»Auf dem richtigen Weg«

Im Rahmen der Eplan-Pressekonferenz im Juni 2019 erklärte CEO Sebastian Seitz im Interview mit der :K, was sich hinter einem „Eplan-Projekt“ verbirgt und welchen Mehrwert es für den Kunden bringt.

22. Oktober 2019
Eplan Geschäftsführer Sebastian Seitz
Sebastian Seitz, CEO Eplan. ( Bild: Eplan)

Herr Seitz, Sie sprechen von Eplan-Projekten und dass Sie im Zentrum Ihrer Arbeit stehen. Was ist damit gemeint?

Unter einem Eplan-Projekt verstehen wir das, was wir am Ende des Tages mit unseren Lösungen kreieren, nämlich eine Information zu Containern, die alle Informationen eines Automatisierungsprojekts und dessen Projektierung umfasst. Es ist im Prinzip wie eine Kugel, in der sich alle notwendigen Tools und Informationen befinden, eine konsistente Kugel, die ein Automatisierungsprojekt vollständig beschreibt. All dieses Wissen stellen wir dann für weitere Prozessschritte zur Verfügung. Das Projekt ist somit das zentrale, digitale Modell einer Automatisierungslösung, das mit verschiedenen Applikationen wie Eplan Electric P8, Pro Panel und Fluid aufgebaut wird und als „Single-Source-of-Truth“ verfügbar ist.

Etwas Ähnliches haben wir bereits mit der Eplan-Plattform geschaffen und heute bereits in einem gemeinsamen Datenmodell aufgebaut. Es geht immer um den Mehrwert für den Kunden, indem er nicht verschiedene Lösungen an unterschiedlichen Stellen im Prozess benötigt, sondern mit einem geschlossenen System arbeiten kann, geschlossen im Sinne eines konsistenten Datenmodells. So spart er Kosten und Zeit und bekommt mehr Sicherheit und eine perfekte Dokumentation.

Ein Eplan-Projekt soll alles umfassen, was wir generieren und erzeugen, etwa über unsere Plattform, was Anwender und Entwickler tun, um eine Automatisierungslösung zu erzeugen, und das, was von extern die Lösung anreichern kann. Daraufhin können wir Prozesse und Used Cases zu stricken, die dann wieder einen erheblichen Mehrwert für unser gesamtes Ökosystem liefern. Mit all diesen Informationen soll der Anwender weiter arbeiten können, mit all diesen Möglichkeiten wollen wir seine Geschäftsmodelle noch besser unterstützen und Prozesse digital abbilden. Das ist unser großes Ziel.

Können Sie ein praktisches Beispiel nennen?

Ein Automobilhersteller etwa kann seinen Zulieferern Regeln vorgeben, welche Komponenten er verbaut, zum Beispiel die Steuerungen von Hersteller A und andere Bauteile des Herstellers B. Diese Vorgaben machen wir in unserer Welt des Eplan-Projekts darstellbar und der Automobilhersteller kann seine Projektierung starten. Das läuft on premise auf unserer Plattform machen oder auch in der Cloud. In jedem Fall stehen alle erforderlichen Informationen zur Verfügung, beziehungsweise wird sichtbar, auf welchen Stand diese sind. So sind alle beteiligten Partner immer auf dem neuesten Stand, das gesamte Netzwerk greift ausschließlich auf das Eplan-Projekt zu. So lassen sich schnell Verbesserungen erzielen.

Das klingt aber recht komplex…

Zugegeben, das läuft auf einem sehr hohen technischen Level ab und wir schauen mit Argusaugen darauf, dass alles konsistent bleibt über die gesamte Zeit, egal was wir entwickeln, dass es jederzeit eine möglichst ideale Integration gibt. Wir versuchen, aus allen Welten das Beste zu nutzen. Wir laufen aber nicht irgendwelchen Technologietrends hinterher, sondern schauen uns jede Technologie sehr genau an. Das ist teils aufwändig, aber um es zu wiederholen: Wir wollen einen Riesenmehrwert generieren bei unseren Kunden, indem wir eben auf digitale Art und Weise ein Automatisierungsprojekt nahezu perfekt beschreiben, und diese Information an allen Stellen verfügbar machen.

Wie verbindet sich das mit dem Thema Cloud und Ihrer digitalen Strategie allgemein?

Wir unterscheiden relativ stark zwischen den Begriffen Digitalisierung und digitaler Transformation. Digitalisierung umfasst dabei alle Logik und Information, die in irgendeiner Form vorhanden ist, und dieses Wissen gilt es, digital verfügbar und verwendbar zu machen und in einer Automatisierungslösung zu verwenden. Das Ziel ist, Prozesse deutlich einfacher, effizienter und schneller zu gestalten, um wiederum Kosten und Zeit zu sparen.

Digitale Transformation hingegen meint die Veränderung von Geschäftsmodellen auf Basis digitalisierter Prozesse, angefangen von der Digitalisierung des Contents und dessen Verwendung in den Prozessen bis zu digitalen Geschäftsmodelle, die wir dann völlig anders bauen müssen. Ein prominenter Vorreiter dabei ist Amazon.

Was hat das konkret mit Eplan zu tun?

Die neue digitale Denkweise zeigt sich bereits ganz deutlich in unserem Data Portal. Hier sammeln wir Gerätedaten von möglichst allen Herstellern, auf die wir Zugriff haben und bilden diese digital ab. Wir sind schon seit längerem stark darauf fokussiert, Informationen zu liefern und Makros zu entwickeln, um einen Schaltplan zu erstellen. Das ist aber bei weitem nicht genug und darum wollen wir das Portal auf ein völlig anderes Level zu heben.

Bisher wird ein Schaltschrank gefertigt, indem man Geräte in einem Gehäuse platziert und miteinander verdrahtet. Für eine erfolgreiche Automatisierung dieser Prozesse benötigen wir aber viel mehr Informationen zu einem Gerät. Wenn Sie zum Beispiel eine Montageplatte automatisch mit Gewinden und Löcher versehen wollen, macht es Sinn, wenn die Gerätedaten bereits ihr eigenes Vorbild kennen. Darum arbeiten wir verstärkt am Thema globaler Datenstandard: Wie werden Gerätedaten und Geräte beschrieben, um alle Prozesse bis zur Beschaffung automatisierbar zu machen? Welche Daten sind erforderlich?

Wie bewerkstelligen Sie das konkret?

Offene, standardisierte Schnittstellen wie AutomationML (AML) stellen die Daten beliebigen Nutzern zur Verfügung. Das geschieht ohne applikationsspezifische Formate oder Datenstrukturen. Nutzer können beispielsweise Maschinen zur Schaltschrank- oder Drahtbearbeitung sein oder auch Menschen, die mit Hilfe digitaler Informationen die Verdrahtung vornehmen. In der Betriebsphase gilt es, die Anlagenverfügbarkeit zu maximieren und im Fehlerfall Stillstandzeiten zu minimieren. QR-Codes von verbauten Komponenten helfen, diese wiederzufinden und deren Eigenschaften, wie Teilenummer und technische Daten für die Ersatzteilbeschaffung an jeder Stelle in der Anlage und zu jeder Zeit per Tablet oder Smartphone zur Verfügung zu stellen. Unser Tool Eplan ePulse unterstützt diese Szenarien in idealer Art und Weise. Sind die oben erwähnten Projektdaten dort gespeichert, steht einem Zugriff zu jeder Zeit und von jedem Ort nichts im Wege.

Wie groß ist Ihr Datenbestand?

Wir können schon heute auf mehr als zwei Millionen Komponenten von fast 300 Herstellern zugreifen. Das hört sich schon gut an, aber wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen, da gibt es noch eine große Chance, uns weiterzuentwickeln. Wir benötigen dazu Daten, die aus vielen verschiedenen Prozessen nach dem Engineering als unserem Herzstück kommen. Diese Daten möchten wir nahtlos in unsere Lösungen integrieren, um es den Anwendern so leicht wie möglich zu machen. Da sind wir mittendrin.

Was ist der Benefit für den Kunden?

Die Unternehmen müssen derzeit noch viel Energie und Zeit investieren, um die Datenaufbereitung im Hintergrund zu stemmen und für die Anwendungsfälle zu ergänzen. Das wollen wir mit Cloud-Lösungen und -Applikationen wie dem Startup-Portal beheben, das voll in unsere Plattform-Lösung integriert ist. Damit helfen wir dem Anwender, mit seinen Daten zu operieren. Eine konkrete Lösung ist die Cogineer Cloud, die den Kunden von der Zeichenarbeit bis zur Erstellung des Schaltplans deutlich entlastet. Wir haben dazu eine Umgebung geschaffen, in dem wir für eine Standardschaltung Konfigurationsmöglichkeiten in der Cloud anbieten. Das Ergebnis können sie dann in der Plattform verwenden. Wir versuchen dem Anwender, einen Mehrwert zu bieten, indem wir ihn von Standardtätigkeiten befreien und Prozesse auf Basis digitalisierter Informationen zu vereinfachen.

Wir schauen auch sehr stark auf die Herstellung und streben nach einem hundertprozentigen digitalen Zwilling eines Schaltschranks. Der ist nicht nur dazu da, um Schrank schön im 3D-Raum zu drehen können, sondern weil wir daraus Fertigungsinformationen ableiten. Der Sinn ist, eine Maschine, die zum Beispiel Ausbrüche in die Gehäuse appliziert, oder die Verdrahtung komplett zu automatisieren. Alle Informationen dazu kommen aus dem digitalen Modell und darum müssen alle relevanten Daten vollständig vorhanden sein. Darum müssen wir immer ganz vorne im Prozess ansetzen, bei der Beschreibung, was wir verbauen.

Dann muss aber auch die Zusammenarbeit perfekt passen…

Ja, und hier spielt das Thema Cloud wieder eine nicht ganz unerhebliche Rolle. Viele Unternehmen beauftragen nämlich externe Schaltanlagenbauer und daraus entsteht viel Kommunikation eine großer Bedarf für eine perfekte Kollaboration. Wir können auf Basis digitalisierter Information Prozesse in Gang setzen und verbessern, auch wenn viele Parteien beteiligt sind. Jeder Hersteller muss gemäß Maschinenrichtlinie seine Dokumentation an den Kunden liefern und das können wir automatisiert anbieten. Heute sind viele aber noch weit davon entfernt, verwenden Papier oder CDs oder Downloads per E-Mail. Darum brauchen wir eine automatisierte Dokumentation über Unternehmensgrenzen hinweg.

Gibt es dafür auch konkrete Produkte?

Eines ist das Eplan eView, mit dem wir aus unserer Plattform relevante Informationen in die Cloud transferieren können, wo der Kunde dann Zugriffe regeln und sein Netzwerk bedienen kann, um diese Informationen möglichst perfekt an die Stellen zu bekommen, wo sie für ihn am nützlichsten sind. Auch hier verfügt er wieder über eine aktuelle und lückenlose Dokumentation. Das eView ist ein weiteres Beispiel dafür, wie man den Kollaborationsprozess deutlich verbessern kann.

Rechnet sich das für Sie?

Derzeit bieten wir die Basislösungen für eView und Co kostenlos an, später gibt es vielleicht auch eine Lizenzlösung je nach Funktionsumfang. Wir streben aber nicht unbedingt eine direkte Monetarisierung an, sondern wollen das eher indirekt tun und halten das für den intelligenteren Weg, der letztendlich in Cloud-Geschäftsmodellen auch funktioniert. Dabei hängt es natürlich sehr stark davon ab, wie viele User wir von den vorhandenen Lösungen begeistern können. Primäres Ziel ist, Netzwerk und Kollaboration so stabil wie möglich aufzustellen. Langfristig sehen wir aber schon Potenzial zur Vermarktung, aber müssen noch lernen, wie die verschiedenen Geschäftsmodelle ineinandergreifen und wie wir die Maschinendaten, die dem Kunden gehören, sicher verwalten und wie weit wir diese einsehen dürfen. Und auch hier wieder: der Mehrwert für den Kunden!