Kette mit Zukunft

Maschinenelemente

Energieführung – Eine neu entwickelte Energieführungskette kombiniert konsequenten Leichtbau mit hoher Funktionalität. Die optimierte Modularität der Einzelteile reduziert zudem die Fertigungskosten.

09. April 2010

Eine zentrale treibende Kraft für Innovationen in der Technik ist der möglichst sparsame Umgang mit Ressourcen - und dies nicht allein zur Pflege des Umweltgedankens, sondern auch, um Kosten zu senken, die dann an die Kunden weitergegeben werden können. Der Energieführungskettenspezialist Murrplastik aus Oppenweiler in der Nähe von Stuttgart hat deshalb eine neue Produktgeneration vorgestellt, mit der sich diese Strategie optimal umsetzen lässt.

Kompaktes Leichtgewicht

Das Ziel bei der Entwicklung der neuen Serie war eine Light-Variante der bewährten Kettenbaureihe »PowerLine«, die keine Einschränkungen bei Montage und Kabelführung zeigt, dabei zugleich aber deutlich leichter ist und sich zudem in kompakteren Einheiten versenden lässt, sodass unter anderem auch Transportkosten eingespart werden. Was darunter zu verstehen ist, erklärt Murrplastik-Produktmanager Helmut Jostmeier: »Light-Variante heißt für uns: intelligenterer Materialeinsatz, computerberechnete Bauteile, höhere Stückzahlen bei wiederkehrenden Bauteilen sowie eine deutlich verbesserte Geometrie des U-Teils, dessen Schenkel sich nicht mehr wie bisher üblich zueinander neigen und damit höhere Festigkeit bringen.«

Die Ketten der neuen Baureihe »ModulLine« erreichen damit rund 80 Prozent der Festigkeit der bekannten Serie »PowerLine« von Murrplastik, die jedoch wesentlich mehr Material enthält und damit kostenintensiver produziert werden muss. »Diesen Kostenvorteil geben wir konsequent an die Kunden weiter«, verspricht Jostmeier.

Die neu entwickelte Kette eignet sich für Einsatzfälle, bei denen es auf eine kompakte Ausführung bei hohen Geschwindigkeiten und hohe Beschleunigungen ankommt, also beispielsweise bei Verpackungsmaschinen, Werkzeugmaschinen, Regalbediengeräten oder Förderanlagen. Das ausgeklügelte Baukastensystem mit einer hohen Zahl wiederkehrender Bauteile ermöglicht die kostengünstige Herstellung von 1.152 unterschiedlichen Energieführungskettentypen in acht Varianten mit acht verschiedenen Radien und neun Breiten. Erhältlich ist die neue Kettenfamilie zunächst in Versionen mit einer lichten Innenhöhe von 25 und 30 Millimetern. Weitere Typen sollen folgen. Die hohe Packungsdichte der standardisierten Bauteile benötigt zudem nur wenig Platz im Lager und beim Transport. Die Folgen sind geringere Lagerkosten und günstigere Frachtraten.

Einfache Montage

Der Kettenanschluss erfolgt wie bei der bewährten Baureihe PowerLine über ein Seitenglied an den Enden der Kette und eine Verschraubung in Verlängerung der Seitenstränge und damit in Kraftrichtung. Die mitgelieferten metallenen Einlegebleche mit Bohrung oder Gewinde ermöglichen dabei die dauerhafte und hochfeste Montage des Kettenanschlusses. Wenn sich die Energieführungskette bereits in der Ablegewanne befindet, lassen sich die nicht festigkeitsrelevanten Sollbruchflächen in den Seitenteilen des Kettenanschlusses leicht entfernen, um die Verschraubung auch in dieser Lage vornehmen zu können. Zwei für die Bohrung vorbereitete Elemente an den Seiten des Kettenanschlusses ermöglichen dabei die Verschraubung an der Ablegewanne ohne weitere Bauteile wie Winkel.

Variable Leitungsführung

Zur Führung der Leitungen und Schläuche in der Kette bietet das Baukastensystem der »ModulLine« vier Varianten zur Wahl. Eine sehr kostengünstige Möglichkeit bieten die geschlossenen beziehungsweise offenen Trennstege: Bei ihrer Montage rasten die Trennstege fest in die Rahmenstege ein und können nicht verrutschen. Durch die fein abgestufte Rasterung der Rahmenstege und die zusätzliche Rasterkennzeichnung erfolgt die Montage gemäß Bestückungsplan schnell und immer exakt nach Vorgabe.

Eine weitere Möglichkeit der Führung bieten Regalsysteme. Sie gewährleisten, dass die gewünschte symmetrische Gewichtsverteilung (schwere Leitungen außen, leichtere Leitungen innen) über die gesamte Länge der Kette bei der Bewegung erhalten bleibt. Zu einem Regal gehören mindestens zwei Regalträger und ein Regalboden, auf dem später die Leitungen und Schläuche liegen. Die Trennstege sehen aus wie kleine Kragarmregale, in die sich mehrere Regalböden einschieben lassen, um eine horizontale Trennung bei der Belegung zu erzielen. Eine Variante ist das klappbare Regalsystem mit teilbaren Regalträgern, bei dem die offenen Seiten der »Kragarme« durch einen Klappmechanismus verschlossen werden. Diese Technik erlaubt es, Belegungsveränderungen vorzunehmen, ohne große Teile der Energieführungskette zerlegen zu müssen.

Neben diesen bewährten Verfahren haben die Systemtechnikspezialisten aus Württemberg zwei neue Methoden für die Führung der Leitungen entwickelt. Zum einen ist dies ein patentierter durchgehender Regalboden, der in den Seitengliedern der Kette arretiert und ohne weitere Bauteile auskommt. Der durchgehende Regalboden ermöglicht damit die Nutzung der kompletten Innenbreite der Energieführungskette.

Eine besonders schonende Verlegung der Leitungen ermöglichen die ebenfalls neu entwickelten Bürstenträger, die oben und unten an den Rahmenstegen arretiert sind. Sie führen die Leitungen ohne Relativbewegungen exakt im Drehpunkt der Kettenelemente, sodass diese keinem Abrieb unterliegen. Diese Lösung eignet sich damit optimal für die Führung der besonders empfindlichen Lichtwellenleiter.

»Alle Vorteile der neuen ModulLine basieren auf unserer langjährigen Praxiserfahrung und dem ständigen Erfahrungsaustausch mit unseren Kunden, die den großen Nutzen schnell zu schätzen wissen werden«, sagt Produktmanager Helmut Jostmeier und ist überzeugt: »So sieht eine Energieführungskette der Zukunft aus.«bt

Fakten

- Die Baureihe ModulLine von Murrplastik Systemtechnik eignet sich für Anwendungen mit geringem Platzangebot und hohen Beschleunigungswerten.

- Sparsamer Materialeinsatz und der hohe Anteil identischer Bauteile ermöglichen eine kostengünstige Fertigung.

- Intelligente Führungssysteme erleichtern die Montage.

Erschienen in Ausgabe: 02/2010