Industrie 4.0 auf der nächsten Stufe

Am Dienstag gewährte die Deutsche Messe im Rahmen einer Preview vor rund 200 Journalisten einen Vorgeschmack auf die diesjährige Hannover Messe (23. bis 27. April). Von der Zusammenlegung mit der Intralogistikmesse Cemat erhofft man sich Synergieeffekte.

06. Februar 2018

Die Messe sei nahezu ausgebucht, erklärte Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Messe AG, im Rahmen der Vorpressekonferenz. Gegenüber der Vergleichsmesse 2016 sei jedoch deutlich mehr Fläche gebucht. 60 Prozent der Aussteller kommen aus dem Ausland, bei den Besuchern sei es jeder Dritte. Das Partnerland Mexiko reist mit rund 150 Ausstellern in die niedersächsische Landeshauptstadt.

Der Begriff Industrie 4.0, so erklärte der Messechef nicht ohne Stolz, fiel erstmals auf der Hannover Messe 2011. „Das Zusammenspiel von Automatisierungstechnik, Plattformen und maschinellem Lernen hebt Industrie 4.0 jetzt auf die nächste Stufe." Das langjährige Leitthema 'Integrated Industry‘ wurde daher in diesem Jahr durch den Zusatz ‚Connect & Collaborate' ergänzt. „Die Besucher erleben, wie die Vernetzung in der Industrie ganz neue Formen des Wirtschaftens, des Arbeitens und der Kollaboration schafft.“

Mit Blick auf die Cemat, die in diesem Jahr erstmals wieder parallel zur HMI stattfindet und rund 1.000 Aussteller beisteuert, erklärte Köckler: "Der Kunde möchte alles – und das am liebsten sofort.“ Doch die Abläufe im Handel seien bisher kaum automatisiert. Künftig werden neue Logistik-Prozesse notwendig, die der hohen Komplexität von Lieferketten gerecht werden. Dies beginne bereits im automatisierten Lager, wo die Abläufe von Softwareprogrammen gesteuert werden, Roboter rund um die Uhr eigenständig durch die Hallen navigieren und Waren zur richtigen Zeit in der richtigen Menge zum Zielort bringen.

Auch Produktions- und Logistikprozesse werden immer enger intelligent miteinander vernetzt, um noch effizienter und flexibler und damit kostengünstiger produzieren zu können. Auf der Cemat lasse sich diese Verschmelzung direkt erleben.

Energie für die Produktion und Stromnetze für E-Mobilität

Die Digitalisierung verändere auch den Energiemarkt, so Köckler. Innovative Technologien würden das Stromsystem flexibler machen, Sektoren intelligent miteinander verknüpfen und neue Marktteilnehmer einbinden. Mit ihrem Energiebereich zeigt die Hannover Messe nicht nur, wie Industrieunternehmen durch effiziente Energienutzung enorme Kosten sparen und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern auch, wie die Energiewende gelingen könne.

"Alle sprechen von der Mobilitätswende. Fakt ist aber: Das Stromnetz ist für E-Autos nicht vorbereitet", sagte Köckler. Die Energiewirtschaft gehe davon aus, dass in Zukunft deutlich höhere Lastspitzen auftreten als bisher. Zudem sei elektromobiles Fahren nur dann umweltfreundlich und nachhaltig, wenn der Strom aus regenerativen Quellen komme. Energieversorger und Stadtwerke setzten auf diesen Megatrend und begännen damit, die nötige Energieinfrastruktur aufzubauen. Dazu gehörten eine flächendeckende Versorgung mit Ladesäulen, der Ausbau von Verteilnetzen sowie Stromautobahnen. Und auch hier führe kein Weg an der Vernetzung vorbei: Die Herausforderung liege darin, das Zusammenspiel von regenerativen Energiequellen, Speichern und Elektromobilität intelligent zu optimieren. Köckler: "Die Lösungen für ein Stromnetz, das den Anforderungen der E-Mobilität gerecht wird, werden auf der Hannover Messe gezeigt."