Konfigurator lernt durch Nutzerverhalten

Automatisch konstruieren

Produktkonfiguratoren entwickeln sich durch KI, Cloud und die Einbindung in Digitalen Zwilling zu Engineering-Tools, die Anbieter und Nutzer enorm viel Zeit in Konstruktion und Fertigung sparen. Das sagt Uwe Burk, Vice President, Professional Solutions EuroCentral, Dassault Systèmes.

11. November 2019
Konfigurator lernt durch Nutzerverhalten
»Erlaubt Einblicke in die Art und Weise, wie Kunden Produkte auswählen.« Uwe Burk, Dassault Systèmes. (Bild: Dassault Systèmes)

:K: Produktkonfiguratoren sind bisher meist relativ einfache Werkzeuge, mit dem der Kunde die Möglichkeit hat, das Produkt in einigen wenigen Parametern anzupassen. Bieten Clouds, Künstliche Intelligenz und schnelle Simulationslösungen neue Ansätze, um die Funktionalität und den Einsatz von Online-Konfiguratoren erheblich zu erweitern?

Uwe Burk: Speziell für Unternehmen erschließen sich durch den Einsatz von Cloud- sowie KI-Technologien und schnellen Simulationslösungen neue und vor allem effiziente Wege, Produkte zu visualisieren wovon Produkte und Online-Konfiguratoren profitieren. So können Online-Konfiguratoren durch die Verknüpfung mit der Cloud schneller eingesetzt werden, günstiger erstellt und betrieben werden sowie verschiedenen Stakeholdern direkt bereitgestellt werden. Künstliche Intelligenz hilft zudem dabei, dass Anwenderdaten direkt in Machine Learning Algorithmen einfließen, die beispielsweise dazu beitragen, dass hochauflösende Renderings schneller und in besserer Qualität erstellt werden können. Abschließend bietet SOLIDWORKS Sell Anwendern die Möglichkeit, 3D Modelle direkt via Browser in eine realitätsnahe Umgebung einzubinden, um Verbrauchern Produkte besser erlebbar zu machen.

:K: Auch Plausibilitätsprüfungen und Alternativvarianten erleichtern dem Interessenten die Konfiguration – unterstützt Solidworks Sell diese Funktionen?

Burk: Ja, Solidworks Sell unterstützt Plausibilitätsprüfungen und Alternativvarianten etwa bei direkt aktualisierten 3D-Modellen bis hin zum Einsatz von Augmented-Reality-Anwendungen. Ein Unternehmen, dass sich letztlich für Solidworks Sell entschieden hat, stand lange Zeit vor der Herausforderung, dass deren Produkte durch eine Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten schwer darstellbar waren. Dies führte dazu, dass sie Aufträge erhielten, die in der ausgewählten Konfiguration gar nicht produzierbar waren. Durch Plausibilitätsprüfungen in Solidworks Sell konnte der Online-Konfigurator entsprechend angepasst werden – und sorgte so für eine schnellere Bearbeitung der Aufträge und zufriedenere Kunden.

:K: Werden Änderungen im CAD/CAM-System im Konfigurator automatisch nachgeführt?

Burk: Änderungen finden im Online-Konfigurator nicht statt. Aber CAD-Anwender können diese mit wenigen Klicks selbst vornehmen. Grund dafür ist, dass in einem CAD/CAM-Modell eine große Bandbreite von konstruktionsrelevanten Daten hinterlegt ist, die für einen Konfigurator nicht direkt gebraucht werden. Würden all diese Daten direkt in den Online-Konfigurator einfließen, wäre eine schnelle und einfache Darstellung im Browser nicht mehr möglich.

:K: Können die Daten aus dem Konfigurator vom Nutzer auch in seinem CAD-System genutzt werden?

Burk: Ja, die Konfigurator-Daten stehen Nutzern auch in den eigenen CAD-Systemen zur Verfügung. Mit der richtigen Berechtigung ermöglicht Solidworks Sell einen direkten Export von STL-Dateien.

:K: Was sind weitere Vorteile des Konfigurators für den Nutzer?

Burk: Ein Online-Konfigurator lernt durch das Nutzerverhalten und kann so zur Verbesserung der Produkte und deren Konfigurationen angewendet werden. In SOLIDWORKS Sell werden Daten aus dem Online Tool anonymisiert gespeichert und erlauben so Einblicke in die Art und Weise, wie Kunden Produkte auswählen. Dies hilft nicht nur Entwicklern, Produkte besser auf die Bedürfnisse von Kunden abzustimmen, sondern beispielsweise auch Sales- oder Marketing-Teams, die Positionierung von Produkten richtig zu wählen.

:K: Können intelligente Online-Konfiguratoren die Engineering-Abteilung entlasten?

Burk: Online-Konfiguratoren schaffen Freiräume für Konstrukteure. Andere Unternehmens-Stakeholder können direkt Modelle ausprobieren und verschiedene Produktvariationen im Browser erleben. Die Engineering-Abteilung muss damit nicht für einzelne Konfigurationen jeweils Renderings erstellen – so bleibt mehr Zeit, an der Konstruktion von innovativen Produkten zu arbeiten.

:K: Welche weiteren Bereiche [Vertrieb, Auftragsbearbeitung, Arbeitsvorbereitung, Produktion] können von einem Online-Konfigurator noch profitieren?

Burk: Online-Konfiguratoren können echte Erfolgstreiber für Unternehmen darstellen. So kann das Unternehmenswachstum etwa durch zu langsame Auftragsbearbeitung gehemmt werden – und das, obwohl genügend Aufträge generiert werden. Solidworks Sell zeigt direkt an, welche Bauteile benötigt werden, die im Anschluss entsprechend bestellt werden können. Dadurch werden Aufträge schneller bearbeitet und Kundenwünsche erfüllt. Der Vertrieb kann außerdem von der Datenauswertung des Online-Konfigurators profitieren: Sollten gewisse Varianten besonders selten bzw. nie erstellt werden, dann ist dies über den Konfigurator direkt ersichtlich. Vertriebsmitarbeiter haben damit einen besseren Überblick darüber, welche Produkte wie verkauft werden sollten.

Weitere Interviews zum Thema Konfiguration mit: