Komfortabel liefern

Bremszylinder – Für das schnelle Ausliefern von Waren ist die Nachfrage nach speziellen Lastenfahrrädern groß. Dafür hat RM Customs E-Trikes entwickelt, in denen für sichere Lenkmanöver und mehr Bequemlichkeit hydraulische Bremszylinder von ACE verbaut sind.

03. September 2019
Komfortabel liefern
Maßgeschneidertes Lastenfahrrad mit Elektroantrieb und hydraulischem Bremszylinder von ACE (Pfeil). (© RM Customs)

von Robert Timmerberg, freier Fachjournalist

Sich Essen, Getränke und andere Dinge des täglichen Bedarfs vom Supermarkt nach Hause bringen zu lassen, ist in. Normalerweise geschieht dies mit Kleinlastwagen oder Transportern. Oft kommen diese aber auf verstopften Straßen nur langsam voran, stoßen Emissionen aus und finden schwer einen Parkplatz.

Eine bedenkenswerte Alternative ist dabei das Lasten-E-Bike. Eine Kooperation von Hersteller RM Customs aus Kleve und dem ortsansässigen Edeka-Center Schroff zeigt das hohe Potenzial: Das in Unterflurbauweise maßgeschneiderte Lastenfahrrad mit Elektroantrieb ist als Kleinkraftrad mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde zugelassen und kommt im Berufsverkehr schneller voran als ein Kleintransporter.

Je nach Zuladung beträgt die mögliche Fahrstrecke 60 Kilometer. Die Reichweite lässt sich erweitern, da die Fotovoltaikanlage auf dem Kofferdach den Akku auflädt. Damit kann das 100 Kilogramm schwere Gefährt mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 300 Kilogramm im Einsatzradius von zwei Kilometern um das Edeka-Center sehr gut agieren. Das Stauvolumen beträgt derzeit 600 Liter, das sind etwa acht Einkaufskörbe bis zu einem Gesamtgewicht von 100 Kilogramm. Das Lastenrad kann direkt bis zur Haustür fahren, eine zeitraubende Parkplatzsuche wie mit dem Kleintransporter entfällt.

Der Frontnabenmotor hat eine Leistung von 2,3 Kilowatt und ein Drehmoment von maximal 120 Newtonmeter, die aus dem Stand heraus zur Verfügung stehen. Ein Verbrauch von etwa 2,5 Kilowattstunden pro 100 Kilometer entspricht 0,32 Liter Benzin beziehungsweise 0,25 Liter Diesel. Darum heißt das E-Trike Ökomobil.

Die Idee setzt sich durch

Die Gründer von RM Customs, Dr. Marcel Rouenhoff und Markus Mühlberg, ergänzen sich durch ihre Erfahrungen in elektrischer Antriebstechnik und im Fahrzeugbau. Ihre Idee eines Ökomobils in Unterflurbauweise für eine leistungsfähige und ökonomische Nahversorgung kommt zunehmend ins Rollen, denn das im Einzelhandel eingesetzte Modell stellt bereits ihre zweite Ausbaustufe dar.

Zuvor hatte RM bereits einen Prototyp für Geschwindigkeiten bis 25 Kilometer pro Stunde gebaut. Es ergab sich aber das Problem, dass sich das System bei Schlaglöchern oder plötzlichen Lenkbewegungen aufschaukelte und das komplette Fahrzeug umzustürzen drohte. Dies hatte auch der TÜV bemängelt.

Da das Lastenrad aber unbedingt 45 Kilometer pro Stunde schnell sein sollte, galt es, die Unruhe im Fahrwerk zu beheben. Um die Lenkung zu stabilisieren, hielt das Entwicklerduo nach Industriegasfedern Ausschau. Die zunächst gefundene Lösung war jedoch von minderwertiger Qualität. Sie veränderte bei unterschiedlichen Temperaturen die Dämpfungseigenschaften und wurde zudem auch noch undicht.

Im zweiten Anlauf wandten sich Rouenhoff und Mühlberg an das Gasfeder-Team von ACE Stoßdämpfer unter der Leitung von Alexander Lenzen, der den Fall übernahm. Dieser schlug als optimale Lösung hydraulische Bremszylinder zur Stabilisierung vor. Ein Faktor bei der Berechnung war die Länge des E-Trikes, weil es nach dem Prinzip eines Liegefahrrads konstruiert ist. Dadurch verändern sich beim Beladen im Gegensatz zu einem konventionellen Fahrrad der Schwerpunkt und damit auch das Fahrverhalten nicht.

Außerdem ist die Liegeposition für Handgelenke, Wirbelsäule und Nackenmuskulatur des Zustellers angenehmer. Das Fahren über mehrere Stunden wird so deutlich entspannter, zumal auch keine aktiven Gegenkräfte, zum Beispiel durch Ziehen am Lenker, aufgebaut werden müssen. Die vom Fahrer insgesamt aufgebrachte Kraft soll sich möglichst auf das kurze Be- und Entladen der Ware beschränken, erläutert Marcel Rouenhoff das Konzept.

Schläge eliminieren

Alexander Lenzen übergab an Thomas Feldhoff, der bei ACE für den technischen Kundendienst zuständig ist. Er stimmte dem Einsatz von hydraulischen Bremszylindern zu, da sie gefährliches Lenkerschlagen und unerwünschte Schwingungen in der Lenkung eliminieren können – wie es sich in der Freizeitindustrie bereits gezeigt hat.

Im konkreten Fall empfahl ACE nach Berücksichtigung sämtlicher Eckdaten den Zylindertyp HB-28–100-EE-PT. Die hydraulischen Bremszylinder der HB-Familie können dabei als beid- oder einseitig wirkende Bremsen fungieren. Ihre beschichteten Körper im schlanken Gasfeder-Design und die Kolbenstangen mit verschleißfester Oberflächenbeschichtung sind laut ACE Merkmale hoher Qualität und Langlebigkeit.

Wie bei allen HB-Komponenten handelt es sich bei dem verwendeten Modell um ein wartungsfreies, einbaufertiges und geschlossenes System. Der HB-28 ist einstellbar und liefert bei einem Hub von 100 Millimetern eine variabel justierbare Druck- oder Zugkraft von 30 bis 3.000 Newton. Ein Einstellsegment am Kolben erlaubt eine leichte Verstellung in den Endlagen, wobei eine große Auswahl an Anbauteilen zusätzlich die Montage erleichtert.

Nachdem die gefundene ACE-Lösung in den ersten beiden Serien der E-Trikes von RM Customs gut funktioniert hat, läuft bereits die Entwicklung der nächsten Generationen. Geplant sind ein verlängerter Radstand, eine breitere Spur sowie ein Heckantrieb mit zwei Nabenmotoren zu je zwei Kilowatt und 80 Newtonmeter Drehmoment für noch mehr Fahrsicherheit und Agilität. Zudem soll das Kofferraumvolumen auf 1.000 Liter anwachsen. mkT

Infobox

Auf einen Blick

Die hydraulischen Bremszylinder der Produktfamilie HB können als beid- oder einseitig wirkende Bremsen ein- gesetzt werden. Ihre beschichteten Körper im schlanken Gasfeder-Design und die Kolbenstangen mit verschleiß- fester Oberflächenbeschichtung sind Merkmale hoher Qualität und Lang- lebigkeit. Die Dämpfer sind wartungs- frei, einbaufertig und geschlossen.

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 56 bis 57