Komplette Abdeckung

Porträt

Fischer Elektronik – Mit der »Dreifaltigkeit« aus Kühlkörpern, Gehäusen und Steckverbindern bietet Fischer Elektronik seinen Kunden eine Riesenauswahl von Standardprodukten und spezifische Lösungen gleichermaßen. von Michael Kleine

29. April 2013

Reisen in Lüdenscheid bedeutet ein ständiges Auf und Ab. Ähnlich wie Rom ist die Stadt auf mehreren Hügeln errichtet. Auf einem davon hat sich Fischer Elektronik angesiedelt. Weithin sichtbar ist das Haupthaus samt Schriftzug zwar, aber das Wesentliche befindet sich im Verborgenen. »Wir sind hier räumlich sehr beengt, unser Werksgelände ist stark gestückelt«, sagt Geschäftsführer Thomas Fischer. »Wir müssen sehr viel auf wenig Raum produzieren.« Das ist insofern noch trickreicher, als dass das Unternehmen eine enorm hohe Fertigungstiefe hat.

Trotzdem bleibt Fischer ortstreu. »Mein Vater Hans Albert Fischer hat die Firma 1969 gegründet«, berichtet Thomas Fischer. »Als sein damaliger Teilhaber ausstieg, erfolgte bald der Umzug nach Lüdenscheid und hier sind wir jetzt beheimatet. Erste Produkte waren die Kühlkörper, die auch heute noch unser größtes Standbein sind.«

1978 entstand gleich in der Nachbarschaft ein zweites Unternehmen für Gehäuse und Steckverbinder. Beide Betriebe wurden 1989 zum heutigen Unternehmen Fischer Elektronik vereinigt.

»Das war ein guter Schub«, weiß der Inhaber. »In den kommenden Jahren konnten wir uns von ein paar Hunderttausend D-Mark bis auf 43 Millionen Euro Umsatz entwickeln. Heute beschäftigen wir immerhin mehr als 400 Mitarbeiter, fast alle hier am Standort Lüdenscheid.«

Thomas Fischer selbst ist Diplom-Designer und daher kam auch der Einstieg ins Unternehmen. »Mein Vater fragte, ob ich die Kataloge erstellen könnte. Natürlich wollte ich, habe aber schnell all die Ungereimtheiten und Fehler bemerkt und mich in deren Beseitigung gekniet. So habe ich nach und nach immer mehr Kontakt zum Sortiment aufgebaut. Ich kümmere mich um das äußere Erscheinungsbild und die Werbung, und ich bin auch Beauftragter für das Qualitätsmanagement.« Er führt das Unternehmen zusammen mit seinem Cousin Patrick Fischer, der Elektrotechnik studiert hat und für die Technik verantwortlich ist. »Er ist jetzt 36 Jahre alt, also 20 Jahre jünger als ich, und da ich keine eigenen Kinder habe, ist der Fortbestand als Familienunternehmen gesichert.«

Lang anhaltende Qualität

Der erste Strangkühlkörper der Serie 01 ist immer noch im Programm. »Die Produktqualität war von Anfang an hoch, darum laufen solche Geometrien bis heute«, sagt Thomas Fischer. Die Auswahl hat sich allerdings enorm vergrößert. »Wir verfügen bei den Kühlkörpern derzeit über rund 400 Standardprofile. Wenn Sie überlegen, dass es in der gesamten DDR nur vier verschiedene gab, ist das eine riesige Anzahl.«

Für jedes Profil gibt es ein eigenes Werkzeug. »Wir kaufen grundsätzlich keine Profile auf dem freien Markt. Im Ausland gibt es zwar Profile, die gleich aussehen, aber die Maße stimmen nie. Darum machen wir alles selbst, so bieten wir dem Kunden eine große Verlässlichkeit.«

Die Einsatzbereiche sind breit gestreut und sie haben sich nicht viel verändert: Elektronik, Medizintechnik, Transportelektronik, Anlagenbau. »Kühlkörper finden sich überall – in der Industrie und im täglichen Leben. Sie brauchen nur im Hotel die Tür aufzumachen«, erzählt Fischer. In letzter Zeit seien spezielle Kühlkörper für LEDs zunehmend gefragt. »Dazu haben wir sogar neue Maschinen angeschafft.«

Bei den Gehäusen setzt Fischer sehr auf Design. »Bei meiner Ausbildung ist das verständlich«, sagt der Geschäftsführer lächelnd. »Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den IP-Schutzklassen.« Der Anbieter produziert überwiegend kleinere Ausführungen, vor allem für Europa-Leiterkarten, variabel in 200 verschiedenen Größen. Die Gehäuse gehen zu Fahrzeugbauern, in die Medizintechnik oder dienen als Beistellgehäuse.

Dazu passend bietet das Steckverbinder-Sortiment alle gängigen Rastermaße für Europakarten, die Fischer komplett selbst im eigenen Haus herstellt: »Wir spritzen, vergolden, machen die Oberflächenveredelung und teilweise auch die Kontakte selbst, schneiden sie für den Kunden auf Polzahl zu.« Für selektive Veredelungen greift Fischer auf spezialisierte Dienstleister zurück, oft auch von nebenan. »Lüdenscheid hat eine gute industrielle Basis, viele unserer Lieferanten kommen hierher.«

Gehäuse, Kühlkörper und Steckverbindungen gehen bei Fischer eine Symbiose ein. »Die Bearbeitung ist fast identisch, wir arbeiten nur mit Aluminiumgehäusen und verfügen über ein spezielles Wabenlager zur Lagerung. Steckverbinder sind eine Sache für sich, aber wir wenden uns damit an die gleiche Zielgruppe, sodass die meisten Kunden sowohl Kühlkörper als auch Steckverbinder bei uns kaufen.« Fischer entwickelt sich also zum Systemanbieter. »Der Kunde findet bei uns für praktisch alle Fragen des Wärmemanagements die individuelle Lösung, wir können jeden Bereich abdecken.«

Für die Zukunft möchte Fischer die drei Standbeine immer weiter den Erfordernissen anpassen. »Es ist aber nicht geplant, weitere Geschäftsfelder aufzubauen. Wir würden uns verzetteln und bei 10.000 bestehenden Produkten die Kapazität der Entwicklung und Produktion sprengen. Wir passen die Kühlkörper und Gehäuse immer wieder an, in letzter Zeit vor allem an die LED-Technik. Es gilt, vorne dabei zu sein.«

Auf einen Blick

Fischer Elektronik

- Gegründet 1969 durch Hans Albert Fischer, Sitz in Lüdenscheid.

- Anfangs Kühlkörper, 1978 zweites Werk für Gehäuse und Steckverbinder, 1989 Zusammenlegung zu einem Unternehmen.

- 400 verschiedene Standardprofile bei den Kühlkörpern.

- 200 verschiedene Gehäuseformen.

- Bevorzugte Einsatzgebiete: Elektronik, Medizintechnik, Transportelektronik, Anlagenbau.

- Sehr hohe Fertigungstiefe bis zu Bedruckung und Werkzeugbau.

- Wabenlager für 2.100 Kassetten.

Erschienen in Ausgabe: 03/2013