Installation mit Tempo

Maschinenelemente

Kabeldurchführung – Die Schaltschrankverkabelung erfordert großen Arbeitsaufwand. Mit einer neuen Kabeldurchführungsplatte gelingt die Durchführung der Kabel durch die Gehäusewand dreimal schneller als mit Hilfe konventioneller Kabelverschraubungen.

27. März 2013

Eine der lästigsten Arbeiten bei der Montage und Errichtung von Maschinen und Anlagen ist die Verkabelung im Schaltschrank. Als besonders zeitaufwendig und umständlich erweist sich dabei unter anderem die Durchführung der verschiedenen Leitungen durch die Gehäusewand mit Hilfe der weit verbreiteten konventionellen Kabeldurchführungen: Hier muss der Monteur zunächst alle Bohrungen anzeichnen und körnen, danach entsprechend große Löcher vorbohren, bohren und entgraten, schließlich Löcher stanzen und den Stanzabfall entfernen. Zuletzt sind dann noch die Kabelverschraubungen auf die Leitungen zu setzen, in die Schrankwand einzusetzen und von der Schrankinnenseite mit der Kontermutter zu fixieren.

Platzsparend und sicher

Vor allem bei Anwendungen, bei denen eine größere Anzahl von Leitungen durchgeführt werden muss, haben sich deshalb seit einigen Jahren neuartige Kabeldurchführungssysteme etabliert, mit denen sich mehrere Leitungen gleichzeitig schnell und sicher durchführen und montieren lassen. Ein typisches Beispiel bieten die Kabeldurchführungsplatten der Baureihe KDP/N der Murrplastik Systemtechnik GmbH aus dem württembergischen Oppenweiler. Gegenüber konventionellen Kabelverschraubungen bietet diese Lösung erhebliche Vorteile. So lässt sich eine KDP/N-Kabeldurchführungsplatte fast ohne Werkzeugeinsatz in kürzester Zeit mit Dichtheit gemäß Schutzart IP65 installieren. Statt unzählige Löcher zu bohren, muss dabei nur eine Aussparung im Schaltschrank angefertigt werden, anschließend wird die Platte ohne Werkzeug eingerastet. Aufgrund der sehr hohen möglichen Packungsdichte benötigt das System zudem ungefähr 50 Prozent weniger Platz, weil auf derselben Fläche wesentlich mehr Kabel angeschlossen werden können.

Auch die Durchführung der Leitungen benötigt mit dem Kabeldurchführungssystem KDP/N deutlich weniger Zeit als beim Einsatz konventioneller Kabelverschraubungen. So besitzt die Platte vorgestanzte Löcher, die sich nach dem Einführen eines Kabels durch einen kurzen Ruck in die Gegenrichtung selbsttätig verschließen. Dazu befinden sich zwischen zwei Gehäuseteilen zwei Elastomerplatten, die die notwendige Zugentlastung der Kabel sicherstellen und zudem das Gehäuse gegen Umwelteinflüsse in Schutzart IP65 abdichten. Optional erhältliche EMV-Module ermöglichen dabei zugleich eine Ableitung der Störungen von Leitungsschirmen auf den Schaltschrank. Feldgebundene Störungen werden durch das leitfähige Elastomer und das Gehäuse aus Edelstahl abgeleitet. Nach einer Entfernung des Kabels wird der integrierte Verschlussstopfen wieder in die Ursprungsposition leicht zurückgedrückt, um den Anschluss wieder abzudichten.

Unabhängig getestet

Insgesamt erstaunt es deshalb nicht, dass die Verdrahtung einer Maschine mit einer solchen Kabeldurchführungsplatte deutlich schneller installiert werden kann als mit konventionellen Kabelverschraubungen. Das exakte Ausmaß dieser Zeitersparnis bei der Montage mit der KDP/N offenbart eine unabhängige Studie, die die Arbeitsorganisationsgesellschaft REFA zusammen mit den Systemtechnikern aus Baden-Württemberg durchgeführt hat. Dazu simulierten die Organisationsspezialisten unter arbeitswissenschaftlichen Bedingungen eine klassische Anwendungssituation mit 22 zu installierenden Leitungen an einem Standardschaltschrank und verglichen die Montagezeiten für 22 Kabeldurchführungen mit konventionellen Kabelverschraubungen und der Variante Kabeldurchführungsplatte vom Typ KDP/N 24/22. Die Ermittlung der Montagezeiten erfolgte nach den Grundsätzen der REFA-Methodenlehre (MLA), die branchenübergreifend in Handwerk, Industrie, Produktion und Verwaltung angewandt wird. Durchgeführt wurden je sechs unabhängige Montagen.

Enormer Zeitgewinn

Das Ergebnis überzeugte alle Skeptiker: Die Verwendung der Kabeldurchführungsplatte verkürzte die Montagezeit unter den obigen Bedingungen auf weniger als ein Drittel verglichen mit der konventionellen Montage mit klassischen Kabelverschraubungen: Während die Montage mit klassischen Kabeldurchführungen rund 33 Minuten brauchte, benötigte die Montage mit der Kabeldurchführungsplatte lediglich rund neun Minuten.

Damit amortisieren sich die vergleichsweise höheren Anschaffungskosten einer Kabeldurchführungsplatte gegenüber der nötigen Anzahl von einzelnen Kabelverschraubungen: Wenn ein mittelständischer Maschinenbauer pro Tag etwa 10 Schränke verdrahtet, entspricht das bei 320 Arbeitstagen pro Jahr einer realistischen Zeitersparnis von vier Stunden am Tag oder 1.280 Stunden pro Jahr. Klassische Kabelverschraubungen werden deshalb künftig lediglich bei Kabeldurchführungen benötigt, die eine höhere Schutzklasse als IP65 erfordern.bt z

Auf einen Blick

- Die Murrplastik Systemtechnik GmbH mit Sitz in Oppenweiler in der Nähe von Stuttgart gehört seit der Firmengründung im Jahr 1976 zu den Pionieren für Hightech-Produkte aus Kunststoff für Einsätze in der Industrie.

- Das Produktportfolio umfasst unter anderem Kabelschutzlösungen, Energieführungsketten, Kabeldurchführungen, Leitungen, Automations- und Roboterausrüstung sowie innovative Kennzeichnungslösungen für Einzeladern, Klemmen und Schaltgeräte.

Erschienen in Ausgabe: 02/2013