Kein Schlafzimmer-Wurm

Intro

SPS-Programmierung? Das war gestern. Heute steuert Stuxnet die Prozesse aber nicht nach Ihren Wünschen.

15. Oktober 2010

»Studiert Elektrotechnik!« wirbt www.superstudium.de für neue Techno-Studis. Auf dieser Internetseite macht der ZVEI bei Jugendlichen Stimmung fürs Ingenieurstudium. Die Sprachwahl – nix langweilig, nix uncool, nix von gestern – ist hier nicht das Thema. Der Slang ist Geschmacksache. Er soll ja der Zielgruppe und nicht der Dudenredaktion gefallen. Ernster zu nehmen als der Sprachcode »alles echt und nix gelogen« sind die Botschaft und der Informationsgehalt. Wir brauchen eben mehr Ingenieure, und wer studieren möchte, sollte es sich genau überlegen, ob es wirklich Philosophie, Jura oder Germanistik sein muss. Obwohl, mit letzteren könnten sie beim Zeitschriftenmachen eventuell etwas anfangen – wenn sie denn wirklich schreiben können und sich in die Technik hineindenken können.

Aber auch wer nicht oder noch nicht studieren möchte, braucht Perspektive. In der Diskussion zum Fachkräftemangel kommen die Lehrberufe meist zu kurz. Dabei kriselt es hier besonders. Denn wenn die Bildungspolitik wie in den USA eine Akademikerquote von über 50 Prozent anstrebt, bereitet sie einer unguten Zweiteilung den Weg: Die da oben und die ganz unten. Der Weg nach oben führt dann für die allermeisten über Hochschulreife und Bachelor-Studium. Wer aber unterwegs scheitert, geht nicht mehr den mühevollen Weg der Facharbeiter-Ausbildung: Gewählt wird leider zu häufig die einfachere Lösung übers Anlernen im Job mit unsicheren Aussichten – siehe USA!

Umso wichtiger ist es, Lehrberufe wie den des Mechatronikers zu fördern. »Top-Job«-Gewinner Phoenix Contact zeigt, wo es lang gehen kann: Wo andere über Fachkräfte- und Ingenieursmangel nur klagen, handelt das Unternehmen aus Blomberg. Ingenieure zieht das Familienunternehmen selbst heran: über eine duale Ausbildung zum Mechatroniker plus Studium. Klar – ein Unternehmen mit 9.000 Mitarbeitern hat andere Mittel als ein Maschinenbauer mit 30 Leuten. Dem fehlen die Kapazitäten, um Praktikanten und Diplomanten zu betreuen und Studienprojekte zu fördern. Aber er kann wie Phoenix Contakt auch qualifizierten Nachwuchs an Hauptschulen

Erschienen in Ausgabe: 07/2010