Kleiner Stromer

Spezial Fahrzeugtechnik

Elektroantriebe – Den städtischen Verkehr bewältigen in Zukunft unter anderem elektrisch getriebene Kleinstwagen. Bewährte Standardantriebe gewährleisten ihren zuverlässigen Betrieb.

04. Mai 2012

Eines der ersten Serienfahrzeuge, das konsequent auf elektrische Antriebstechnik konzipiert wurde, ist der Kleinwagen Mia, der seit September 2011 bei den Händlern erhältlich ist. Der vollelektrische Kleinstwagen in Form eines Mini-Busses mit drei oder vier Sitzplätzen wurde für den urbanen Verkehr konzipiert und bietet je nach Batterieausstattung eine Reichweite von 80 Kilometer oder 130 Kilometer. Nach Angaben des deutsch-französischen Herstellers Mia Electric mit Sitz im westfranzösischen Cerizay lassen sich mit dem kleinen und wenigen Fahrzeug damit 80 Prozent der Fahrten in Städten und Ballungszentren zurücklegen.

Den Motor für das praktische und komfortable Elektroauto liefert der französische Antriebstechnikspezialist Leroy-Somer mit Sitz im südwestfranzösischen Angoulême. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren mehrere Kriterien, erinnert sich Patrick Largeau vom Hersteller Mia Electric: »Zunächst einmal die Leistungsfähigkeit des Motors: Er muss kompakt sein und ein gutes Leistungsgewicht für eine große Fahrzeugreichweite besitzen. Eine entscheidende Rolle spielte jedoch auch die Fähigkeit des Motorenherstellers, sich in den Entwicklungsprozess des Fahrzeugs zu integrieren.«

Zuverlässige Standards

Von Anfang an fest stand für die Fahrzeughersteller zudem, einen Standardmotor zu verwenden – zum einen, um die Entwicklungszeit des Fahrzeugs zu verkürzen, und zum anderen, um auf einen zuverlässigen Antrieb zurückgreifen zu können, der sich bereits bewährt hat.

Entscheidend für die Wahl von Leroy-Somer als am besten geeigneter Partner für die Antriebstechnologie war jedoch das große Know-how des Unternehmens auf dem Gebiet der Motoren für Elektrofahrzeuge, sagt Largeau: »Die Experten von Leroy-Somer kennen sich mit dem gesamten Antriebsstrang aus und haben uns bei allen Entwicklungsphasen begleitet, was für die Integration des Motors von großem Vorteil ist.«

Als einen wichtigen Pluspunkt nennt Largeau auch, dass mit Leroy-Somer eine Weiterentwicklung möglich ist: »Dieses Unternehmen gehört zu den wenigen Herstellern, bei denen man beim Wechsel vom Asynchron- zum Synchronmotor dieselben technologischen Garantien erhält.«

Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, hat der Motorenhersteller aus Südwestfrankreich speziell für Elektrofahrzeuge ein die Fachbereiche übergreifendes Kompetenzzentrum eingerichtet, in dessen Projektbüro etwa 15 Spezialisten mit langjähriger Erfahrung in der Automobilbranche arbeiten. Dabei kann das Unternehmen auf die Erfahrung und das Know-how eines Werkes mit 500 Mitarbeitern zählen.

Optimierte Fertigungsstrecken

»Unser Engagement spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass wir eine eigenständige Fertigungseinheit mit je einer Produktionslinie für Synchrontechnologie und für Asynchrontechnologie eingerichtet haben«, erzählt Stéphane Noireau, der bei Leroy-Somer für den Elektrofahrzeugmarkt verantwortlich ist.

Für die Ausrüstung der Elektrofahrzeuge haben die Franzosen eigens eine Plattform mit Technikern ins Leben gerufen, um die Zuverlässigkeit der Motoren weiter zu verbessern und um den besonderen Qualitätsanforderungen der Anwendung und der Automobilbranche gerecht zu werden, wie zum Beispiel eine hohe Toleranz gegenüber Schwingungen. Inzwischen belegen mehr als 10.000 zugelassene Fahrzeugen, die mit Motoren von Leroy-Somer ausgerüstet sind, die Zuverlässigkeit der Antriebe. Einen technischen Vorsprung sieht Noireau auch bei Leistungsgewicht, Wirkungsgrad und Kompaktheit der Motoren: »Mithilfe neuer Technologien können wir das Gewicht der Motoren um 10 bis 15 Prozent reduzieren, wodurch sich die Reichweite der Fahrzeuge verbessert.«

Leroy-Somer rüstet seit 40 Jahren Elektrofahrzeuge aus. So war das Unternehmen beispielsweise 1995 an der Fertigung der Elektroversion des Peugeot 106 beteiligt, die mit einem Gleichstrommotor mit Fremderregung ausgestattet war. Diese Technologie bietet den Vorteil eines maximalen Motordrehmoments schon bei niedrigen Drehzahlen. Etwa 8.000 dieser Motoren liefen vom Band. Damals nahm die Elektroversion des Peugeot 106 am europaweit größten Feldversuchteil, bei dem den Einwohnern der Stadt La Rochelle eine Flotte von Elektroautos zur Verfügung gestellt wurde.

Heute bieten die Franzosen ein breites Spektrum von Motortechnologien. Das Angebot reicht von zuverlässigen und robusten luft- oder wassergekühlten Asynchronmotoren über Synchronmotoren mit besonders hohen Wirkungsgraden bis hin zu neuen Permanentmagnetmotoren, die neue Perspektiven eröffnen bezüglich Leistung, Kompaktheit und Geräuschpegel. Zum Einsatz kommen diese Motoren beispielsweise in leichten und schweren Kraftfahrzeugen, in Elektro- und Hybridfahrzeugen oder zur Kühlung und Klimatisierung bei Lastkraftwagen oder Bussen.

Auf einen Blick

-Das 1919 gegründete Unternehmen Leroy-Somer mit Sitz im südwestfranzösischen Angoulême ist ein führender Hersteller von elektromechanischen und elektronischen Antriebssystemen sowie Generatoren für die Industrie.

-Das Produktsortiment gliedert sich in die Bereiche Kompaktantriebe, Industriemotoren, Getriebemotoren, Antriebselektronik und Generatoren.

-Als Teil der Emerson Gruppe beschäftigt das Unternehmen weltweit 9.500 Mitarbeiter in 38 Produktionsstandorten in Europa, Nord- und Südamerika, Mexico, Indien und China sowie in 470 Vertriebs- und Servicezentren. Im Geschäftsjahr 2011 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 1,28 Milliarden Euro.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012