Kleine Maße, große Leistung

Kompaktsteuerungen – Die zunehmende Miniaturisierung aller elektronischen Komponenten bei gleichzeitigem Leistungszuwachs eröffnet neue Möglichkeiten für Kompaktsteuerungen.

12. November 2008

Ein ungebrochener Trend nicht nur in der Automatisierungstechnik ist die zunehmende Miniaturisierung vor allem der elektronischen Bauteile bei gleichzeitiger Zunahme ihrer Leistungsfähigkeit. In besonderem Maße gilt dies auch für die speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) von Automaten und Fertigungsstraßen. So kommt die SPS heute beispielsweise in schnellen Regelkreisen zum Einsatz, in denen noch vor weniger als zehn Jahren Signalprozessoren verwendet werden mussten. In den letzten Jahren ist die Rechenleistung insbesondere im Bereich der Fließkomma-Arithmetik gestiegen, sodass auch kleine Prozessoren analoge Werte in kurzer Zeit verarbeiten können. Eine parallele Entwicklung unabhängig von der Automatisierungstechnik zeigt die Kommunikations- und Informationstechnologie, die heute jederzeit und überall Informationen zur Verfügung stellen kann. Im Bereich der Automatisierungstechnik sind deshalb neue, funktionalere SPSen gefordert, die neben der Maschinensteuerung auch zahlreiche Übertragungsprotokolle und Netzwerk- Services unterstützen. Moderne SPSen werden zudem häufig untereinander vernetzt, um umfangreiche Steuerungsaufgaben zu dezentralisieren und auf verschiedene SPSen zu verteilen. Da über die Steuerung oft auch Betriebs- und Qualitätsdaten erfasst und Prozessdaten über wacht werden, sollte die SPS zudem eine Ethernet-Schnittstelle bieten, mit der sie sich einfach an das Unternehmensnetzwerk ankoppeln lässt.

Die Steuerungen des Industrieelektronikspezialisten Phoenix Contact stellen deshalb mindestens einen Ethernet-Port zur Verfügung, über den sich viele der aus der Informationsund Kommunikationstechnik bekannten Protokolle wie TCP/ IP oder UDP abbilden lassen. In der unteren Leistungsklasse für kleine bis mittlere Steuerungsanforderungen umfasst das Produktspektrum des Unternehmens derzeit vier Inline-Kompaktsteuerungen, den ILC 150 ETH als Basisvariante, den ILC 155 ETH mit einem größeren Speicher sowie einer Lizenz zur Verwendung der SQL-Bibliothek, den ILC 150 GSM/GPRS mit eingebautem GSM-Modem zur Kommunikation über die bekannten Mobilfunknetze sowie den ILC 170 ETH 2TX mit steckbarem Parametrierungsspeicher in Form einer 256-MB-SD-Karte sowie zwei Ethernet-Ports.

IT integriert

Alle Steuerungen enthalten einen integrierten Web-Server, mit dem sich die jeweilige Applikation über jeden Java-fähigen Internet-Browser bedienen und überwachen lässt. Die Projektierungs- Software WebVisit ermöglicht es, die nötige Visualisierungslösung zu erstellen.

Mit dem ebenfalls integrierten FTP-Server können Projekte, Datenblätter oder Funktionsbeschreibungen im Dateisystem abgelegt werden, sodass sich der Service-Techniker die für die Wartung erforderlichen Informationen direkt vor Ort anzeigen lassen kann. Auf dem FTP-Server werden darüber hinaus Betriebsdaten gespeichert und bei Bedarf abgerufen. Wenn die Betriebs- und Prozessdaten jederzeit und unabhängig von den Zugriffen vor Ort zur Verfügung stehen sollen, lassen sie sich direkt in eine SQL-Datenbank übertragen und von dort lesen. Programmiert werden die Kompaktsteuerungen mit der kostenlosen Entwicklungsumgebung PC Worx Express, die einen einfachen Einstieg in die Applikationsentwicklung nach IEC 61131-3 ermöglicht. Die Software bietet alle Funktionen der Standard-Programmiersoftware PC Worx wie das automatisierte Einlesen der angeschlossenen E/A-Komponenten oder die Reduzierung des Variablen-Handlings auf lokale und globale Variablen, um die Übersichtlichkeit zu verbessern. Debug-Funktionen bieten Unterstützung bei der Programmerstellung. Große, aussagefähige Icons ermöglichen eine intuitive Bedienung. Ein Logik Analyzer ermöglicht die Überwachung von ausgewählten digitalen oder analogen Werten über einen bestimmten Zeitraum.

Die kompakten Steuerungen der 100er Leistungsklasse in Kombination mit der Programmierumgebung PC Worx Express bieten sich immer dann an, wenn kleine oder mittlere Steuerungsanforderungen umzusetzen sind oder der Anwender erste Erfahrungen mit dem Programmierstandard IEC 61131-3 sammeln möchte, ohne Abstriche bei der Steuerungsfunktionalität machen zu müssen.

Da alle Steuerungen von Phoenix Contact neben bewährten Automatisierungsstandards internationale IT-Protokolle unterstützen, lassen sich die Controller auf einfache Weise in vorhandene Netzwerke einbinden.

Michael Gulsch, Phoenix Contact/bt

Erschienen in Ausgabe: 08/2008