Individuell in Serie

Kabelverschraubungen - Entwicklungszyklen und Einsatzdauer von Industrieprodukten ändern sich immer schneller. Flexibilität ist deshalb Trumpf. Ein Argument, das ganz besonders für Kabelverschraubungen gilt. Schließlich muss man hier reagieren auf andere Werkstoffe, Kabelquerschnitte oder sonstige technische Parameter.

01. Juli 2005

Auf neue technische Bedingungen kann man mit Sonderlösungen reagieren. Der alternative Weg ist ein Baukastensystem. Diesen Weg geht Pflitsch mit dem UNI-Systembaukastem. Aus etwa 6.000 verschiedenen Komponenten lassen sich schnell und sicher Problemlösungen finden. In der Praxis vereinfacht dies Modifikationen, erleichtert den Umstieg auf andere Kabelquerschnitte, Gewindearten oder Werkstoffe und senkt Lagerhaltungskosten.

Die Verschraubungskörper aus verschiedenen Metallen und Kunststoffen plus die passenden Einsatzdichtungen bilden die applikationsspezifische Kabelverschraubung. Die Materialien unterscheiden sich z. B. in der mechanischen Stabilität, der UV- und Chemikalien-Beständigkeit, im zugelassenen Temperaturbereich sowie in Gewicht und Preis.

Aufgrund einer großflächigen Kabelabdichtung erreicht eine UNI Dicht-Kabelverschraubung serienmäßig die hohe Schutzart IP 68 (10 bar). Sogar bei nicht vorschriftsmäßig angezogener Druckschraube ermöglicht eine zusätzliche Membran einen Standardschutz von IP 54, wie sie die EN 50 262 fordert. Ein weiteres konstruktives Unterscheidungsmerkmal: Beim Festziehen der Druckschraube schmiegt sich der Dichteinsatz sicher und schonend ans Kabel an, minimiert damit die Einschnürung des Kabelmantels und sorgt für hohe Zugentlastung.

Eine Rändelung innen im Verschraubungskörper verhindert dort das Verdrehen der Einsatzdichtung beim Festziehen der Druckschraube. Damit bleibt das Kabel sicher in Position. Bei den Verschraubungskörpern aus Messing und Edelstahl dichtet ein nutgeführter O-Ring den Doppelnippel zusätzlich zur Gehäusebohrung ab. UNI Dicht hilft auch dort weiter, wo andere Kabelverschraubungen nur noch mit zusätzlichen Adaptern klar kommen: Denn neben der normalen Bauform (Anschluss- und Kopfgewinde sind im Durchmesser gleich) gibt es auch erweiterte Doppelnippel mit einem größeren Kopfgewinde: Damit lassen sich dickere Kabel durch eine bestehende Bohrung führen, ohne diese aufbohren zu müssen. Der Anwender kann also auf teure Adapter verzichten, die die Schutzart und mechanische Stabilität mindern.

Die Idee der applikationsspezifischen Einsatzdichtung führt zu interessanten Lösungen wie der Mehrfach-Verschraubung: Durch eine Bohrung kann der Anwender mehrere Kabel auch mit unterschiedlichen Durchmessern sicher führen und abdichten.

Serienmäßig bietet der Hersteller verschiedene Lochbilder mit Standardbohrdurchmessern an, kann die Mehrfacheinsätze aber auch nach Kundenwunsch fertigen.

Kundenspezifisch in Serienqualität

Die dafür entwickelte Fertigungsmethode ist so wirtschaftlich, dass sich selbst die Erstellung von Prototypen oder Kleinserien rechnet. Gleiches gilt für gerundete und eckige Flachkabel. Die besondere Leistungsfähigkeit zeigt das System z. B. bei Lösungen für Kabel mit angespritzten Tragseilen, die sicher geführt und abgedichtet werden.

Auch bei Zugentlastung und Biegeschutz geht das System konstruktiv eigene Wege: Spezielle Dichteinsätze mit integrierten Klemmkörpern für erhöhte Zugentlastung sind ebenso verfügbar wie Biegeschutzeinsätze mit angespritzter konischer Tülle oder einer Biegeschutzfeder, die die mechanische Belastung des Kabels an der Einführungsstelle minimiert. Für den Anwender verbinden sich damit die Vorteile eines ausgereiften Serienproduktes mit dem individuellen Nutzen. UNI Dicht gibt es aktuell nach der metrischen Norm EN 50 262 in den Größen M8 bis M63. Natürlich sind die herkömmlichen Pg-Maße weiter verfügbar.

Um maximalen mechanischen Schutz zu erreichen, z. B. bei Zuleitungen, die zwischen Bediengehäuse und Maschine über den Boden geführt werden, lässt sich die Kabelverschraubung mit Schutzschläuchen oder Wellrohren kombinieren.

Lösungen für die Bustechnologie

War es bisher problematisch, ein mit Steckverbindern oder Sensoren konfektioniertes Kabel durch eine Kabelverschraubung zu führen und sicher abzudichten, bietet das System eine Lösung mit geteilten Dichteinsätzen, die jeweils passend zu den Kabeldurchmessern angefertigt werden. Hierzu nutzt Pflitsch ein Schneidverfahren, das selbst bei kleinen Stückzahlen technisch wie wirtschaftlich optimale Ergebnisse bringt. Bei der Montage wird zunächst der Doppelnippel verschraubt und eine Hälfte des Dichteinsatzes eingelegt. Das konfektionierte Kabel wird durch die Druckschraube und Doppelnippel gesteckt und mit der zweiten Hälfte des Dichteinsatzes in der Kabelverschraubung fixiert.

Ein aktueller Einsatzbereich ist der ASi-Bus: Über dieses zukunftsweisende Bussystem lassen sich Sensoren, Aktoren und integrierte Systeme an die erste Steuerungsebene anschließen.

In herkömmlichen Kabelverschraubungen lassen sich die beiden asymmetrischen, verpolsicheren ASi-Bus-Kabel aber nicht abdichten. Bei UNI Dicht gibt es speziell gelochte Dichteinsätze aus halogenfreien TPE-V für linke und rechte ASi-Bus-Kabel sowie als Doppelversion für je ein linkes und rechtes Buskabel. Sie sind resistent gegen Öle und Chemikalien und zugelassen für Temperaturen zwischen 40° und +135 °C. Bereits vor Jahren hat Pflitsch als erster europäischer Hersteller begonnen, seine Ex-Kabelverschraubungen nach der neuen EG-Ex-Richtlinie 94/9, bekannt unter dem Begriff ATEX, prüfen zu lassen und bietet daher heute eine Vielzahl unterschiedlicher Verschraubungstypen in Metall (Messing und Edelstahl) und Kunststoff an, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden können.

Walter Lutz

Erschienen in Ausgabe: 04/2004