Herr Möller, Industrie 4.0 ist das Buzzword seit einigen Jahren in der Industrie. Doch was bedeutet es für ein kleineres Produktionsunternehmen, Industrie 4.0 in der Praxis umzusetzen? Und welche Rolle spielt eine MES-Lösung dabei?

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Kleinere Produktionsunternehmen sind auf die Erfahrung und das Wissen langjähriger Mitarbeiter angewiesen. Dieses sogenannte implizite Wissen wird im Rahmen von Industrie 4.0 quasi aus den Köpfen in die IT transferiert, sodass das, was der Mitarbeiter bislang im Kopf gemacht hat, nämlich die unterschiedlichen Informationen aus der Produktion zu verknüpfen, fortan das MES übernimmt– in etwas größeren Dimensionen.

Produzierende Unternehmen müssen immer schneller auf die Veränderungen im Markt und auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren. Das gelingt nur mit einer effizienten Produktion. Doch wie erkennt ein Unternehmen seine Optimierungspotenziale, und wie setzt man solche Erkenntnisse dauerhaft um?

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In vielen Fällen bleiben die erfassten Daten weitgehend ungenutzt, weil sie nicht interpretiert werden. Hier kommt das MES ins Spiel: Es sammelt sämtliche Daten, verdichtet und analysiert sie und gibt sie visualisiert aus. Aus diesen Kennzahlen kann das Unternehmen dann seine Optimierungspotenziale ableiten. Da das MES Maschinen- und Betriebsdaten permanent in Echtzeit analysiert, lassen sich Trends ablesen. Ein MES bietet zudem die Möglichkeit, bestimmte Szenarien theoretisch durchzuspielen, um zum Beispiel individuelle Kundenwünsche in der Produktion umzusetzen, anstatt durch Trial & Error Störungen im Produktionsablauf, hohe Ausschüsse und die damit verbundenen Kosten zu verursachen.

Können Sie aus Ihrer Erfahrung heraus einige typische, ergiebige Prozesspotenziale benennen?

Nehmen wir zum Beispiel die Verpackungs- und Druckindustrie. Wegen der hohen Prozessdynamik in der Rollenfertigung führt ein Fehler schnell zu enormen Ausschüssen. Das MES kontrolliert die Einhaltung zuvor festgelegter IST-Werte und gibt bei Abweichungen unmittelbar eine Warnung aus. Die dann zu treffenden Maßnahmen müssen nicht erst auf Papier festgehalten und zum Werker gebracht werden. Stattdessen erhält er seine Arbeitsanweisungen auf einem Terminal direkt an der Maschine.

»Wir haben eine ganz passable Lösung, wie man Digitalisierung in die Praxis umsetzt.«

— Michael Möller, Geschäftsführer, GBO Datacomp

Darüber hinaus lässt sich mit einem MES eine intelligente Artikel- und Materialnummerierung für Rollen, Bahnen, Chargen oder Formate umsetzen, sodass man über die gesamte Produktionskette eine lückenlose Rückverfolgbarkeit erhält. Sie ist zudem besonders wichtig, um gesetzliche Vorgaben und Dokumentationspflichten einzuhalten, wie etwa in der Lebensmittelverarbeitung oder der Pharmaindustrie.

Viele Beispiele etwa für höhere Anlageneffizienz finden sich in der Metallverarbeitung, wenn mithilfe eines MES die einzelnen Bearbeitungsschritte geplant werden. Durch eine optimierte Reihenfolge wird zum Beispiel ein Walzensatz gleichmäßiger abgenutzt, wodurch er natürlich länger hält. Temperaturen, Drücke oder Fließgeschwindigkeiten müssen mit einem MES nicht mehr manuell überprüft und in ausufernden Excel-Tabellen festgehalten werden.

Und welche Möglichkeiten bietet Ihre MES-Lösung in diesem Zusammenhang?

Mit bisoft MES verfügen wir über eine sehr flexible Lösung, die wir auf die individuellen Anforderungen des produzierenden Unternehmens anpassen können. bisoft MES ist skalierbar, wächst also mit, wenn die Produktion wächst. Bleiben wir zum Beispiel bei der Metallverarbeitung. Hier können Sie mit bisoft MES für jeden Arbeitsschritt eine Energiebilanz erstellen, ganz gleich, um welche Energieart es sich handelt. bisoft MES ist nicht auf einen Industriezweig oder eine Produktionsart festgelegt. Bestehende IT-Systeme wie etwa ERP, MDE/BDE oder die Lagerverwaltung können in bisoft MES integriert werden. Interoperabilität ist ein Qualitätsmerkmal unserer MES-Lösung.

Gerade KMUs verfügen über einen gewachsenen heterogenen Maschinenpark und eine entsprechende Softwarelandschaft, die selten aus einem Guss ist und deshalb nicht mal eben so vernetzt werden kann.

Das stimmt. Nicht selten setzen Hersteller ihre eigene, proprietäre SPS-Steuerung ein. Also muss ein Weg gefunden werden, wie die unterschiedlichen Maschinen mit dem MES kommunizieren können – Stichwort Maschinenanbindung. Das bisoft-MES-Modul VirtCont verfügt hierzu nicht nur über die gängigen Schnittstellen OPC und OPC UA, sondern auch über MTConnect. Zudem verfügen wir über mehr als 30 Jahre Projekterfahrung mit über 850 Systemlösungen, sodass wir das notwendige Know-how besitzen, um aus einer heterogenen Maschinen- und Softwarelandschaft eine homogene Datenbasis zu generieren.

Installationszeiten und finan- zielle Aufwendungen spielen für viele Unternehmen beim Thema Smart Factory ebenfalls eine große Rolle. Gibt es Möglichkeiten, diese möglichst kleinzuhalten?

Da bisoft MES skalierbar und modular aufgebaut ist, passen wir es exakt auf die Anforderungen unserer Kunden an. Das heißt, sie bezahlen nur für das, was sie auch wirklich benötigen. Darüber hinaus haben wir für viele Industriezweige sogenannte Templates entwickelt, also Funktionen, die branchentypische Produktionsprozesse abbilden. Die Verwendung solcher Templates reduziert die Installationszeit und damit auch die entsprechenden Kosten.

Nach dem kräftigen Wachstum in den beiden letzten Jahren – wie fallen Ihr Rückblick auf 2019 und Ihre Erwartungen für 2020 aus?

Auch 2019 werden wir mit einem Wachstum abschließen. Viele produzierende Unternehmen beschäftigen sich damit, wie man die Digitalisierung in die Praxis umsetzt. Wir haben dafür eine ganz passable Lösung. Ich bin mir sicher, dass die Notwendigkeit, sich zu digitalisieren, für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit erkannt wurde, weshalb ich auch für 2020 davon ausgehe, dass wir weiter wachsen werden. Mit bisoft MES bieten wir eine maßgeschneiderte Lösung für kleine, mittelständische und große Produktionsunternehmen, die sich auf den Weg in die Industrie 4.0 machen wollen. T