Karteikästen ade

Sensorik

Drehcodierscheiben – In großen Bibliotheken herrscht Selbstbedienung von der Ausleihe bis zur Rückgabe. Realisiert durch automatisierte Prozesse und Fördersysteme.

08. November 2010

Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig stellt ihren Besuchern fast 25 Millionen Medien zur Verfügung. Täglich werden Tausende davon genutzt, ausgeliehen und zurückgebracht. Das Handling dieser gewaltigen Menge nur durch automatisierte Prozesse gelingt. Zudem werden schnelle Zugriffszeiten, verkürzte Wege und kostengünstigere Abläufe gefordert.

Transportlösungen von Swisslog-Telelift tragen entscheidend dazu bei, dass in Bibliotheken die Auftragsabwicklung beschleunigt wird. Der hochgradig automatisierte Betriebsablauf, der die Nutzer von unnötigen Wartezeiten an den Be- und Entladestellen befreit, erfordert zuverlässige, hochintegrative Sensoriklösungen von Leuze Electronic. Für Jörg Franke, bei Swisslog-Telelift als Projektleiter für Leichtförderanlagen tätig, liegt der Vorteil klar auf der Hand: »Zurückgegebene Bücher können schneller wieder bereitgestellt werden. Das bringt einen echten Mehrwert für die Leser und ist ohne Zweifel ein Qualitätsmerkmal der Bibliothek.«

Das im bayerischen Puchheim tätige Unternehmen Swisslog-Telelift ist ein führender Hersteller von Förderanlagen für den betriebsinternen Transport leichter Güter und Dokumente. Neben schienengebundenen Transportsystemen fertigt der Hersteller auch fahrerlose Transportsysteme mit einer Zuladung von bis zu 500 Kilogramm.

Spezialist für Leichtfördertechnik

In Bibliotheken betreut das Unternehmen die gesamte Logistik von der Buchrückgabe über die Sortierung bis hin zum zielgerichteten Transport. Alle Swisslog-Telelift-Transportsysteme lassen sich anforderungsgerecht in die heute übliche Selbstverbuchungslogistik der Bibliotheken einbinden – also bis hin zu den Kundenterminals. Jörg Franke erläutert das Leistungsportfolio: »Wir entwickeln und fertigen modulare Systeme für nahezu alle Anforderungen und bieten dem Kunden alles aus einer Hand – von der Konzeption und der Planung über den Bau bis hin zur Inbetriebnahme. Im Bereich der Sensorik arbeiten wir seit Langem erfolgreich mit den Fachleuten von Leuze Electronic zusammen.«

Bei den beiden Berliner Bibliotheken, der Universitäts- und Staatsbibliothek, sowie bei der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig wurden im Zuge von Umbaumaßnahmen Lösungen realisiert, bei denen Bücher in antriebslosen Transportkisten auf Bandanlagen und in Aufzügen, sogenannten Vertikalförderern, zum Bestimmungsort gelangen. Bei diesen Anwendungen kam das System Multlift zum Einsatz. Dabei besteht das grundlegende Technikkonzept von Swisslog-Telelift im Wesentlichen aus Förderbandstrecken und Rollenbahnen für den horizontalen Transport innerhalb einer Gebäudeebene sowie aus vollautomatischen Behälteraufzügen für den Vertikaltransport.

Als Transportmittel kommen Bücherförderbehälter mit einer maximalen Zuladung von 25 Kilogramm zum Einsatz. Das Multilift-System arbeitet mit einer direkten Zielsteuerung. Jörg Franke erläutert die Arbeitsweise: »Das Transportziel wird an Codeträgern, die sich direkt am Förderbehälter befinden, eingestellt. Das können entweder Schiebecodierleisten oder Drehcodierscheiben sein. Die berührungslosen Zielabfragen mit den Leuze Electronic Barcodelesegeräten BCL 34 erkennen an allen Entscheidungsstellen in der Förderstrecke die Zieleinstellung. So erreichen die Behälter ihr Ziel sehr schnell und zuverlässig.«

In der Berliner Grimm-Bibliothek wurden Drehcodierscheiben von Leuze Electronic verwendet. Damit lassen sich die Codes einfach durch eine Drehbewegung von Hand einstellen. Im Unterschied dazu erlauben die in der Staatsbibliothek und auch die in der Deutschen Nationalbibliothek verwendeten Schiebecodierleisten eine uneingeschränkte Nestbarkeit. Das bedeutet, dass die Behälter optimal waagerecht ineinander gestapelt werden können.

Die Barcodelesegeräte verfügen über eine integrierte Profibus-Schnittstelle. Damit werden Profibus-Gateways und RS-232-Komponenten eingespart und die Kosten für das Gesamtsystem erheblich reduziert. Die Barcodelesegeräte BCL 34 lesen die an den Schiebecodierleisten von Hand voreingestellten Codes ein und übertragen die Daten direkt über Profibus an die Steuerung, die damit das Ziel für jeden erfassten Behälter eindeutig identifizieren kann.

Distanzmessung im Aufzug

Für eine hohe Transportleistung und zur Überwindung großer Förderhöhen wird in der Staatsbibliothek zu Berlin ein Behälter-Umlaufaufzug im Paternosterprinzip eingesetzt. In der Grimm-Bibliothek hingegen kommt ein Linearaufzug zum Einsatz, der elf Etagen miteinander verbindet. Die Multilift-Aufzugsysteme werden während des Transports sowohl bei der Aufwärts- als auch bei der Abwärtsfahrt vollautomatisch be- und entladen, wobei die Türen selbsttätig nach jedem Be- und Entladevorgang elektromotorisch zuverlässig schließen.

Für die vertikale Bewegung nutzt die Steuerung die Signale der Laser-Distanzmessgeräte AMS 200 von Leuze Electronic. Auch bei diesen Geräten werden die Signale über Profibus übertragen. Sie lassen sich aufgrund der integrierten Schnittstelle einfach in das Profibus-Netzwerk einbinden. Die Sensoren erzielen eine absolute Genauigkeit von ±2 Millimeter auf eine Messdistanz von 120 Meter. Aufgrund der äußerst schnellen Positionsberechnung im Gerät kann die hohe Dynamik moderner Antriebstechnik optimal genutzt werden.

Die AMS-200-Distanzmessgeräte erhöhen die Anlagensicherheit auch durch Vor-Ausfallmeldungen. Mit diesen Warnsignalen informieren sie über abnehmende Leistungen der Laserdioden, unzulässige Temperaturen oder Optikverschmutzungen. Die frühzeitigen Warnmeldungen erhöhen noch einmal die Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit des gesamten Transportsystems.csc

Daten & Fakten

Die Leuze-Gruppe besteht aus Leuze Electronic und Bielomatik. Das Technologieunternehmen, mit rund 1.500 Mitarbeitern und weltweit in 19 Ländern an 29 Standorten vertreten, beweist, dass optoelektronische Sensorik und klassischer,aber hochspezialisierter Maschinenbau eines gemeinsam haben: Erfolg durch Innovation und konsequente Ausrichtung an den individuellen Anforderungen des Kunden.

Erschienen in Ausgabe: 08/2010