Jagd auf perfekten Antrieb

Servoaktuatoren - Mittlerweile ist die Bandbreite an Motoren fast unüberschaubar. Um den perfekten Servoaktuator zu finden, ist eine interessante Zusammenarbeit entstanden.

31. Januar 2006

Dynamik soll schon der Name ausdrücken: Lautmalerisch an die griechische Göttin der Jagd angelehnt, möchte die Wittenstein motion control GmbH mit dem neuen, kompakten AC Servoaktuator Dyana sein Sortiment sinnvoll ergänzen. Dyana zeichnet sich durch minimierte Massenträgheit und eine kompakte, integrierte Bauform aus. Dazu erklärt Dr. Andreas Rükgauer, Sales Manager Industrie: »Bisher hatten wir mit den TPM hochperformante und superkompakte Lösungen an Bord, die etwas teurer sind als der Durchschnitt und eine kleine, bestimmte Nische besetzen. Die häufigste Anwendung von alpha-Getrieben liegt aber nicht beim Flansch wie bei den TPM, sondern bei der Welle. Insbesondere im unteren Leistungsbereich konnten wir in diesem Segment große Zuwächse verzeichnen. Deshalb wollte Wittenstein eine kostengünstige Lösung mit Großserienmotor und einem Getriebesatz auf Basis des LP-Wellengetriebes bauen.« Das Produkt ist eine Gemeinschaftsentwicklung von Wittenstein motion control und der Siemens A& MC. Siemens ist seit langem einer der wichtigsten Absatzpartner von des Motorenbauers aus Igersheim. Bereits in der Vergangenheit gab es gemeinsame Aktivitäten wie zum Beispiel gemeinsame Kundentagungen, die so genannten ›mme-Days‹. Andreas Rükgauer ergänzt: »Jetzt streben wir eine strategische Kooperation an, um aus der Zusammenarbeit zusätzlichen Nutzen für unsere Kunden zu generieren. Wir haben da auch schon verschiedene marktbezogene und technische Themen im Blick.« Jedes Unternehmen leistet für sich seine selbst getragene Entwicklungsarbeit. Im Fall Dyana übernimmt Wittenstein den Getriebeteil und Siemens den Motorteil. Beide gemeinsam definieren Schnittstellen und werden das Produkt montieren und vermarkten, allerdings mit unterschiedlichen Optionen und Ausprägungen.

Wittenstein profitiert von der Großserienfertigung des Motors. »Zu Kosten wie Siemens sie hat, können wir zurzeit selbst nicht fertigen«, so Sales Manager Rükgauer. »Siemens ist für uns der optimale Partner. Sie haben mit dem Fokus Hightech-Anwendungen eine ähnliche Ausrichtung und keine politischen Einschränkungen durch Beteiligungen.« Die Motorenkompetenz bei Siemens läge eindeutig in der leistungsfähigen, kostengünstigen Großfertigung, während die integrierten mechatronischen Servoaktuatoren von Wittenstein immer eher klein und fein seien und etwas teurer. Beide Partner führten mit ihren Produkten aber ihren jeweiligen Markt an.

»Das Hauptalleinstellungsmerkmal von WMC Industrie ist die Integration von Elektromechanik in Produkte höchster Kompaktheit und Leistungsdichte, wie zum Beispiel in den Baureihen ›ternary‹ oder ›TPM‹. Die Motoren werden vielfältig eingesetzt, in der Sondertechnik als Projektgeschäft, zunehmend aber auch in der Industrie«, fährt Rükgauer fort. Seit Ende der 90er-Jahre sei Wittenstein dort sehr erfolgreich. Viele namhafte Kunden setzten diese Produkte bei Anwendungen mit höchsten Anforderungen ein. Dort sieht das Unternehmen die Chance, Mehrwert zu generieren.

Kein Winkelgetriebe notwendig

Gegenüber industrieüblichen Kombinationen von Servomotor und Koaxialgetriebe weist der Servoaktuator Dyana drei Vorteile auf: Zum ersten konnten durch sein integriertes Design Gewicht und Länge reduziert werden. Aufgrund der kompakten Bauweise entfällt die Notwendigkeit, Winkelgetriebe einzusetzen. Diese verursachen verhältnismäßig hohe Kosten und verbrauchen viel Bauraum.

Ohne Winkelgetriebe wird seitlicher Bauraum bei gleicher Länge drastisch reduziert. »Unsere Konstrukteure haben drehende Teile eingespart und Motor und Getriebe gemeinsam in ein Gehäuseteil integriert, nach dem Grundsatz ›Einbau statt Anbau‹. Dank des hohen Integrationsgrades von Dyana ist ein Produkt entstanden, das sich durch Dynamik, Zuverlässigkeit und hohen Wirkungsgrad auszeichnet.« Zusätzlich minimiere der Servoaktuator die Logistikkosten für Beschaffung und Montage, da er als komplette Einheit mit allen mechanischen und elektrischen Komponenten geliefert wird. Gleichzeitig schließe Dyana die größte Fehlerquelle aus, nämlich die nicht sachgemäße Montage bei industrieüblicher, diskreter Bauform von Getriebe, Kupplung und Motor. »Dies führt oft zu nicht sauber fluchtenden Drehachsen bei Motor und Getriebe und damit zu Ausfällen der Anlage.« Anfallende Komplexitätskosten würden somit erheblich gesenkt, denn im Gegensatz zu der Zweiheit Motor und Getriebe besteht ein Servoaktuator nur aus einem Teil. Dies bedeutet eine reduzierte Lieferantenzahl und damit weniger Teile und Bestell- und Dispositionsvorgänge.

Breiter Einsatz möglich

»Dyana ist eine wichtige und logische Produktergänzung der Wittenstein motion control GmbH«, fasst Andreas Rükgauer zusammen. »Damit ist es uns gelungen, das bewährte Konzept unserer Entwicklungsstrategie der Integration auf ein weiteres Produkt zu übertragen. Wir nennen das MINI: Miniaturisierung, Intelligenz, Netzwerk, Innovation.

Der Mehrwert liegt in der Berücksichtigung dieser Elemente. Immer klein, fein und dynamisch. Mit anderen Worten: Dyana bietet unseren Kunden die Chance, die Vorteile unserer bewährten Produktstrategie der Integration in einem größeren Umfang als bisher einzusetzen.«

Der Dyana Servoaktuator eignet sich für ein breites Einsatzgebiet, zum Beispiel in der Nahrungsmittel- und Verpackungsindustrie, für Holzbearbeitungsmaschinen, Werkzeugmaschinen, die allgemeine Automatisierung und Linearhandling. Rükgauer sieht die Stärken überall dort, wo Maschinen im Zyklus- und Dauerbetrieb arbeiten. »Hauptsächlich ist dies der Fall, wo Nebenachsen erforderlich sind.

In den Fertigungsprozessen unserer Kunden liegen zurzeit die größten Einsparpotenziale, da die Kernprozesse oft optimiert sind. Beispiele sind der Paletteneinzug, Werkzeugmaschinen, Werkzeug-Wechsler, Zuführ- und Förderachsen und Produktionsmaschinen.« Der damit neu erschlossene Anwenderbereich der schnell laufenden Supportachsen mache Dyana zu einer idealen Produktergänzung für das bereits am Markt eingeführte Produkt TPM. Besonders in den Transferachsen der Be- und Entladung überzeugten Kompaktheit und dynamische Eigenschaften. Der dauermagneterregte Synchronmotor Dyana ist wartungsfrei und in den Baugrößen 70, 90, 120 und 155 erhältlich.

Michael Kleine

Erschienen in Ausgabe: 01/2006