Kompakte Rechenhelfer

Bauelemente – Die Stromversorgung auf einer Messe erfordert viele Installationsarbeiten. Auf dem neuen Stuttgarter Messegelände erleichtern elektronische Wirkstromzähler nicht nur die Abrechnung.

17. Oktober 2008

Eine zentrale Herausforderung für einen Messeveranstalter ist die Versorgung der einzelnen Messestände mit Telefon, Wasser und Elektrizität. Dabei steht nicht nur die Sicherheit der Versorgung im Vordergrund – nötig ist auch eine einfache und schnelle Abrechnung der Verbräuche der jeweiligen Stände. Großen Aufwand verursacht vor allem die Versorgung der einzelnen Messestände mit elektrischem Strom: Hier müssen an jeden einzelnen Stand Leitungen gelegt und angeschlossen werden. Dazu kommt der Anschluss von Wirkstromzählern für eine korrekte Abrechnung der Stromverbräuche. In den meisten Messegeländen wird dazu innerhalb der einzelnen Messestände jeweils eine Schalttafel mit einem herkömmlichen Ferraris-Zähler aufgebaut. Bei diesen Zählern induziert der fließende Strom ein magnetisches Drehfeld, das in einer Aluminiumscheibe durch Wirbelströme ein Drehmoment erzeugt. Diese Scheibe läuft in einer Wirbelstrombremse, die so ausgelegt ist, dass die Drehgeschwindigkeit der Scheibe proportional zur Leistung ist. Die Drehungen der Scheibe werden auf ein mechanisches Zählwerk übertragen, an dem die verbrauchte Leistung abgelesen werden kann. Aufgrund des elektromechanischen Prinzips der Messung sind Ferraris-Zähler anfällig für Störungen. Zudem können Magnetfelder und elektrische Felder die Messung beeinflussen.

Elektronik an zentralem Ort

Auf dem neuen Gelände der Messe Stuttgart dagegen dienen dazu elektronische Wirkstromzähler, die diese Probleme nicht kennen, da sie die Wirkleistung mittels einer elektronischen Schaltung erfassen. Angezeigt wird die verbrauchte Leistung, wie bei den alten Zählern auch, über ein Rollenzählwerk. Die kompakten Geräte werden jedoch nicht direkt im Messestand montiert, sondern befinden sich platzsparend auf einer 35-Millimeter-Hutschiene in Schaltschränken in den Versorgungsgängen unter den Hallen, in denen die nötigen Leitungen und Kabel verlegt sind. Über abzweigende Spartenkanäle lassen sich die einzelnen Messestände erreichen. Dort hat jeder Abgang einen eigenen Zähler, der fest eingebaut ist. Die Schaltschrankbauweise vereinfacht vor allem die Arbeitsweise beim Anschluss, weil der Elektriker nicht mehr an jedem einzelnen Stand einen Zähler anklemmen muss. Insgesamt sind in den Schaltschränken unter den Messehallen 1.800 Zähler installiert. Für Peter Mattes, Leiter technische Infrastruktur beim Veranstalter, der Landesmesse Stuttgart GmbH, liegt deshalb der wesentliche Vorteil dieser Lösung auf der Hand: »Die kompakte Bauweise der Wirkstromzähler spart Platz im Schaltschrank.«

Geliefert hat die Zähler der international tätige Relais- Hersteller Finder mit Sitz in Rüsselsheim. Die Entscheidung darüber traf das Stuttgarter Elektrosystemhaus Ziegler, das die Stromanschlüsse der einzelnen Messestände organisiert und mit den jeweiligen Ausstellern abrechnet. Die elektronischen Wirkstromzähler haben neben dem kompakten Aufbau und dem robusten Wirkprinzip noch weitere Vorteile. So bieten sie neue Funktionen, die mit herkömmlichen elektromechanischen Zählern nicht möglich wären. Zum Beispiel besitzen die elektronischen Zähler der Serie 7E eine S0-Schnittstelle, über die sich eine Fernablesung der Messwerte realisieren lässt.

»Die Fernablesung der Zähler ist bei uns im Haus auch bereits angedacht und wird in einem nächsten Schritt realisiert werden«, sagt dazu Andreas Calandri, Teamleiter von Ziegler für die Messe Stuttgart – schließlich steht durch die hohe Frequenz der Veranstaltungen häufig nur sehr wenig Zeit für den Auf- und Abbau der Messestände zur Verfügung. Zudem erfordert die hohe Zahl der Messestände im Laufe eines Jahres sehr viele Abrechnungen.

Zuverlässigkeit entscheidet

Vorteile bietet dieses Verfahren daher auch für den Messeveranstalter, ergänzt Mattes: »Wenn bei einer Messe etwas schiefgeht, fällt es immer auf den Betreiber der Messe zurück.« Die Zuverlässigkeit sämtlicher Dienstleistungen, auch wenn sie von externen Firmen erbracht werden, ist daher wichtig. Hier gewährleisten die zuverlässigen Wirkstromzähler eine fehlerfreie Abwicklung. Die Wirkstromzähler sind verfügbar für Wechselstrom und für Drehstrom und erfüllen die Genauigkeitsklasse 1. Als Zubehör ist eine Klappe erhältlich, mit der der Zähler verplombt werden kann.

FAKTEN

Die Finder GmbH in Rüsselsheim ist Spezialist für Schalt-, Zeit- und Überwachungsrelais.

Das Unternehmen produziert an vier Standorten in Deutschland, Italien und Spanien. Dazu kommen Niederlassungen in 16 weiteren Ländern in Asien, Europa und Amerika. Der Stammsitz befindet sich in Almese bei Turin.

Erschienen in Ausgabe: 07/2008