Jenseits der Komponenten

Automatica

Automatisierung – Auch wenn Komponenten für die Automatisierung das Kerngeschäft in der Konstruktion sind, kann ein »Blick über den Tellerrand« gar nicht schaden. Hier also ein paar Tipps zur Automatica zu Robotern, Montage oder Handhabung.

04. Juni 2016

Die Stars auf einer Messe wie der Automatica sind freilich die Roboter selbst und die großen verketteten Anlagen zur Montage und Handhabung. Das gilt es zu würdigen und zwar zuerst mit den neuen Modellen der preisgünstigen Scara-Roboter aus der IXP-Serie von IAI Industrieroboter. Neben den bestehenden Varianten mit Reichweiten von 350 und 450 Millimeter präsentiert das Unternehmen gleich vier neue Reichweiten von 180, 250, 550 und 650 Millimeter Reichweite. Alle Modelle dieser Baureihe sind zudem jetzt auch in Ausführungen mit Staub- und Spritzwasserschutz sowie für den Reinraum erhältlich.

Bei niedrigen Eigengewichten der Roboterarme zwischen 7 und 23 Kilogramm bewegen die IXP-Scaras zwischen einem und sechs Kilogramm Traglast. Alle Modelle gibt es mit batterielosen Absolut-Encodern und optional ab Werk mit fest montierten elektrischen IAI-Greifern, die über die neue Robotersteuerung als externe Achse mit angesteuert werden. Hier lassen sich bis zu 255 Programme und 30.000 Positionen abspeichern. Die Ansteuerung kann sowohl über diskrete Ein- und Ausgänge als auch über eine der gängigen Feldbussysteme erfolgen.

Stäubli Robotics stellt seinen Fast Picker TP80 in Feuchtraum-Ausführung HE sowie in einer Version mit 200 Millimeter Z-Hub vor. Die Vierachs-Kinematik erreicht weit über 200 Picks pro Minute und zielt in der HE-Ausführung vorrangig auf die Lebensmittelindustrie, denn sie erfüllt alle strengen Hygienestandards der Branche und übersteht die täglich anfallenden Reinigungsprozesse mit wässrigen Medien problemlos. Er lässt sich ohne Leistungsverlust mit lebensmittelverträglichem Öl der Klasse NSF H1 betreiben.

Sehr schnell und genau

Für schnelle Umsetz- und Sortierprozesse ist der Fast Picker mit 200-Millimeter-Pinole gedacht. Der Vierachser kann weiterhin große Arbeitsräume mit einem Durchmesser von 1,6 Metern bedienen und arbeitet mit einer Wiederholgenauigkeit, die unter der meist geforderten Werksangabe von ± 0,05 Millimetern liegt. Die hohe Präzision ist auch nach vielen Tausend Betriebsstunden gewährleistet.

Verschleißerscheinungen im Dauerbetrieb sind bei dieser Kinematik mit ihrer steifen Struktur konstruktiv ausgeschlossen. Zudem sind alle Versorgungs- und Medienleitungen innerhalb des Arms geführt.

Gleich mit einem kompletten Bearbeitungszentrum (BAZ) wartet Comau auf. Das SmartDriveComau 800L wurde spezifisch für die Automobilbranche konzipiert, wo die mechanischen Bearbeitungen immer schneller, präziser und flexibler erfolgen müssen.

Die Maschine dient als Einzelsystem sowie als integraler Bestandteil von flexiblen Produktionslinien.

Durch die verbauten Linearmotoren gewährleistet das System deutlich schnellere Zykluszeiten, es hält die Bearbeitungspräzision bis zu fünfmal länger aufrecht als auf Kugelumlaufspindeln beruhende Lösungen dies können. Der Anwender kommt mit weniger Bearbeitungszentren aus, dies spart Bauraum ein und senkt die Bearbeitungskosten pro Werkstück.

Zudem ermöglicht das SmartDriveComau 800L mit einem einzigen Hochgeschwindigkeitswerkzeug Bohrarbeiten mit verschiedenen Durchmessern. Über die neue Funktion »Get Help«, in der noch intuitiveren Benutzeroberfläche, kann der Bediener problematische Zustände der Maschine frühzeitig erkennen und korrekt interpretieren – die Diagnose verkürzt sich spürbar.

Das neue Gehäusedesign gewährleistet eine effizientere Abführung der Späne, während eine leistungsstarke Abzugs- und Filteranlage für optimale Sauberkeit in der Anlage sorgt. Durch das neue BAZ spart der Anwender bei zu 15 Prozent Energiekosten im Vergleich zum Vorgänger ein. Der gesamte Leistungskoeffizient soll gegenüber dem Wettbewerb fünf Prozent niedriger liegen.

Diagnose sichert Qualität

Preccon und Teconsult haben gemeinsam das Diagnose-System IMS für Roboterzellen entwickelt. Es dient zur Qualitätssicherung von Produktionsprozessen durch die kontinuierliche Überwachung von Robotern, Roboterwerkzeugen, Werkstücken und Vorrichtungen. Anlagenbediener bekommen eine schnelle Performance-Diagnose per Knopfdruck, und das in automatischen Zyklen bei laufender Produktion.

Gibt es Hinweise, dass sich der Roboter an der Grenze der Toleranz bewegt, lässt sich der ursprüngliche Zustand optional mit Hilfe einer »Erhole dich«-Funktion wiederherstellen. Nach Kollisionen ermöglicht das System die nahezu unterbrechungsfreie Weiterführung der Produktion ohne Qualitätsverlust, ein Austausch von Roboter oder Komponenten kann entfallen. Im Servicefall verkürzt sich die Instandsetzung durch das Wiederherstellen in der Linie. Die Transparenz in der Produktion im Sinn der Industrie 4.0 steigt, die Betriebskosten sinken.

Zu den Messepremieren bei Roemheld zählt das mit neuen Funktionen ausgestattete Kommandomodul des Handhabungssystems Modulog für die teilautomatisierte industrie-4.0-fähige Handmontage. Mit ihm können Fertigungsdaten in Echtzeit jetzt auch mobil von jedem browserfähigen Endgerät aus eingesehen werden, so dass eine ortsunabhängige Produktionsüberwachung möglich ist. Neu ist zudem eine Zeiterfassungsfunktion für den Monteur. Außerdem kann die Kommandoeinheit den Produktionsfortschritt anzeigen und die montierten Stückzahlen angeben. Sie erkennt den Mitarbeiter und stellt den Arbeitsplatz entsprechend ergonomisch ein.

Der Einsatz der Modulog-Produktreihe soll die Effizienz in der Montage als letzten Fertigungsschritt erhöhen und manuelles Arbeiten produktiver und flexibler gestalten. Alle Komponenten lassen sich sowohl direkt per Handtaster oder Fußhebel als auch über das 12-Zoll-Touchpanel steuern. Dort kann der Werker zudem eine Vielzahl an voreingestellten Arbeitsabfolgen abrufen oder selbst neue Abläufe programmieren.

Die Bandstrecken seines Transportsystems LT40 hat Montech von Gurt- auf Zahnriemen umgestellt. »Dadurch hat das LT40 einen geringeren Energieverbrauch, eine 25 Prozent höhere Förderlast und weniger Verschleiß. Für mehr Präzision haben die Werkstückträger sowie die Aufsetz- und Positioniervorrichtung ein neues Zentriersystem erhalten«, berichtet Gianluca Aloisi, Director Sales, Montech. »Die Optimierung des Materials bei den Werkstückträgern sorgt auch für eine bessere Energieeffizienz«. Neu im System ist das Regelgerät Multi-Drive, mit dem der Anwender bis zu zwölf Bandstrecken betreiben kann.

Erschienen in Ausgabe: 05/2016