Kompakte Kraftpakete

Spezial

Kleinantriebe – Die vollautomatische Medikamentenkommissionierung erleichtert Apothekern die Arbeit. Möglich macht dies der Einsatz platzsparender Kleinmotoren in der gesamten Verteilungsmechanik.

15. Oktober 2009

Ein zeitraubender regelmäßiger Arbeitsschritt in jeder Apotheke ist die exakte Zusammenstellung der Medikamentenpakete für die einzel-nen Kunden entsprechend dem jeweiligen ärztlichen Rezept. Diese anspruchsvolle Aufgabe bindet viele qualifizierte Apothekenmitarbeiter mit der lästigen Handarbeit des Zusammensuchens der verschiedenen Produkte aus zahlreichen Regalen und Behältern. Einen neuen Weg geht hier nun eine automatische Lager-, Verteil- und Ausgabelösung, die fertig konfektionierte Warenkörbe mit Medikamenten entsprechend der jeweiligen Rezepteingabe bereitstellt. Die Lösung des US-amerikanischen Automatisierungsspezialisten Script Pro aus Mission in Kansas überträgt damit die Kommissionierungsverfahren des pharmazeutischen Großhandels auf die einzelne Apotheke.

Um die Umstellung zu vereinfachen, konzipierten die Amerikaner die automatisierte Medikamentenverteileranlage in den Baumaßen der manuell bedienten Regalanlagen, wie sie in den Apotheken üblich sind. Die nötige Kompaktheit erreichten die Automatisierer dabei durch den Einsatz miniaturisierter mechanischer Komponenten. So arbeiten in der Anlage mehrere Kompaktmotoren des Kleinantriebsspezialisten MicroMo Electronics aus Clearwater im US-Bundesstaat Florida. Das Unternehmen ist Mitglied der Faulhaber-Gruppe und entwickelt leistungsstarke bürstenbehaftete oder elektronisch kommutierte Gleichstrommotoren sowie Getriebemotoren, Getriebe und Encoder im Miniaturmaßstab.

Klein, aber stark

Grundlage der Medikamentenverteileranlage für Apotheken ist ein miniaturisiertes Kransystem, dessen Ausleger auf kleinstem Raum alle nötigen Antriebe enthält. Der Ausleger ist damit das einzige autark bewegliche Teil der Anlage. Auf diese Weise bleibt zum einen mehr Platz für die eigentlichen Lagerbehälter, zum anderen sinkt die Anzahl der benötigten Antriebe drastisch. Entsprechend steigt jedoch die Belastung der einzelnen Antriebseinheiten. Für einen langjährigen Betrieb kommen daher nur robuste, verschleißarme Motoren mit entsprechenden Getriebevorsätzen in Frage.

Flexible Lösung

In der Basisvariante des Systems bedient der Ausleger mehr als 100 speziell entwickelte Behälter für die unterschiedlichen Medikamentenschachteln, Gläser oder Tuben, die das Verteilersystem störungsfrei auswählen, abzählen und transportieren muss. Hinzu kommen Abgabeformen wie lose Schüttung aus größeren Vorratsdosen. Dazu fährt der Arm mit einer leeren Abgabe-Dose in Position vor den Vorratsbehälter und treibt dort über ein vorne eingreifendes Zahnrad ein am Boden des Behälters liegendes Zahnrad mit geeigneten Öffnungen an, das nacheinander einzelne Tabletten, Kapseln oder Dragees freigibt, die dann in die Abgabe-dose fallen.

Starker Antrieb

Da die Tabletten in freier Schüttung je nach Oberflächenbeschichtung stark aneinander haften, benötigt die Lösung ein hohes Drehmoment zur Überwindung des Losbrechmomentes der Medikamenteneinheiten. Die exakte Positionierung aller Komponenten gewährleistet jedoch eine Genauigkeit des Abzählvorgangs von 99,7 Prozent. Unerlässlich für den Betrieb der Verteilanlage ist zudem eine absolute Zuverlässigkeit aller Komponenten. Dies gilt speziell für Apotheken, die in großen Krankenhäusern oder als Online-Apotheke Tag und Nacht zahlreiche Rezepte verarbeiten müssen.

Einer für alles

Der Hersteller bietet das System in mehreren Varianten an. So gibt es neben der Grundversion mit 200 Vorratsdosen für die eine Tablettenausgabe auch Lösungen für Tuben, Schachteln und andere Packungsvarianten. Bei hohen Umschlagszahlen müssen zudem die Vorratsbehälter regelmäßig automatisch aufgefüllt werden. Jede einzelne Funktion stellt jedoch unterschiedliche Ansprüche an den eingesetzten Antrieb. Damit dabei die Kosten für das System dennoch möglichst gering bleiben, ist die gesamte Anlage modular aufgebaut. So lässt sich mit den langlebigen, praktisch verschleißfreien EC-Motoren mit 24 Millimetern Durchmesser in Verbindung mit anflanschbaren Kompaktgetrieben und einer angepassten Ansteuerung jede Drehmoment- oder Drehzahlanforderung der Anlage bedienen. Beispielsweise treibt der gleiche Motortyp so unterschiedliche Elemente wie beispielsweise die Gewindestange für den weiteren Pillendosentransport oder die Pick-and-Place-Funktion für die Dosen am Kranarm. Unterschiedlich sind nur die Getriebe und Encoder. Im Antrieb integrierte oder externe Positionsmelder und Encoder gewährleisten dabei stets die exakte Ausrichtung aller Komponenten.

Andreas Zeiff, Dietrich Homburg/bt

Erschienen in Ausgabe: 07/2009