Kabel: So flexibel wie nie

Titel

Leitungen – Sonderleitungen gibt es viele, aber nur wenige davon sind schnell und auch in kurzen Längen verfügbar. Darum soll der Kunde mit dem Chainflex Custom Cable von Igus seine Sonderleitung einfach und in rekordverdächtiger Zeit finden.

05. Dezember 2012

Wie Igus zu seinen eigenen Leitungen gekommen ist, geht aus der Geschichte des Kölner Kunststoffspezialisten klar hervor: Wie so oft waren Kundenanfragen der Auslöser. So erzählt es Rainer Rössel, der bei Igus den Geschäftsbereich Leitungen verantwortet, der bei Igus Chainflex heißt. »Die Geschäftsführung wollte vor rund 25 Jahren sicherstellen, dass bei einem Ausfall nicht die Energiekette infrage gestellt wird, wenn doch auch die Leitung defekt sein könnte. Es gab immer wieder Kunden, die sich zwischen den Stühlen fühlten, weil der Schwarze Peter von der Leitung zur Kette geschoben wurde und umgekehrt. Darum wäre es durchaus sinnvoll, eigene Leitungen zu entwickeln, hat man sich gesagt, und auf diese Weise alles verlässlich aus einer Hand zu bieten.«

Und das tat Igus dann auch, auf ihre ureigene Art, nämlich anders: Statt einer kompletten Produktion und tausender Kabeltypen auf Lager sind so genannte »Semi Finished Products« die Basis der Chainflex-Strategie. »Mit diesem modularen System sind wir wesentlich schneller am Markt«, weiß Rössel. »Dabei verfahren wir im Prinzip wie auch Apple es tut. Der Anbieter kontrolliert das komplette Design seiner Geräte, vom Chip über die Software, bis zur kompletten Hardware – nur produzieren tun sie nicht.«

Das ist bei Igus ähnlich. »Wir haben qualifizierte Fertigungswerke, die so genannten ›Qualified Partners‹, die exklusiv für uns die verschiedenen Verseilmodule produzieren. So haben wir ausreichend Material auf Lager liegen, um Kabel in vier verschiedenen Familien sehr schnell zu liefern. Anstatt der üblichen sechs bis zwölf Wochen Fertigungszeit brauchen wir dafür nur drei bis vier Wochen. Das ist im internationalen Vergleich ein absoluter Spitzenwert.«

Dabei definiert Igus den kompletten Designprozess – von den Werkstoffen, die zum Teil exklusiv für die Kölner hergestellt werden, bis hin zu den detaillierten Fertigungs- und Prüfungsschritten. Um sich Qualified Partner nennen zu dürfen, muss das betreffende Werk einen bis zu dreijährigen Qualifizierungsprozess durchlaufen mit teilweise starken Anpassungen in Prozessen und Maschinen. Nur so kann Igus die gewohnt hohe Qualität und Lebensdauer gewährleisten, die ihre Kunden erwarten.

Chainflex fokussiert sich größtenteils auf Energie- oder Schleppketten. »Darin sehen wir einen großen Vorteil gegenüber unseren Wettbewerbern, weil unsere Leitungen speziell auf solche Einsätze abgestimmt und getestet sind. Der Anteil liegt bei ungefähr 90 Prozent, aber wir gewinnen immer mehr Ausschreibungen für Torsionsleitungen und generell dort, wo in irgendeiner Form eine besondere mechanische Anforderung gefordert wird. Hier kommt es uns auch zugute, dass wir stets horizontal denken und zwischen den einzelnen Produktfamilien hin und her transferieren können.«

Schnell und zuverlässig liefern

Diese Supply Chain ist schon seit vielen Jahren gängige Praxis bei Igus. Laut Rössel hat diese Strategie das Unternehmen gerettet, als 2011 die Lieferperformance aller Wettbewerber in den Keller ging. »Wir hatten zu der Zeit immer noch eine hohe Liefertreue mit einer sehr geringen Verspätungsrate von 2,3 bis 2,8 Prozent bei 1.000 Artikeln. Manche Werke dagegen mussten den Kunden eine Lieferzeit von bis zu 26 Wochen kommunizieren.« Igus hat auch 2011 ab Lager geliefert und das ging nur, so Rössel, weil das Unternehmen diese vorgefertigten Produkte vorrätig hatte und damit weit über 60 Prozent der gesamten Produktionspalette innerhalb von drei bis vier Wochen nachfertigen konnte.

Darum ist die Liefergeschwindigkeit das A und O bei Igus. »Da bekomme ich vom Geschäftsführer Frank Blase klare Vorgaben. Innerhalb von 24 Stunden auszuliefern ist das absolute Muss, bei einer maximalen Fehlerquote von unter einem Prozent. Auf dieser hohen Liefertreue liegt die mit Abstand höchste Priorität und diese zieht sich bei Igus durch alle Produktbereiche.«

Darüber hinaus unterhält Igus das weltgrößte E-Ketten-Labor. Auf 2.000 Quadratmetern stehen 46 Anlagen, die die Chainflex-Leitungen bis zur Belastungsgrenze und darüber hinaus testen. »Wir haben ständig 800 bis 1.000 Leitungen im Versuch, die wir systematisch kaputtmachen. In einem eigens entwickelten Container simulieren wir bei 40 Grad Celsius Alterungsprozesse und extreme Umweltbedingungen«, erklärt Rössel. »Nur so können wir Lebensdauer und Qualität verlässlich ermitteln. Wir spielen zudem mit verschiedenen Legierungen, um Kosten zu reduzieren. So schaffen wir ein Rundum-sorglos-Paket für unsere Kunden«, ergänzt der Geschäftsbereichsleiter zufrieden.

Trend zur Individualität

Aufgrund dieser Voraussetzungen ist in ihm ein neues Projekt gereift. »Menschen möchten sich heutzutage abheben von der breiten Masse«, so die grundsätzliche und ursprüngliche Überlegung des Chainflex-Chefs, »dieser Trend zeigt sich zum Beispiel in individuellen Fahrrädern, Möbeln, Brillen oder T-Shirts. Und in dieser Hinsicht denken die meisten Maschinbauer genauso, sie achten zunehmend auf das Design ihrer Produkte und wollen zum Beispiel weg von den monotonen grauen Leitungen und sich mit einer individuellen Lösung von der Allgemeinheit abheben.«

Pro Jahr bekommt Rainer Rössel zwischen 800 und 1.000 Aufträge für solche Sonderleitungen. »Das geht von besonderen technischen Parametern über die Farbwahl bis hin zur Kennzeichnung.«

Darum war der Schritt nicht weit zu einem Tool, mit dem der Kunde seine Auswahl bequem im Internet treffen kann. »Ich persönlich kaufe seit langem fast alles online und da habe ich mir gedacht, warum machen wir das nicht auch mit den Igus-Leitungen? Technisch sind wir dazu in der Lage und der Kunde würde sich ersparen, tausend Kataloge zu wälzen. Und bei der großen Anzahl von Anfragen, die bei uns eintreffen, lohnt sich das auch.«

Im Zeichen der Drei

Sichtbares Ergebnis all dieser Gedanken ist bei Igus der völlig neu entwickelte Chainflex Custom Cable Konfigurator (CCC). Mit ihm hat der Kunde die Möglichkeit, eine für ihn individuell zugeschnittene Leitung in drei Minuten zu konfigurieren und in drei Wochen vorliegen zu haben.

Das geht mit dem CCC laut Rössel so schnell, weil viele Arbeitsschritte schon erledigt sind, alle Vorprodukte vorliegen und nur noch mit verschiedenen Mantelwerkstoffen, Farben, Bedruckungen oder Beschirmungen komplettiert werden müssen. Ein wichtiges Merkmal ist dabei auch die geringe Mindestlänge von nur 300 Metern, ab der der Kunde sein Kabel bestellen kann.

»Viele Anbieter tun sich schon bei 1.000 Metern schwer, weil sie solche Längen nicht wirtschaftlich fertigen können«, beschreibt Rainer Rössel ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von Igus. Zudem sollte der Konfigurator möglichst einfach aufgebaut sein. »Ich wollte, dass der Kunde seine Leitung mit möglichst wenigen Schritten findet. Es gibt doch nichts Schlimmeres als Konfiguratoren, mit denen man sich erst mal eine dreiviertel Stunde beschäftigen muss, um zu verstehen, wie er funktioniert. Das schreckt nachhaltig ab und der Besucher geht nie mehr auf diese Seite.« Igus hat darum viel Zeit und Know-how in den Konfigurator investiert, um ihn so simpel wie möglich zu halten.

Es wird keine interaktiven Gimmicks geben oder endlose Feature-Listen. »Ich will keinen Schnickschnack, und dafür haben mich unsere Webdesigner auch verflucht. Es ist aufwendig, etwas einfach und sofort begreifbar zu machen. Der Kunde soll nur drei bis vier Mal klicken und am Ziel sein. Mehr Zeit hat er in der heutigen Zeit sowieso nicht«, sagt Rössel.

Zu viel Styling und Design raube Performance, ergänzt der Geschäftsbereichsleiter, der Kunde wolle seine Leitung zum tagesaktuellen Preis auswählen, schnell seine Daten eintragen und dann bestellen – ohne dass er drei Tage später ein Angebot bekommt oder einen Anruf aus dem Vertrieb.

Gezielte Informationen

Der Chainflex CC Konfigurator geht also auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden ein. Zu dieser Strategie gehört auch, dass er alle technischen Informationen für seine jeweilige Leitung gebündelt erhält, beispielsweise zum Biegeradius. »Wir sagen ihm in diesem Fall, wie groß der Mindestbiegeradius ist, welchen Durchmesser seine Leitung genau hat und wie schwer sie ist. Das bekommt er individuell ausgewiesen«, umreißt Rössel den Kundenvorteil.

Am ersten Tag der SPS/IPC/Drives 2012 in Nürnberg ging der Konfigurator online. »Wir wollten ihn endlich dem Markt vorstellen und unter Live-Bedingungen sehen, wie er ankommt. Er ist mit Sicherheit noch verbesserungswürdig, aber dazu möchte ich gerne die Resonanz der potenziellen Kunden bekommen, um gezielt darauf zu reagieren«, erzählt der »Vater« des Projekts.

Erschienen in Ausgabe: 09/2012