Ist der Fachkräftemangel hausgemacht?

Pro&Contra

Ingenieurmangel – Deutschland gehen die Fachkräfte aus. Oder nutzt lediglich die Wirtschaft zu wenig das Potenzial weiblicher und älterer Ingenieure?

06. Juli 2009

+ Sicherlich kann man bei vielen älteren arbeitslosen Ingenieuren und nur einigen Zehntausend offenen Ingenieurstellen nicht von einem echten Fachkräftemangel sprechen. Es sei denn, dass lediglich der junge, männliche Ingenieur als Wunschbewerber angesehen wird. Und hier liegt leider die Krux: Deutschland ist kein Land der Dichter und Denker mehr; wir preisen uns gerne als Hightech-Land – und tun doch zu wenig für innovative Technologien und Fachkräfte. Die Unternehmen haben in den letzten Jahren fast nur auf die Mehrkosten durch höhere Gehälter geachtet und deshalb dazu tendiert, lieber einen vermeintlich »günstigeren« Super-Absolventen einzustellen, der am besten zwei Abschlüsse, perfekte Praktika und trotz Absolventen-Status bereits einige Jahre Berufserfahrung mitbringt. Ältere Ingenieure und Ingenieurinnen erhalten heutzutage selten die Chance, wieder fest ins Berufsleben einzusteigen, um die kreativen, jungen Teams mit ihrer Erfahrung und Ruhe auszugleichen. Dabei wäre es für Unternehmen vorteilhaft, wenn sie auch den Mehrwert für das Unternehmen bewusst mit einkalkulieren würden. Aber auch bei den Ingenieurinnen – die häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind als ihre männlichen Kollegen – sind die Unternehmen gefragt.

- Wir kennen keinen hausgemachten Fachkräftemangel. Denn Hänchen Hydraulik betreibt die Personalentwicklung gerade im technischen Bereich sehr langfristig und mit großer Breite. Das betrifft Alter, Qualifikation und Schwerpunkte gleichermaßen. Bei einem Durchschnittsalter von 41 Jahren finden bei uns Berufsanfänger ebenso ihren Arbeitsplatz wie Ingenieure mit jahrzehntelanger Erfahrung. Durch einen guten Mix aus Absolventen von Berufsakademie, Fachhochschule und Universität sichern wir die praktische Kompetenz ebenso wie die Fähigkeit zur Entwicklung neuer Grundlagen. Damit diese gute Mischung erhalten bleibt, bieten wir langfristige Perspektiven und sichere Arbeitsplätze. Eine Fluktuation von 1 Prozent jährlich bestätigt, dass uns dies gelingt. Dazu trägt auch bei, dass wir durch Teilzeitarbeit für Eltern flexible Lösungen ermöglichen. Wer sich so auf die Bedürfnisse qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellt, behält langfristig die notwendige technische Kompetenz im Haus. Wo ein Unternehmen nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern auf langfristige Erfolge ausgerichtet ist, besteht eine optimale Basis für eine solche Personalpolitik mit langem Atem. Wir sind der Überzeugung, dass sich dieser Aufwand lohnt.

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Erschienen in Ausgabe: 04/2009