Innovativ und vielseitig

Kunststoffe – Thermoplastische Polymere lassen sich äußerst vielfältig einsetzen. Innovative Werkstoffe mit ungewöhnlichen Eigenschaften eröffnen den Thermoplasten neue Anwendungsfelder.

11. November 2008

Eine der vielseitigsten Werkstoffgruppen sind die Kunststoffe: Vor allem die thermoplastischen Polymere bieten ein sehr breites Anwendungsfeld, von der Massenfertigung von Produkten und Verpackungen im Spritzgussverfahren bis zur Verwendung in hochspezialisierten Gleitlagern.

Zahlreiche Innovationen in diesem Sektor entwickelt regelmäßig der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF. Ganz neu im Sortiment des Unternehmens sind zum Beispiel Ultradur B4300G6 HR und Ultradur B4330G6 HR, zwei besonders hydrolysestabilisierte Typen von Polybutylenterephthalat (PBT), die nicht nur die strengen Anforderungen der US-amerikanischen Automobilindustrie erfüllen, sondern auch harte Biegespannungstests bei 110 Grad Celsius und 100 Prozent Luftfeuchte aushalten.

Hochfest und gleitfähig

Eine Entwicklung von BASF ist auch ein Hochleistungskunststoff für eine neuartige Ölpumpe des Automobilzulieferers SHW: Das Unternehmen präsentierte vor kurzem die erste Ölpumpe, die den Ölvolumenstrom bedarfsgerecht über eine Außenzahnradpumpe mit Evolventenzahnrädern regelt. Eine Besonderheit ist dabei, dass eines der beiden Zahnräder axial beweglich ist. Realisieren ließ sich die Pumpe deshalb nur mithilfe eines Hochleistungskunststoffs, der hochtemperatur- und ölbeständig ist und zudem sehr gute Gleitreibeeigenschaften bietet. SHW nutzt dazu den BASF-Hochleistungskunststoff Ultrason KR 4113 aus der Gruppe der Polyethersulfone, der mit Kohlefasern, Grafit und PTFE verstärkt ist. Im Einsatz ist die Pumpe bei PSA, BMW und Porsche.

Verwendung im Automobilbereich finden auch Neuerungen wie das besonders fließfähige Ultramid High Speed und das Polyphenylsulfon Ultrason P. So eignen sich zum Beispiel hydrolysestabilisierte Ultramid-HRX-Typen für die Verwendung in Kühlwasserkästen die im Dauerkontakt mit heißem Wasser stehen, während das Ultramid A3W2G10 in Kühlerendkappen dem Einfluss von heißer Luft standhält.

Wärmeleitend und unbrennbar

Ein ungewöhnliches Eigenschaftsspektrum bieten auch das wärmeleitfähige Ultradur aus der Gruppe der Polybutylenterephthalate, das blasformbare Polyoxymethylen (POM) Ultraform sowie spezielle Kunststoffe für halogenfreie Flammschutzmaßnahmen oder zur Laser-Direktstrukturierung von dreidimensionalen elektronischen Baugruppen. Ein breites Anwendungsfeld finden thermoplastische Kunststoffe auch in der Medizinbranche. Eine Neuheit ist hier zum Beispiel das temperatur- und UV-beständige hochtransparente Styrol-Acrylnitril-Copolymer Luran HD, für das BASF zahlreiche Verträglichkeitstests mit Chemikalien sowie Biokompatibilitätsprüfungen nach internationalen Vorschriften durchführt.

Mehr Bequemlichkeit für die Hersteller von PVC-Produkten für das Baugewerbe bietet die wärmeformstabile Variante Luran HH120 Pulver, die in Pulverform angeboten wird und sich deshalb bei der Verarbeitung von PVC leichter als Wärmestabilisierungskomponente einarbeiten lässt. Zur Anwendung kommt der Werkstoff bei der Herstellung von Profilen, Rohren und Platten aus PVC, mit erhöhten Anforderungen an die Wärmeformstabilität, wie zum Beispiel bei Heißwasserrohren oder Fensterprofilen.

Mehr Freiheit beim Design von Elektrogeräten bietet der Werkstoff Terluran BX 13036, ein Blend aus Polymethylmethacrylat (PMMA) und Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS), das die Eigenschaften beider Komponenten zusammenführt und damit die sogenannte Klavierlackoptik ermöglicht: Das ABS stellt die mechanischen Eigenschaften zur Verfügung, während die PMMA-Komponente für Kratzfestigkeit, hohen Glanz und gute farbliche Tiefenwirkung sorgt.

Hochglanz-Effekte ermöglicht auch das hoch transparente Styrol-Acrylnitril Luran CC, das in besonders UV-stabilisierten Varianten zur Verfügung steht. Im Zweikomponentenspritzguss, etwa kombiniert mit dem klassischem ABS-Werkstoff Terluran, lassen sich damit transparente, hochwertige Deckschichten für TV-Geräterahmen, Telefone oder Kaffeemaschinen herstellen, die so brillant sind wie PMMA, dabei aber kratzfester und kostengünstiger sind als Polycarbonat und sich zudem leichter verarbeiten lassen. Eine Neuheit speziell für die Verwendung in Küche und Bad ist das antimikrobiell wirkendee Acrylester-Styrol-Acrylnitril-Copolymer Luran S BX 13042, das mit einem speziellen silberhaltigen Additiv ausgestattet ist, das ein Bakterienwachstum auf der Kunststoffoberfläche verhindert. Dr. Sabine Philipp, BASF/bt

FAKTEN

- Die BASF-Gruppe mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein ist das weltweit führende Chemieunternehmen.

- Im Jahr 2007 erwirtschaftete die BASF-Gruppe einen Umsatz von 58,0 Milliarden Euro, davon rund 17 Prozent durch die Herstellung von Kunststoffen.

- Der Bereich Performance Polymers entwickelt technische Kunststoffe, Polyamide sowie Styrolkunststoff-Spezialitäten und Schaumstoffvorprodukte.

Erschienen in Ausgabe: 08/2008