Digitaler Zwilling

Automatisch konstruieren

Produktkonfiguratoren entwickeln sich durch KI, Cloud und die Einbindung in Digitalen Zwilling zu Engineering-Tools, die Anbieter und Nutzer enorm viel Zeit in Konstruktion und Fertigung sparen. Das sagt Stephan Buchmann, Geschäftsführer Item Industrietechnik, dazu

11. November 2019
Digitaler Zwilling
»Durch den digitalen Zwilling erkennt unser System die Bearbeitungs- und Montageschritte.« Stephan Buchmann, Geschäftsführer item Industrietechnik GmbH. (Bild: Item)

:K: Produktkonfiguratoren sind bisher meist relativ einfache Werkzeuge, mit dem der Kunde die Möglichkeit hat, das Produkt in einigen wenigen Parametern anzupassen. Bieten Clouds, Künstliche Intelligenz und schnelle Simulationslösungen neue Ansätze, um die Funktionalität und den Einsatz von Online-Konfiguratoren erheblich zu erweitern?

Stephan Buchmann: Das item Engineeringtool unterscheidet sich in vielfacher Hinsicht von bekannten Produktkonfiguratoren. So stellt es keine Fokussierung auf eine bereits vorgedachte Variantenauswahl dar, sondern bietet dem Nutzer völlige Freiheit in der Kombination von mehr als 4.000 Systemkomponenten. Jedes Systemelement ist gleichsam „aufgeladen“ mit Wissen um Verwendbarkeit und Schnittstellen. Dadurch entsteht ein digitaler Zwilling eines jeden Produkts. Eine solche Kombinatorik wird erst möglich durch die Bereitstellung von Produktgeometrien-, -eigenschaften und die Verknüpfung mit intelligenten Regelwerken, die wissensbasiert anwachsen können. Allein deshalb ist eine Onlineanwendung zwingend erforderlich.

:K: Auch Plausibilitätsprüfungen und Alternativvarianten erleichtern dem Interessenten die Konfiguration – bietet Ihr Konfigurator entsprechendes?

Buchmann: Bereits heute sind Plausibilitätsprüfungen in das item Engineeringtool integriert. Dazu zählen Kollisionsprüfungen und eine Auswahl von Komplementärprodukten, die dem Anwender vorgeschlagen werden. Es werden außerdem automatisch passende Zubehörprodukte ausgewählt und nur untereinander kompatible Produkte können miteinander verbunden werden.

Produktvarianten können schnell auch nachträglich noch geändert oder angepasst werden – wahlweise über die gesamte Konstruktion oder nur bei einzelnen Produkten.

:K: Können die Daten aus dem Konfigurator vom Nutzer auch in seinem CAD-System genutzt werden?

Buchmann: Ein ganz klares Ja: Unsere langjährige eigene Erfahrung in der Konstruktion von Lösungen und viele Gespräche mit Anwendern haben uns darin bestärkt, von Anfang an die Transformation der Ergebnisse aus dem item Engineeringtool in alle gängigen CAD-Programme vorzusehen. Daher kann der Nutzer zu jedem Zeitpunkt seine item-Konstruktion in das von ihm präferierte CAD-System exportieren. Die Geometrie wird dabei ebenso übertragen wie eine Vereinzelung der Komponenten, jedoch steht ein großer Teil der Integrationsassistenz ausschließlich im item Engineeringtool zur Verfügung. Je länger der Anwender dort verbleibt, desto größer ist der Nutzen für ihn. Wir empfehlen daher, die Konstruktion der item-Anwendung soweit wie möglich im item Engineeringtool zu belassen und den Export erst für die Integration von Fremdprodukten vorzunehmen.

:K: Was sind weitere Vorteile des Konfigurators für den Nutzer?

Buchmann: Der Nutzer des item Engineeringtools erhält nicht nur eine intelligente Konstruktionsumgebung, sondern zugleich eine einzigartige Projektnummer, eine Online-Bestellfunktion sowie eine dezidierte Bearbeitungs- und Aufbauanleitung für seine Konstruktion! Hierin liegt ein großer Vorteil gegenüber allen am Markt existierenden CAD-Systemen und den üblichen Konfiguratoren: Durch den digitalen Zwilling unserer Produkte im Engineeringtool erkennt unser System die erforderlichen Bearbeitungs- und Montageschritte und ordnet diese logisch zueinander an.

Diese einzigartige Unterstützung spürt also nicht allein der Konstrukteur, sondern in gleicher Weise der Monteur, selbst wenn er an der Konstruktion nicht beteiligt war.

Durch die Integration des item Engineeringtools in unsere Online-Welt erhält der registrierte Kunde zudem einen direkten Zugang zur Auftragserteilung inkl. aller für ihn persönlich hinterlegten Parameter rund um Bestellung und Lieferung. Das verkürzt die Durchlaufzeiten enorm. Die Lieferung erfolgt als kompletter Bausatz in kürzester Zeit – dies reduziert zudem die Lagerhaltung beim Kunden.

:K: Können intelligente Online-Konfiguratoren Sie als Anbieter bei der Entlastung der Engineering-Abteilung unterstützen?

Buchmann: Was dem Kunden nutzt, das nutzt auch item selbst. Durch die vollständigen und fehlerfreien Daten, wie zum Beispiel die Stückliste oder den Bearbeitungsplan, konnten wir eine durchgängige digitale Prozesskette aufbauen. Produktionsrelevante Klärungen sind üblicherweise nicht mehr erforderlich. Das verkürzt die Durchlaufzeit und minimiert Fehler und Missverständnisse.

:K: Welche weiteren Bereiche (Vertrieb, Auftragsbearbeitung, Arbeitsvorbereitung, Produktion) können beim Anbieter von einem Online-Konfigurator profitieren?

Buchmann: Das item Engineeringtool wird im eigenen Hause intensiv geschult, damit möglichst viele Bereiche in der Lage sind, unseren Kunden gegenüber leistungsfähiger zu werden. Das beginnt beim Kundenberater, der gemeinsam mit dem Kunden eine Lösung erarbeiten kann. Der Skizzenblock wird dabei ersetzt durch einen Internetzugang, der ein dokumentiertes Ergebnis liefert, das innerhalb von item direkt weiterverwendet werden kann. Beim Durchlauf des Kundenauftrages nutzen wir diese originären Daten. Dies ermöglicht es uns, in kürzester Zeit und mit höchster Sicherheit das vom Kunden erwartete Ergebnis zu liefern. Der Kunde erhält seine Systemkomponenten vollständig bearbeitet und mit einer verständlichen Bauanleitung, genau so, wie er die Lösung projektiert hat.

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