Know-how als Produkt

Spezial

Kabelverschraubungen – Unter dem neuen Namen Lapp Tec AG positioniert sich das Schweizer Spritzgusswerk der Lapp Gruppe neu und tritt jetzt auch als Dienstleister für externe Unternehmen auf.

12. Februar 2015

Den Markennamen Lapp verbinden die meisten sicher mit Kabeln. Die Stuttgarter Firmengruppe verfügt aber auch über 25 Jahre Know-how im Kunststoffspritzguss und hat ein großes Portfolio an Kabelverschraubungen oder Steckverbindern. »Als Anbieter von integrierten Lösungen und Markenprodukten im Bereich der Kabel- und Verbindungstechnologie ist die Spritzgusstechnologie für unser Portfolio unverzichtbar«, sagt Andreas Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Holding AG.

Die Heimat für den Unternehmensbereich liegt in der Schweiz, in Diessenhofen am Rhein. Bisher trug das Unternehmen den Namen Lapp Kabel AG, jetzt geht man als Lapp Tec AG auf die Märkte zu. »Tec steht für Technologie und soll unsere Dienstleistungen vom Produkt-Engineering bis zur Serien-Produktion von Kunststofflösungen aufzeigen«, erklärt Geschäftsführer Roman Germann.

Der Grund für diese Maßnahme ist strategischer Natur. Ziel ist eine Neupositionierung und die Ausrichtung der Dienstleitungen außerhalb der Lapp Gruppe. Die heutige exklusive Lapp-Produktionsstätte wird ihre Kompetenz in Entwicklung und Produktion technischer Kunststoffprodukte auf diese Weise künftig auch externen Kunden anbieten.

»Unser Vorteil ist das jahrzehntelange Know-how in der Kunststofftechnologie und das weltweite Lapp-Netzwerk, vor allem in den Bereichen Forschung und Engineering«, erläutert Roman Germann die Ausgangslage.

»Daran können nun auch andere Unternehmen teilhaben. Sie bekommen von der Lapp Tec AG anspruchsvolle Kunststoffspritzguss-Gesamtlösungen. Das ist unsere neue Strategie.« Die Lapp Tec AG stünde dabei für Technologie und Dienstleistungen von der Produktentwicklung bis zum fertig montierten Produkt.

Aufbau der Kapazitäten

Um diese Ziele zu erreichen, will das Unternehmen den Automatisierungsgrad erhöhen und die Konstruktions- sowie Entwicklungskapazitäten erweitern. Aktuell stockt es die Produktionskapazitäten weiter auf und modernisiert die Anlagen. Konkret ist seit vergangenem Sommer eine neue Spritzgussanlage in Betrieb und in 2015 investiert die Lapp Tec AG in eine neue Mehrkomponenten-Spritzgussanlage, die im Frühsommer in Betrieb gehen soll. Mit dieser Anlage lassen sich Teile aus unterschiedlichen Kunststoffen in einem Arbeitsgang herstellen.

Außerdem wurde in Diessenhofen ein Test- und Prüflabor für produktionsunterstützende Funktionsprüfungen installiert und ein eigener Vertrieb aufgebaut, der auch schon erste Kundenprojekte abgewickelt hat.

Heute sind in den Werkhallen der Lapp Tec AG auf 1.600 Quadratmetern 22 Spritzgussmaschinen, sechs Montageautomaten und 120 Spritzgießwerkzeuge dreischichtig im Einsatz. Die jährliche Produktion beträgt 175 Millionen Kunststoffteile und 75 Millionen Fertigprodukte. Unter den Marken Epic und Skintop umfasst das Sortiment 800 Kabelverschraubungen, Steckerbauteile, Steckverbinder sowie Kabel- und Elektrozubehör. Dafür werden pro Jahr rund 700 Tonnen Rohmaterial wie Polyamid und Polycarbonat verbraucht.

Die Kabelverschraubung Skintop ist im Standardmodell ST-M erhöht ölbeständig für mehr Funktionssicherheit, sie bietet dauerhaften Vibrationsschutz, große, variable Klemmbereiche und eine optimale Zugentlastung sowie reichhaltiges Zubehör. In einer speziellen Version ist sie auch mit IP69K-Zulassung erhältlich. Das bedeutet eine geprüfte Funktionssicherheit auch beim Reinigen mit Hochdruckreiniger und heißem Wasser.

Die Weiterentwicklung Skintop Click bezeichnet die Lapp Tec AG als die innovativste Kabeleinführung auf dem Markt. Mit wenigen Schritten soll das System fixiert, zentriert und zugentlastet sein – ohne Gegenmutter und Gewinde. So verspricht der Hersteller eine Zeitersparnis von bis zu 70 Prozent und eine freie Montage in jeder Position.

Die robusten und flexiblen Industriesteckverbinder der Marke Epic sorgen dank internationaler Zertifizierungen für starke, zuverlässige und individuelle Verbindungen rund um den Globus. Sie bilden ein flexibles System aus Gehäusen, Einsätzen, Kontakten und Zubehör und kommen im Maschinen- und Anlagenbau, der Automatisierung, Antriebstechnik und in Messsystemen zum Einsatz.

Hohes Engagement

Für reibungslose Abläufe am Standort sorgen aktuell 37 Mitarbeiter, die einen Umsatz von rund 10 Millionen Franken erwirtschaften. Im Zuge der Neupositionierung soll auch die Zahl der Mitarbeiter weiter aufgestockt werden, dazu gehört auch die erstmalige Ausbildung von Kunststofftechnologen. Siegbert E. Lapp, Aufsichtsratsvorsitzender der Lapp Holding AG: »Vor allem die Kompetenz und Leidenschaft der Mitarbeiter für die Spritzgusstechnologie sind der Motor für die Innovationskraft in diesem Bereich.«

Die neue Ausrichtung wird bereits in der Praxis gelebt. Erste Versuche mit externen Partnern sind erfolgreich verlaufen: Beim Spritzgießen von mikrozellulären Schäumen werden Schmelze und Gas in superkritischem Zustand in Lösung gebracht. Die mikroskopisch kleinen Blasen entstehen während des Einspritzens der Schmelze-Gas-Lösung ins Spritzgießwerkzeug.

Dadurch sollen sich Ebenheit, Rundheit und Verzug deutlich verbessern. Zudem erhöht sich die Wirtschaftlichkeit durch geringeren Materialeinsatz, kürzere Zykluszeiten und durch den Einsatz kleinerer Spritzgießmaschinen. Der Teilekonstrukteur erhält zudem eine größere Gestaltungsfreiheit. mk

Erschienen in Ausgabe: 01/2015