Kampf gegen die Produktpiraterie

Die :K sprach mit Paul E. Schall, dem Gründer und Veranstalter der Motek, über die Aktionen der Motek gegen Produktpiraterie.

20. Juli 2009

Genau genommen haben wir schon immer ein gewisses Auge darauf geworfen, dass es zur Motek, und natürlich auch zu unseren anderen technischen Fachmessen, keinen unlauteren Wettbewerb gibt, der unseren Ausstellern schadet. »Offiziell« und auf höchster Ebene wurde das Thema allerdings erst seit dem 16. Juni 2008 behandelt, als wir uns in Friedrichshafen mit weiteren Messegesellschaften während des Messeforums Baden-Württemberg zu einer gemeinsamen Erklärung zur Bekämpfung der Produktpiraterie entschlossen haben.

Wie kam es dazu? Was war der Anlass?

Mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschafts- und vor allem der Produktionswelt wurden immer mehr Plagiatsvorwürfe laut, die sich vor allem gegen überaus dreiste Firmen aus dem asiatischen Raum richteten. Gleichzeitig suchten die Plagiatoren natürlich nach Märkten und entsprechenden Präsentationsmöglichkeiten, beispielsweise auf Fachmessen. Um nun diesen Plagiatoren keine Informations- und Business-Plattformen zu geben, haben sich mehrere Messegesellschaften zur einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und ein Maßnahmenpaket zur Abwehr beschlossen.

Bitte schildern Sie kurz und knapp: Was soll ein Aussteller tun, wenn er Plagiate auf der Motek entdeckt?

Dazu gibt es einen klar geregelten Ablauf »Messepriorität«, den wir auf unserer Homepage unter dem Link: http://www.motek-messe.de/de/1195339 zur Information und zum Download zur Verfügung stellen. Dort wird detailliert beschrieben, was zu tun ist, wenn man als Aussteller auf einem Messestand ein Plagiat entdeckt. Darüber hinaus kann man sich als Aussteller auch eine so genannte Prioritätsbescheinigung ausstellen lassen, den »Schutz von Gebrauchsmustern, Geschmacksmustern, Urheberrechten und Marken auf Ausstellungen« betreffend. Des Weiteren nennen wir hilfreiche Adressen, an die sich der Antragsteller wenden kann, vor allem um sich rechtlich abzusichern. Wir legen Wert darauf, dass es hier nicht um Anschwärzen oder Denunziantentum unter Wettbewerbern geht, sondern einzig und allein um verbrieften Schutz vor Plagiatoren!

Glauben Sie, dass die Produktpiraterie auf der Motek 2009 im Vergleich zum Vorjahr zunehmen wird?

Wir denken eher nein. Denn in wirtschaftlich schwierigen Zeiten haben Plagiate, die zudem im Normalfall auch minderwertiger Qualität sind, auf den Märkten noch geringere Chancen. Hinzu kommt, dass schon viele der vor allem aus Asien mit Plagiaten auftauchenden Firmen aufgeben mussten oder ganz einfach nicht mehr das Geld haben, um auf den europäischen Märkten Fuß fassen zu können. Somit erledigt sich ein Teil des globalen Plagiate-Tourismus quasi von selbst, was uns aber nicht zu weniger Aufmerksamkeit verleiten sollte.

Das Interview führte Angela Unger