Insanely Configurable

CAD CAM Autodesk

PLM in der Cloud – Nachdem Autodesk-CEO Carl Bass jahrelang verbreitete, er kenne nur drei Firmen mit einem PLM-Problem, nämlich PTC, Dassault Systèmes und Siemens PLM Software, hat Autodesk nun ein eigenes PLM-System vorgestellt: PLM 360.

24. Mai 2012

Schon an der »360« erkennt der Fachmann: Es handelt sich um ein cloudbasiertes System. Autodesk unterscheidet zwischen Modellverwaltung beziehungsweise PDM – das vom bekannten Produkt Vault abgedeckt wird – und PLM, das nun als Cloud-Applikation auf den Autodesk-Servern laufen soll. Unter PLM versteht Autodesk übergeordnete Funktionen wie Workflows, Projektmanagement, Change Requests und andere »Verwaltungsaufgaben«, eine etwas eigenwillige Definition. Üblicherweise wird PDM als ein Aspekt und integraler Bestandteil von PLM angesehen.

Während einer Veranstaltung in San Francisco stellte Autodesk Electron Vault vor, einen der ersten PLM-360-Kunden. Dieses Unternehmen, das Batterietechnologien entwickelt, hat Anforderungen, die PLM 360 perfekt unterstützt: International verteilte Standorte, komplexe Projekte, die jedoch nicht rein am 3D-Modell ausgerichtet sind, sondern in diesem Fall viel mit chemischer Forschung, Projektplanung und Sourcing zu tun haben. Das Unternehmen nutzt PLM 360, um Mitarbeitern und ausgewählten Lieferanten Projektmanagement-, Teilebeschaffungs- und Produktentwicklungsdaten zur Verfügung zu stellen. Hier zählen die einfache Zugänglichkeit von jedem Ort aus, die dchnelle Implementieung und die einfache Bedienung.

Die Preisgestaltung ist extrem aggressiv: Die ersten drei Accounts (inklusive eines Administrators) sind kostenlos, jeder weitere Anwender kostet 75 Dollar pro Monat. Ein »betrachtender« Anwender kostet 25 Dollar pro Monat – eine Lizenz hat dabei eine Mindestlaufzeit von einem Jahr. Der Schritt, die ersten drei Lizenzen kostenlos zu machen, ermöglicht es Unternehmen, schnell und unverbindlich ein Testprojekt mit PLM 360 aufsetzen.

PLM 360 besteht aus über 140 »Apps«, also Funktionsmodulen, die im Quelltext vorliegen und vom Kunden individuell angepasst werden können – deshalb nennt der Hersteller sein System »insanely configurable«, übersetzt in etwa »wahnsinnig anpassbar«. PLM 360 arbeitet mit einer breiten Palette von PDM-Systemen und anderer Software – beispielsweise ERP-Software – zusammen. Die Programmierschnittstelle ist REST-kompatibel und lässt sich so relativ schnell für die Kopplung mit anderen Systemen nutzen.

Autodesk preist PLM 360 als ideales System für kleine und große Firmen, unter anderem für die Vernetzung mehrerer Firmen in einem virtuellen Zuliefernetzwerk. Dann müssen jedoch die CAD-Daten irgendwie von einem zum anderen Teilnehmer gelangen können – was dann wie erwähnt über Vault-Replikation oder E-Mail abgewickelt werden muss.

Für Anwender abseits der Ballungszentren, die sich in Deutschland mit eher geringen Datenübertragungsraten begnügen müssen, gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht: PLM 360 benötigt, weil hauptsächlich Metadaten bewegt werden, keine ungewöhnlich große verfügbare Datenrate – schon ein Smartphone oder Tablet soll genügend Leistung bieten. Allerdings sollte die Datenleitung ausreichend stabil sein, denn ohne Internetverbindung kann mit dem System nicht gearbeitet werden.

Autodesk PLM 360 bietet eine interessante Lösung für Firmen, bei denen es darum geht, schnell, preiswert und ohne großen Implementierungsaufwand eine Lösung für die Koordination des Entwicklungsprozesses aufzusetzen. Spielt die Integration der CAD-Daten eine wichtige Rolle, muss Vault integriert werden, was den Aufwand naturgemäß erhöht. Der Vorteil dieser Teilung ist jedoch, dass die CAD-Daten und damit das geistige Eigentum des Unternehmens nicht in die Cloud gelangen.

Die interessante Preisgestaltung macht das System für »Ad-hoc«-Vernetzungen von Unternehmen oder auch Abteilungen in einem Projekt interessant, und durch die kostenlose Basisversion lässt sich PLM 360 ohne Risiko testen.

Erschienen in Ausgabe: 04/2012