unternehmens Murtfeldt.
Gegründet wurde das Unternehmen 1954 von Fritz Murtfeldt als Handelsunternehmen für Industrieprodukte. Binnen kurzer Zeit entwickelte sich daraus eines der führenden Kunststoffunternehmen in Europa.Die Produkte sind auf die verschiedensten Anforderungen zugeschnitten: Sie bieten beispielsweise besonders gute Gleit- und Verschleißeigenschaften, sind schlagzäh oder können extrem hohen oder niedrigen Temperaturen ausgesetzt werden.
Der Verkaufsschlager ist und bleibt dennoch der Original-Werkstoff ›S grün‹. Für Detlev Höhner, den Geschäftsführenden Gesellschafter des Unternehmens, hat dieser langjährige Erfolg seinen Grund: »Wenn Sie eine Aufgabe einmal hervorragend gelöst haben, dann werden Sie beim nächsten Problem versuchen, mit einem ähnlichen Lösungsansatz zum Erfolg zu kommen.«
Begonnen hat der Erfolg des Werkstoffs mit der Einführung von standardisierten Kettenführungen im Maschinenbau, wie sie heute in allen Arten von Verpackungsmaschinen, in Transporteinheiten und in der Antriebstechnik im Einsatz sind.
Am Anfang war die Kettenführung
Ein pfiffiger Mitarbeiter hatte damals erkannt, daß Rollenketten auf Kunststoff-Führungen wesentlich schonender gleiten können als auf Stahlschienen, denn tatsächlich rollt eine Rollenkette kaum, sondern gleitet meist. Der Enkel des Firmengründers Fritz Murtfeldt erinnert sich an die Entstehungsgeschichte des vielseitigen Werkstoffs: »Damals suchte man einen Werkstoff mit sehr guten Verschleißeigenschaften und geringem Abrieb, und diese Eigenschaften bringt S grün von Haus aus mit.« Da ähnliche Anforderungen überall dort gestellt werden, wo sich Maschinenteile -bewegen, übertrugen die Kunststoffspezialisten aus Dortmund die Erfahrungen aus den ersten Anwendungsfällen bald auf weitere Aufgabenfelder, um sämtliche Eigenschaften des Werkstoffs zu nutzen.
Schnell trat der grüne Kunststoff aus Dortmund seinen Siegeszug an allerdings hatten die Westfalen in den Fünfzigerjahren schlicht vergessen, diese einfache und deshalb geniale Erfindung patentieren zu lassen. Im Wettbewerb sieht Höhner jedoch wenig Anlaß zur Sorge und ist überzeugt: »Bei unseren speziellen Maschinen, unserem 50-jährigen Know-how und unserer innovativen Mannschaft dürfte es schwer sein, uns in Qualität, Preis und Liefertreue beim Thema Kunststoffprofile Paroli zu bieten.«
Dennoch haben die Dortmunder sich nicht auf den Lorbeeren vergangener Jahre ausgeruht. Eine Entwicklung aus jüngster Zeit ist beispielsweise das geschützte Kettenführungsprogramm ›Snap-Trick‹, das ohne unterstützende C-Profile aus Stahl auskommt und sich auf genutete Aluminiumprofile oder in Montagebohrungen einrasten läßt. Dazu kommt eine Vielzahl von Lösungen für Anwendungen abseits von Rollenketten: So hat sich das Unternehmen auf die spanabhebende Herstellung von Kunststoff-Fertigteilen spezialisiert und besitzt dazu eine große Anzahl von CNC-Bearbeitungszentren. Beliefert werden sämtliche Industriezweige. So finden sich in Druckmaschinen häufig Fertigteile aus ›S grün‹ oder Murlubric, und der Werkstoff Murylat findet oft Anwendung in der Pharmaindustrie. Insgesamt umfaßt das Produktspektrum mehr als 30 verschiedene Kunststoffe.
Auf der Fachmesse ›K 2004‹, die Ende Oktober in Düsseldorf stattfindet, präsentiert Murtfeldt einige neue Werkstoffe aus UHMW-PE mit besonderen elektrischen Eigenschaften. So verspricht der Werkstoff ›S plus ESD‹ beispielsweise den schadlosen Kontakt mit elektronischen Bauteilen, weil elektrostatische Ladung innerhalb kurzer Zeit abgebaut wird. Seinen Einsatz finden soll der Werkstoff beispielsweise in Förderbändern der Halbleiterindustrie und bei mitfahrenden Montagearbeitsplätzen in Automobilwerken. Ein komplett anders geartetes Anwendungsfeld bedient der abriebfeste Werkstoff Dialen MR für die Auskleidung von Schüttgutbunkern: Gefragt sind hier unter anderem eine lange Standzeit und ein geringer Reibwert und geringe Masse.
Christian Rumpf, Ltg. F&E Murtfeldt

Ausgabe:
:K 05/2004
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