Kabelschutz nach Maß

Energieführung - Tempo und Präzision sind gefragt beim Einsatz von Regalbediengeräten im Lager. Bei der Energieführung innerhalb der Geräte verlässt sich ein führender Hersteller deshalb auf ­anschlussfertig konfektionierte Systeme.

03. August 2007

Rund 1,7 Millionen Pakete mit Kleidung verlassen jährlich das Warenlager des Versandhandelsunternehmens Walbusch in Solingen. Das Unternehmen befindet sich seit mehr als 70 Jahren im Familienbesitz und gehört zu den Großen im Bekleidungs-Versandhandel auf den deutschsprachigen Märkten. Um dessen Position noch weiter auszubauen, beschloss die Unternehmensführung den Bau eines neuen automatischen Kartonlagers. Unmittelbar neben den vorhandenen Gebäuden in der Solinger Martinstraße entstand darauf ein 80 mal 20 Meter messender Neubau von beinahe 20 Metern Höhe, der Platz bietet für fünf neue Lagerregale und eine topmoderne Lagerlogistik mit hohem Automatisierungsgrad. »Damit haben wir unsere Lagerkapazität von 150.000 auf 250.000 Orte vergrößert«, freut sich Thomas Mathes, Bereichsleiter Logistik und Mitglied der Walbusch-Geschäftsleitung.

Möglich wird diese Leistungssteigerung um 65 Prozent unter anderem durch fünf automatische Regalbediengeräte vom Typ SR-M 200/2 von Dematic. Diese Geräte beschleunigen ­innerhalb von wenigen Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit und bewegen die einzelnen Warenbehälter zu den Kommissionierplätzen. Die Ein- und Auslagerung der Pakete an den angesteuerten Plätzen übernehmen die Regalbedien­geräte mit Sauggreifern. Um möglichst effizient zu arbeiten, fährt der Hubwagen mit den Greifern annähernd synchron zur Horizontalfahrt. Der Zu- und Abtransport der Pakete zum bzw. vom Lager erfolgt über Dematic-Förderer der Baureihe BK10.

Im Einschicht-Betrieb bewegt die Anlage während des Tages bis zu 500 Pakete pro Stunde. In der Nacht läuft sie mannlos weiter, optimiert die Standorte der einzelnen Pakete oder bereitet die ersten Pakete für die kommende Tagesschicht vor.

Komplett bestückt zur Fertigung

Für die Energie- und Signal­übertragung zum Hubwagen verwendet der Hersteller vorkonfektionierte Energieführungssysteme der Serie »Ready Chain« des Kölner Kunststoffspezialisten Igus, der sie auf speziellen Transporttrommeln einbaufertig und komplett bestückt mit sämtlichen be­nötig­ten Leitungen und Steckern direkt zur Fertigung an Dematic­ liefert. Die Energiekette stellt die Verbindung her zwischen dem mitfahrenden Schaltschrank der einzelnen Regal­bediengeräte und dem vertikal verfahrenden Hubwagen mit den beiden Sauggreifern.

Unkompliziertes Handling

Die Spezialisten für Logistik­lösungen und Fördertechnik haben jahrelang gute Erfahrungen gemacht mit den Energieketten aus Köln und loben vor allem das unkomplizierte Handling der Komplett­lösun­gen, erläutert Dematic-Mitarbeiter Stefan Termer: »Früher haben wir die Befüllung der Ener­gieketten und das Konfektionieren mit Steckern selbst durchgeführt, aber die Komplettlösung von Igus ist schneller und wirtschaftlicher, als die Einzelteile von unterschiedlichen Anbietern zusammenzuführen.«

Seit mehr als drei Jahren verbaut Dematic deshalb die robusten Energiezuführungs-Systeme. Die »Ready Chains« werden fertig vorkonfektioniert auf der Palette angeliefert. Jedes Kabel ist an der richtigen Stelle positioniert und eindeutig gekennzeichnet, sodass der Einbau in der Fertigung ein Kinderspiel ist. Ein Mitarbeiter alleine kann die Energiekette bequem von der Palette zum Montageplatz heben. Zur Übersicht sind die Prüfprotokolle und Fertigungszeichnungen der Systeme an der jeweiligen Energiekette befestigt.

Einfachste Lagerhaltung

Der wichtigste Vorteil dieser Lösung ist die unkomplizierte Lagerhaltung, schließlich musste der Bediengerätehersteller früher zahlreiche Kabel und andere Einzelkomponenten selbst auf Lager halten. Heute dagegen muss niemand mehr laufend die vorhandenen Bestände kontrollieren und sich um die Leitungs-Nachbestellung aus einer Vielzahl unterschiedlicher Einkaufsquellen kümmern. Stattdessen leistet jetzt der Kölner Zulieferpartner die gesamte ­Beschaffungslogistik für Energieketten, von der Beschaffung aller notwendigen Sonderteile bis hin zur Lieferung des einbaufertigen Systems direkt an die Geräte zu einem festgesetzten Montagetermin.

Maßgeschneiderte Lösung

Die Ready-Chain-Systeme können sämtliche Leitungen, Schläuche, Steckverbinder, ­Innenaufteilungen, Anschlusselemente und Anbauteile enthalten, den Grad der Konfektionierung, die Stückzahl und den Verfahrweg bestimmt der Anwender. Die Kölner Spezialisten bieten allein mehr als 55.000 verschiedene Varianten von ­Energieketten, sowohl in geschlossener Bauweise, als auch in offener Ausführung. Hinzu kommen über 750 verschiedene kettentaugliche Leitungen aus der Chainflex-Serie, die speziell für den Einsatz in Energieketten konzipiert sind, sowie über 3.000 Elektrokomponenten, die ebenfalls ab Lager zur Verfügung stehen.

Die Energieketten selbst bestehen aus einem Hochleistungskunststoff, der leicht und nahezu unverwüstlich ist. Er erträgt nicht nur die mechanischen Belastungen durch die schnellen Bewegungen, sondern schützt zugleich die eingelegten Leitungen vor möglichen Beschädigungen durch herabfallende Gegenstände, Staub, Feuchtigkeit oder extreme Temperaturen. Die einzelnen Kettenglieder lassen sich mit einem einfachen Schraubendreher öffnen und bieten Zugang zu den innen liegenden Leitungen. An beiden Enden der Kette sind die Kabel fest angeschlagen. Die damit erreichte Zugentlastung verhindert einen vorzeitige Bruch der Leitungen.

Erleichterte Konstruktion

Für den Anwender hat die große Programmvielfalt des Kölner Unternehmens den wichtigen Vorteil, dass er ? abgesehen von grundlegenden Parametern wie beispielsweise den möglichen Biegeradien ? bei der Konstruktion nicht auf die Energiekette Rücksicht nehmen muss und sich stattdessen sicher sein kann, dass es für sein individuelles Einsatzprofil eine passende Baureihe gibt. »Wir achten sehr genau darauf, was der Kunde wirklich braucht«, erläutert dazu Dieter Reitz, Igus-Regional-Produktmanager West für Energieketten-Systeme und Ready Chains.

Individuelle Lösung

Auch für die Regalbediengeräte bei dem Solinger Versandhaus fanden die beteiligten Unternehmen eine optimale individuelle Lösung. Eine besondere Herausforderung für den Hersteller bei der Konstruktion der Regalbediengeräte waren die enormen Beschleunigungskräfte, die auf die Energiekette wirken. Das Problem lösten die Igus-Planer, indem sie die Energiekette in einer Führungsrinne aus Metall laufen lassen, die auch bei schnellen Beschleunigungs- und Bremsvorgängen ein Schlagen der Kette wirkungsvoll verhindert. »Das ist ein verbindendes Element der Firmenphilosophien von Walbusch und Igus«, findet Walbusch-Logistikchef Thomas Mathes und begründet: »Wir legen beide Wert auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden ? ein Produkt von der Stange kann es nicht für alle Anwendungen ­geben.«

André Kluth, Igus/bt

Erschienen in Ausgabe: DIGEST/2007