Jenseits aller Standards

Spezial IPC Innentitel

ipc – B&R ist schon lange tief drin in der Materie der Industrie-PC. Die Österreicher sehen ihre Produkte als sehr weit entwickelt an und präsentieren eine Reihe von Alleinstellungsmerkmalen.

10. Dezember 2013

Der PC-Markt als solches ist im Prinzip einfach: Motherboard, Prozessor, Arbeitsspeicher, Massenspeicher Netzteil, Gehäuse, Betriebssystem – fertig ist das Gerät. Auf den zweiten Blick gestaltet sich die Geschichte aber komplizierter und darum hat sich B&R einiges einfallen lassen, um den Kunden optimale Produkte zu liefern. Bei der Auswahl eines PCs spielt meist der Preis die Hauptrolle. »Das ist aber nicht der richtige Ansatz«, wirft Raimund Ruf, Business Manager IPC bei B&R, ein. »Man muss den gesamten Lebenszyklus betrachten. Was vordergründig kostengünstig ist, kann auf Dauer sehr teuer werden.«

Fünf Kriterien geben für ihn den Ausschlag. Das erste ist die Innovationsdynamik, denn Versionen von Rechnern und Betriebssystemen folgen sehr schnell aufeinander. Damit einher gehen die Individualisierung der Geräte sowie die Anforderungen an das jeweilige System. »In Hochleistungsanlagen kann man sich schlecht einen Monitor von der Stange vorstellen«, sagt Raimund Ruf. Des Weiteren stehen Robustheit und Qualität zur Debatte genau wie die Langzeitverfügbarkeit. »Man möchte ja nicht permanent nachrüsten und umstellen müssen.«

Als Alternativen nennt er den einfachen Consumer-PC, der häufig in industrialisierter Ausstattung angeboten wird und weit verbreitete Standardtechnik ist. »Außerdem gibt es den klassischen Industrie-PC, den B&R noch einen Schritt weiter gedacht hat. Darum stellen wir unser System separat da, weil wir mit Fug und Recht behaupten, noch mehr zu tun, als Anwender beim klassischen IPC vorfinden.«

Der Consumer-PC ist in der Innovationsdynamik vorn, mit Individualität ist es allerdings nicht weit her, vieles ist von der Stange. »Sonderanforderungen wie etwa in Fragen der Hygiene werden nicht erfüllt, robust sind die Geräte auch nicht und die Langzeitverfügbarkeit liegt aufgrund der vielen Systemwechsel irgendwo bei null. Die Innovationsdynamik geht immer zu Lasten der Langzeitverfügbarkeit.«

Beim industrialisierten Consumer-PC nehmen Anbieter meist Standardboards vom Markt, hübschen sie auf wie etwa mit einem Metallgehäuse, und die Maschinenbauer integrieren das in ihre Anlagen. Raimund Ruf sieht hier einen starken Trend zuzukaufen, weil die EDV-Abteilungen in vielen Unternehmen zunehmend überfordert sind mit der Innovationsgeschwindigkeit, vor allem mit der Wartung und dem Lifecycle-Management. »Die Individualisierung ist hier geringfügig stärker als bei Standardlösungen, industrietauglich sind diese Lösungen aber nicht wirklich, bei Sonderanforderungen sieht es schlecht aus.« Der klassische Industrie-PC lässt sich zwar länger verwenden und er ist robuster. Individualisierung ist aber laut Ruf nicht in dem Maße gegeben, wie es viele Anwender benötigen.

Ready-to-use

An dieser Stelle setzt B&R an: »Wir tun mehr, um die an uns herangetragenen Anforderungen zu erfüllen«, ist sich Raimund Ruf sicher. »Wir machen uns Innovationen bei Consumer-PCs nutzbar und haben zum Beispiel schon vor 20 Jahren Flash-Laufwerke in unseren Geräten eingeführt, weil nicht rotierende Massenspeicher viele Vorteile bieten.« In den B&R-IPC gebe es demnach eine Vielzahl von Möglichkeiten, Geräte nach den Anforderungen der Maschinenbauer auszurüsten, die diese Systeme dann schlüsselfertig direkt über den Schaltschrankbauer beziehen können. »Da ist alles vorinstalliert und gelabelt im jeweiligen Kundendesign. Unsere IPC sind also ready-to-use und out-of-the-box, weiterer Installationsaufwand ist nicht notwendig.«

B&R bietet Produkte für alle denkbaren Anforderungen.

Das geht bis zu Schutzart IP69K und hört auch beim Design nicht auf, wo etwa dank abgeschrägter Flächen das Wasser besser abläuft – wichtig für den Pharmabereich oder die Lebensmittelindustrie. »Es ist immer unser Ziel, die Geräte möglichst robust zu bauen«, sagt der Business Manager. »In unseren IPC gibt es keine Kabel, alles ist über stabil verschraubte Leiterplattenverbindungen realisiert. Wir statten unsere Systeme auch mit zusätzlicher Intelligenz aus wie dem sogenannten Maintenance-Controller.« Mit ihm ist es möglich, interne Temperatursensoren auszuwerten, der Betreiber hat zudem vollen Zugriff auf die gesamte Firmware-Infrastruktur und er kann Updates ausführen.

In Sachen Langzeitverfügbarkeit mache den Eggelsbergern auch niemand etwas vor. »Wir setzen auf konsequentes Product Lifecycle-Management und das beginnt für uns schon weit vorne im Entwicklungsprozess.« B&R setzt möglichst frühzeitig auf die jeweils aktuelle Prozessorgeneration auf, denn je früher die Produkte auf dem Markt sind, desto länger sind sie verfügbar. »Wir können den Kunden Geräte mit neuen Intel-Prozessoren schon zwei Tage nach dem Produktlaunch auf den Tisch stellen.«

B&R beschäftigt sich schon seit 1995 mit der digitalen Displayübertragung. Bereits mit der ersten Pendling-Schnittstelle war es möglich, den Touchscreen mit einem separaten Kabel bis zu zehn Meter abzusetzen. »Wir haben uns eine eigene Hardware-Umgebung geschaffen«, erzählt Ruf. Mit der zweiten Generation erhöhte sich die Distanz auf 40 Meter, aktuell liegt der Wert dank des von B&R entwickelten Smart-Display-Links bei 100 Metern. »So können wir auch sehr große Anlagen abdecken, für die bessere Verkabelung durch Tragarme bieten wir jetzt sehr schlanke L45-Stecker.«

Die Grafik-Performance ist sehr hoch, denn die Ingenieure nutzen die Leistung des Grafik-Prozessors und müssen das nicht über die CPU im Panel umsetzen. »Wir sind schon seit 2004 vollständig modular, alles ist kompatibel, auch zu kundenspezifischen Automationslösungen, denn diese bauen auf derselben Technologie auf.« Der Kunde kann so auch ältere Anlagen jederzeit aufrüsten, alle Servicedaten sind vorhanden und lassen sich überspielen. Er muss den IPC gar nicht antasten oder zusätzliche Treiber installieren.

Fünf Einschübe

Ein konkretes Beispiel für einen B&R-IPC ist der Automation PC 910 mit 2.000 Varianten, den es jetzt neu auch mit fünf Einschubkarten im Format PCI/PCI Express gibt. Für maximale Freiheit in der Anwendung lassen sich auf diese Weise Prozessoren, Speichergrößen und Gehäusebauformen beliebig kombinieren. Die Einschubkarten erlauben es, Funktionen in den Automation PC zu integrieren, für die sonst eigene Geräte notwendig wären. Indem der B&R-Box-PC diese Aufgaben übernimmt, verringert sich der Platzbedarf im Schaltschrank und die Gesamtkosten sinken.

Herz des PCs ist die aktuelle Intel-Core-i-Technologie der dritten Generation mit bis zu vier Kernen. In Verbindung mit dem leistungsstarken QM77-Express-Chipsatz erreicht der Anwender die derzeit maximal verfügbare Performance eines Industrierechners. Der Automation PC 910 verfügt über sehr viele Schnittstellen, einschließlich vier Mal USB 3.0.

Erschienen in Ausgabe: 08/2013