Intelligenz siegt

Peter Adolphs - Sensorhersteller haben die Wirtschaftsflaute gut überstanden. Sie sehen besseren Zeiten entgegen. Denn die Maschinenbauer haben die Krise genutzt. Sie wollen neue Anlagenkonzepte, die mit noch mehr Sensorik ausgestattet werden. Dr. Peter Adolphs von Pepperl+Fuchs sieht neue Chancen für intelligente Konzepte.

30. Juni 2005

Gehen Sie den Weg vom Komponentenlieferanten zum Systempartner ähnlich wie es andere tun?

Weniger. Wir stellen uns primär als Lieferant für Sensor- und Feldbuskomponenten auf. In unserer mittelständisch geprägten Firmengröße sehen wir das Problem, ob uns der Spagat zwischen System und Komponente gelingt. Wir haben zum Beispiel nicht die Möglichkeit, weltweit einen Vor-Ort-Support an jeder Anlage mit den notwendigen kurzen Reaktionszeiten zu bieten. Wer sich ernsthaft als Systemlieferant bezeichnet, sollte dies leisten. Deshalb arbeiten wir mit OEMs und Systemintegratoren zusammen, die diesen Systemsupport bieten. Für uns ist die Konstellation ideal, mit Systemlieferanten zusammenzuarbeiten, die diese Kapazitäten haben.

Welche Dienstleistungen schließen sich an Ihre AS-i-Aktivitäten an?

Ein wichtiges Angebot an den Kunden ist bei der Erstinbetriebnahme, bei der Fehlersuche sowie der Auslegung eines Systems, das über AS-Interface vernetzt werden soll. Da die Unterschiede zur Parallelverdrahtung gravierend sind, spielen die Serviceleistungen in der Konstruktionsphase eine entscheidende Rolle.

AS-i ermöglicht es uns, einen Schritt näher in Richtung Steuerung zu gehen. Ohne uns gleich als Systemlieferant zu bezeichnen, partizipieren wir von einem größeren Liefervolumen in einer Automatisierungslösung und können uns breiter aufstellen. Bisher konnten wir als Sensorspezialist nur einen relativ kleinen Teil der Automatisierungs-Hardware liefern.

Verlassen Sie damit auf leisen Sohlen Ihre Kernkompetenz?

Nein, wir bleiben dabei. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenz, also die Frage, wie man industrielle Elektronik verpackt, damit sie ›feldnah‹ optimal eingesetzt werden kann. Bei AS-i sind das zum Beispiel die entsprechenden Abzweigboxen. Sobald wir in der Pyramide weiter aufwärts steigen und uns Richtung Steuerung bewegen, werden Fragen nach den passenden Programmiertools relevant. Damit würden wir uns überfordern und wären sehr schnell mit sehr großen Wettbewerbern konfrontiert. Bei den Feldkomponenten besetzen wir ein Terrain, in dem wir stärker sind und bedeutendere Marktanteile haben als mancher große Automatisierer.

Was ist das besondere Merkmal von Pepperl+Fuchs?

P+F ist seit 55 Jahren am Markt und nach wie vor in den Händen der Gründerfamilie. Wir haben dadurch die Flexibilität eines Mittelständlers mit kurzen Entscheidungswegen. Wir können auf dem durch große OEMs bestimmten Markt sehr individuell auf Kundenwünsche eingehen und Speziallösungen generieren. Ein Großteil unseres Umsatzes von etwa 40% geht auf das Konto von Speziallösungen. Eines unserer besonderen Merkmale ist auch die Breite der Palette unserer Lösungen. Wir bieten aus eigener Produktion die komplette Sensorik mit sämtlichen Wirkprinzipien.

Sich breiter aufzustellen und dem Kunden den gesamten Warenkorb zu bieten ist doch ein allgemeiner Trend?

Wichtig bei uns ist, dass der überwiegende Teil dieser Produkte aus eigener Entwicklung und Produktion stammt. Wir können also in all diesen Bereichen die notwendige technologische Kompetenz bieten.

Wie sehen Qualitätspolitik und Standards hinsichtlich der Sensoren aus?

Qualitätsanforderungen der Kunden steigen. Hat man früher die Ausfallsraten im Prozentbereich gemessen, lautet die heutige Forderung 3.000 ppm. Die Kunden, insbesondere die großen OEMs, sind weniger als in der Vergangenheit bereit, größere Ausfallraten zu akzeptieren. Die Folgekosten eines Fehlers, der Austausch einer Maschine und die damit verbundenen Stillstandszeiten haben eine Größenordnung erreicht, dass man gerne mehr in der vorgelagerten Qualitätssicherung investiert. Damit werden Ausfallwahrscheinlichkeiten reduziert. Es gibt also viele OEMs, die in ihre Qualitätsvereinbarungen die 3.000 ppm hineinschreiben. Diese Qualität ist in der Produktion nur mit entsprechenden qualitätssichernden Maßnahmen zu erreichen.

Wie sind Sie in Ihrem Segment preislich aufgestellt?

Wir sind gut gerüstet für den harten Verdrängungswettbewerb im Bereich der Sensorik. Wir haben durch unsere Produktionsstandorte in Fernost die Möglichkeit, sehr gute Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Dabei ist der Qualitätsstandard der verwendeten Materialien und Bauteilen unverändert hoch, unser Wettbewerbsvorteil liegt klar in den günstigen Kosten für das Personal. Auf das Billigpreissegment lassen wir uns nicht ein.

Wo produzieren Sie hauptsächlich?

Wir fertigen 60Prozent unserer Volumina in Singapur und Indonesien. Die restlichen 20Prozent entfallen auf unser Stammwerk in Mannheim, die ehemalige Visolux-Fertigung in Berlin sowie einen Standort in Tuttlingen im Schwarzwald. Dort werden Drehgeber hergestellt.

Heben Sie sich dadurch von ihren Wettbewerbern ab, die hauptsächlich hierzulande fertigen?

Viele Wettbewerber setzen stark auf die Automatisierung und nehmen dafür Limitationen in der Variantenvielfalt in Kauf. Wir glauben aber an die Notwendigkeit von individuellen Sensorlösungen, die einen relativ hohen Anteil an Arbeitsleistung benötigen. Jedes Unternehmen favorisiert individuelle Strategien.

Was sind Ihre Zukunftsvisionen für Pepperl+Fuchs? AS-i ist Quasistandard, wo geht die Reise jetzt hin?

Neben der konsequenten Intergration der Feldbusschnittstellen in noch mehr Produkte hinein, liegt unser klares Wachstumssegment in den optoelektronischen Sensoren. Damit hängt auch die Akquisition der Firma Visolux im Jahr 2000 zusammen. Dieser Markt wächst schneller als der Markt für klassische Näherungsschalter. Hier zeichnen sich auch gravierendere technologische Entwicklungen ab.

Wie entwickeln sich die optoelektronischen Sensoren?

Neue Trends sind CCD-basierte Sensoren sowie Laser zur Entfernungsmessung. Dort erwarten wir eine Entwicklung hin zu anspruchsvollen Messapplikationen. Davon partizipieren wir und haben uns durch den Kauf von Visolux entsprechend aufgestellt. Wir sehen auch eine Migration der Optoelektronik in Applikationen, in denen früher induktive Lösungen dominierten. Die Optoelektronik wird diesen höheren Ansprüchen gerecht.

Können Sie ein Anwendungsbeispiel beschreiben?

Zunehmen werden Anwendungen zum Beispiel für CCD-Sensoren, die bisher mit speziellen optischen Lichtschranken oder einer Kombination von mehreren gelöst wurden. Mit der CCD-Technik ist das mit einem kompakten Gerät machbar.

Welche Innovationszyklen gibt es üblicherweise in der Sensorik?

Lichtschranken und Näherungsschalter haben ähnliche Innovationszyklen, die jeweils im Zeitraum von einigen Jahren liegen. Die technischen Highlights wie CCDs und Lasermesstechnk hingegen erleben alle zwei bis drei Jahre Entwicklungsschübe, die im Wesentlichen auf den Fortschritten in der Halbleitertechnik basieren. Diese technologischen Innovationen versuchen wir in die Automatisierungsprodukte zu übernehmen.

In Sachen Optoelektronik sind Sie als kleiner Sensorhersteller in der Hand von riesigen Halbleiterherstellern. Was heißt das in Sachen Preis und Qualität?

Dieses Schicksal teilen wir mit allen Sensorherstellern. Wir können unsere Position vor allem durch die Abnahme hoher Stückzahlen stärken.

Wir standardisieren und kommen auf die entsprechenden Einkaufsvolumina, so dass wir für unseren Partner interessanter Kunde sind. Die Qualität ist kein Problem. Sie ist bei diesen großen und professionellen Unternehmen gleichbleibend hoch. Das Risiko sind unterkritische Stückzahlen, das heißt, dass sich in deren Maßstäben eine Halbleiterproduktion für Bauteile nicht lohnt und sie irgendwann nicht mehr produziert werden. Bei Standardprodukten mit relativ langen Innovationszeiten können an dieser Stelle Probleme auftauchen.

Wie sieht der Sensor der Zukunft aus?

Wenn IT-Anteile in der Maschine wachen, werden immer differenziertere Informationen über die Umwelt, der Maschine erforderlich. Dazu werden immer mehr und intelligentere Sensoren gefragt sein. Der Sensor der Zukunft wird mehr Informationen liefern und auf pysikalischen Prinzipien beruhen, die eine höhere Informationsfülle bieten. Neben der IT wird der Sensorikanteil in der Maschine weiter wachsen.

Der Standardsensor der Zukunft dagegen steht unter hohem Preisdruck. Ein Sensorhersteller muss also diesen Spagat machen zwischen günstigem Comodity-Produkt und High-Tech-Sensor, der nach innovativen physikalischen Prinzipien funktioniert.

Erschienen in Ausgabe: 03/2004