Klemmen statt schrauben

Spezial

Spanntechnik – Montage-, Fräs- oder Bohrarbeiten erfordern oft ein häufiges Umrüsten der Maschine. Neuartige manuelle Spannmodule ermöglichen dabei eine flexible und schnelle Fixierung der Werkstücke ohne den Einsatz weiterer Werkzeuge.

17. Juni 2015

Eine wichtige Komponente vieler Maschinen oder Anlagen zum Montieren, Fräsen oder Bohren sind flexible Systeme zum manuellen Spannen und Fixieren der Werkstücke. Besonders kurze Rüstzeiten gewährleisten solche Bauelemente, wenn sie sich ohne weitere Werkzeuge bedienen lassen. Der schwäbische Fräsmaschinenspezialist Ruwi mit Sitz in Fluorn-Winzeln bei Rottweil hat für seine Maschinen deshalb eigene Aufspannsysteme konzipiert, die genau das möglich machen, wie zum Beispiel eine flexibel einsetzbare Aufspannplatte aus verzinktem Stahlblech mit einem integrierten Nuten- und Lochraster, auf dem sich Werkstücke, Einzelteile oder Baugruppen frei positionieren und fixieren lassen. So lässt sich zum Beispiel eine Säulenbohrmaschine mit einer geringen Investition um einen Schraubstock oder Anschlaglineale aufrüsten.

Ein entscheidender Bestandteil dieser Spannsysteme sind innovative manuell bedienbare Exzenter-Spannmodule, die sich auf den gängigen Alu-Profilsystemen oder auf TNut-Aufspannplatten oder Tischen zum Anschlagen, Festklemmen oder Spannen von Bauteilen und Werkstücken nutzen lassen. Sie bestehen aus einem gefederten Bolzen, der in die Nut gedrückt wird, sowie einem Exzenterhebel, über den der Bolzen fixiert wird. Weil Hebel und Hammermutter fluchten, lässt sich das Modul leicht von oben in die schmale T-Nut einsetzen. Durch Ein- oder Ausschrauben der Stellmutter kann der Bediener zudem den Spannhub flexibel an die Höhe des Bauteils und die Tiefe der Nut anpassen. Auch ein Verstellen oder Verschieben der Werkstücke ist deshalb jederzeit möglich und rasch umsetzbar. Entsprechend vielfältig sind die denkbaren Einsatzoptionen auch jenseits des Werkzeugbaus, erzählt Ruwi-Geschäftsführer Reiner Ruggaber: »Möglich wäre zum Beispiel auch, häufig benutzte Revisionstüren oder Schutzvorrichtungen damit zu montieren. Auf Messen machen wir die Erfahrung, dass Interessenten direkt neue Nutzungsideen haben, sobald sie das Produkt zum ersten Mal sehen.«

Bewährte Kooperation

Für die Fertigung der innovativen Spannmodule wandte Ruwi-Geschäftsführer Reiner Ruggaber sich an den Normteile- und Bedienelementespezialisten Heinrich Kipp Werk mit Sitz im nahe gelegenen Sulz am Neckar, mit dem das Familienunternehmen schon seit Jahren zusammenarbeitet, erzählt Ruggaber: »Wir verwenden seit der Firmengründung Lösungen aus dem Hause Kipp. Wir selbst stellen höchste Qualitätsansprüche an unsere Produkte, entsprechend müssen auch die Bedien- und Zubehörteile diesen Maßstäben gerecht werden. Mit Kipp haben wir einen passenden Partner gefunden.«

Nach einer gemeinsamen Abstimmungs- und Entwicklungsphase lieferten die Maschinenelementespezialisten schließlich erste Muster der Exzenter-Spannmodule. Zugleich zeigten sie sich dabei von dem neuartigen Produkt sehr überzeugt, bestätigt Gerd Wiedemaier, technischer Kundenberater bei Kipp: »Die Exzenter-Spannmodule lassen sich immer wieder abbauen und neu verwenden. Das Produktkonzept von Ruwi ist zwar einfach, aber einzigartig auf dem Markt und hat somit ein großes Potenzial.«

Maßarbeit in Serie

Wiedemaier schlug deshalb vor, die Lösung künftig ins eigene Standardprogramm aufzunehmen: »Wir haben die Infrastruktur, um die Module in großen Stückzahlen herzustellen.« Die innovativen Exzenter-Spannmodule sind deshalb heute einerseits ein Teil der Aufspannsysteme der Ruwi-Fräsmaschinen sowie andererseits bei Kipp als Einzelprodukt sowie in größeren Stückzahlen erhältlich. Die Lösungen sind für Acht-Millimeter-Profilnuten konzipiert, lassen sich aber durch ein Verstellen der Ösen auch für Zehn- oder Zwölf-Millimeter-Nuten nutzen. Kipp bietet die Module in vier verschiedenen Bauarten und zwei Größen mit einer Spannkraft von 2,5 bzw. 4 Kilonewton. Die Exzenter-Spannmodule erweitern so den Produktbereich Spannelemente von Kipp, der rund 50 Produktfamilien umfasst, darunter Spanneisen, Exzenterhebel und spanner, Spannhaken sowie Niederzug- und Keilspanner. Für Kipp-Kundenberater Wiedemaier steht deshalb fest: »Für uns sind die neuen Lösungen eine gute Ergänzung des Sortiments, die Exzenter-Spannmodule sind somit ein gutes Beispiel für eine vorbildliche Kooperation von zwei Partnern, aus der sich für beide Seiten eine Win-win-Situation ergibt.«bt

Auf einen Blick

- Die Heinrich Kipp Werk KG mit Sitz im württembergischen Sulz am Neckar ist ein führender Spezialist für Maschinenelemente aus den Bereichen Spanntechnik, Normteile und Bedienelemente.

- An den sechs Standorten des Unternehmens arbeiten mehr als 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Erschienen in Ausgabe: 05/2015