»Konsequent den Trends folgen«

Andreas Elsner / Ron Rademaker - Das Geschäft mit der Lineartechnik hat sich bei der SKF Linearsysteme GmbH prächtig entwickelt. Zeichen des Erfolgs sind die Einrichtung einer modernen Fertigungsstätte am Standort in Schweinfurt im Jahre 2004 sowie der Ausbau und die Modernisierung des Standortes in Meckesheim.

14. September 2006

Mit Seit Beginn dieses Jahres leiten Andreas Elsner und Ron Rademaker die SKF Linearsysteme GmbH. Wie sind die Verantwortlichkeiten des neuen Führungsduos aufgeteilt?

Rademaker: Andreas Elsner ist bereits seit März 2005 im Amt und verantwortet die Bereiche Entwicklung und Produktion, während ich mich seit 01. Januar 2006 um den Vertrieb in Deutschland und Österreich kümmere. Zu unserem Portfolio zählen auch die Produkte aus dem Bereich der Mechatronik. Ferner bieten wir Systemlösungen an und zeigen dem Kunden auf, welche Möglichkeiten und Kompetenzen SKF plattformübergreifend zu bieten hat, und welche Hilfestellung wir den Kunden bei der Ausarbeitung sehr spezieller Lösungen geben können.

Plattformübergreifend?

Rademaker: Die SKF Gruppe versteht sich als Kompetenzunternehmen für Bewegungstechnik und entwickelt Systemlösungen auf der Grundlage der fünf Plattformen Lager und Lagereinheiten, Dichtungen, Schmiersysteme, Mechatronik und Dienstleistungen. Die SKF Linearsysteme GmbH gehört zum Bereich der Mechatronik.

In den Hochglanzbroschüren stellt sich SKF als Unternehmen dar, das seinen Kunden weltweit mit Systemlösungen Wettbewerbsvorteile verschafft. Wie viel von diesem Versprechen wird denn im Business-Alltag umgesetzt?

Elsner: Über viele Jahre hinweg - im nächsten Jahr feiert SKF sein 100-jähriges Bestehen - hat unser Konzern ein großes Fachwissen im Bereich der Lagerung umlaufender Maschinenteile aufgebaut. Hinzu kommen das Know-how und die Kompetenz in der Fertigung, resultierend aus fast 100 Produktionsstätten weltweit; nicht zu vergessen unsere Ingenieure, die sich in über 70 Ländern täglich mit technischen Problemen auseinandersetzen. Es wäre doch töricht, die Vielzahl der erarbeiteten Lösungen und gemachten Erfahrungen dem Kunden vorzuenthalten. Nein, umgekehrt wird ein Stiefel draus. Es gilt, und das ist auch Teil unserer Strategie, SKF als Dienstleistungspartner stärker am Markt zu positionieren.

In welcher Form wollen Sie das tun?

Elsner: Das Spektrum der eingesetzten Linearsysteme reicht von einfach bis komplex und so können die meisten Verfahr- und Positionieraufgaben in der Praxis heute mit Linearführungen und -systemen aus dem Baukasten realisiert werden. Nehmen wir das Beispiel Präzisionsschienen. Mit unserem austauschbaren Konzept der ›Modular Range‹-Baureihe lassen sich ca. 80% aller am Markt gängigen Schienengrößen abdecken. Doch zunehmend werden individuell angepasste, so genannte maßgeschneiderte Lösungen nachgefragt, bei denen Spezialwissen gefordert ist, insbesondere dann, wenn es darum geht, Linearsysteme an extreme Leistungsbereiche heranzuführen. Hier sehen wir ein weites Feld, unser Know-how in den Dienst des Kunden zu stellen.

Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit scheitert oft an den unterschiedlichen Unternehmenskulturen, insbesondere wenn der Unterschied in der Unternehmensgröße signifikant ist.

Rademaker: Grundsätzlich schließen wir als Kunden niemanden aus. Dennoch müssen wir Prioritäten setzen, die nicht von der Unternehmensgröße eines Partners abhängen und auch nicht nur wirtschaftlicher Natur sind, sondern vor allem vom technischen Aspekt eine Herausforderung darstellen. Wichtig in der partnerschaftlichen Zusammenarbeit ist die Bereitschaft des gegenseitigen Öffnens, des Gebens und Nehmens und vor allem die Fähigkeit des richtigen und genauen Hinhörens. Bei einer fairen Zusammenarbeit, von der beide Partner profitieren, also die typische Win-win-Situation, tritt die vielleicht vorhandene, unterschiedliche Firmenkultur schnell in den Hintergrund.

Linearsysteme drängen über die klassischen Anwendungen im Maschinenbau hinaus in immer neue Anwendungsbereiche. Wohin geht der Trend?

Elsner: Mit fortschreitender Automatisierung der Fertigungsprozesse gewinnt die Lineartechnik an Bedeutung und das in allen Branchen. Dabei decken sich die Trends in der Lineartechnik weitgehend mit denen in der Antriebstechnik. In beiden Techniksparten finden wir eine dynamische Entwicklung mit immer höheren Leistungsdichten bei noch kompakteren Bauformen. Durch Einbindung neuer Technologien und der Verwendung von Werkstoffen mit einem verbesserten Eigenschaftsprofil erschließen sich der Lineartechnik neue Einsatzgebiete mit glänzenden Perspektiven. Die Elektromechanik und Hybridlösungen sind auf dem Vormarsch. Wohin die Entwicklungsreise geht, ist heute noch nicht abzusehen, aber die Richtung ist eindeutig vorgezeichnet: Immer kleiner, noch kompakter und immer leistungsfähiger. Die Schwerpunkte der Entwicklungsarbeiten bei SKF liegen deshalb im Bereich der Miniaturisierung und auf den Gebieten der Funktionserweiterung und -integration.

Wo endet die Miniaturisierung?

Rademaker: Nicht gerade einfach, diese Frage heute zu beantworten, denn wer hätte schon vor 20 Jahren daran gedacht, was wir heute mit Elektromechanik so alles bewegen. Das größte Entwicklungspotenzial für die Lineartechnik sehe ich in der Automatisierungstechnik. Hier ist noch eine Menge Luft nach oben, soll heißen, das Potenzial ist erst zu schätzungsweise 60% ausgeschöpft. Die Hybridtechnik ist sicher noch in den Kinderschuhen, und wenn man sich vorstellt, dass Wälzkörper aus Keramik, mit denen Verfahrgeschwindigkeiten von 10 m/s und höher möglich sind, irgendwann in naher Zukunft zu anderen Preisen am Markt zu haben sein werden, dann kann man sich vorstellen, wohin die angesprochene Entwicklungsreise geht. Auch hinsichtlich der Ablaufgenauigkeit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, zieht man die jüngsten Entwicklungen in der Oberflächen- und Werkstofftechnik mit ins Kalkül.

Kürzlich war in der Rhein-Neckar-Zeitung zu lesen, dass SKF in Meckesheim ein Zeichen gesetzt habe?

Elsner: Ja, so stand es in der Überschrift; ich denke aber, das Wort Signal passt besser. Mit der Erweiterung der Produktionsflächen von derzeit 4.400 auf künftig 6.300 Quadratmeter und den umfassenden Modernisierungsarbeiten wollen wir dem Markt signalisieren, dass wir die Verfügbarkeit unserer Produkte verbessern, die Lieferfristen verkürzen und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöhen werden.

Ein solches Signal hätte SKF doch auch von Schweinfurt aus dem Markt senden können. An diesem Standort sind doch bereits 2004 die idealen Voraussetzungen geschaffen worden.

Elsner: Das tun wir auch mit den Produkten, die wir am Standort Schweinfurt entwickeln und fertigen: Linearlager im Bereich Wellenführungen, Sonderlösungen in großen Stückzahlen sowie technisch hochkomplexe Positioniersysteme von hoher Genauigkeit für Hightech- Anwendungen. Gleichzeitig haben wir uns entschieden, auch in Meckesheim kräftig zu investieren. Bereits seit 15 Jahren werden am Standort Meckesheim von den Mitarbeitern der SKF Linearsysteme GmbH Präzisionsteile für die Lineartechnik hergestellt, die weltweit in der Medizintechnik, bei Prüfmaschinen, in der Elektro-/Elektronikindustrie, aber auch im allgemeinen Maschinenbau Verwendung finden. Mittlerweile können wir an diesem Standort einen außergewöhnlichen Qualitätsstandard in der Fertigung mit CNC-gesteuerten Präzisionsschleifmaschinen bieten. Innovative Produktentwicklung, Präzision und Fertigungs-Know-how waren die wesentlichen Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Geschäftsentwicklung der SKF Linearsysteme GmbH der letzten Jahre und werden auch in Zukunft das Maß für die Entwicklung in der Lineartechnik sein.

Bekanntlich ist SKF ja sehr zurückhaltend, wenn es um Zahlen bezüglich der Geschäftsentwicklung geht. Was aber können wir über die technische Entwicklung bei SKF Linearsysteme GmbH erfahren?

Elsner: Die Fertigung von Linearkugellagern, Präzisionsschienenführungen und Positioniersystemen steht eindeutig bei uns im Fokus. So einfach z.?B. die Schiene bei oberflächlicher Betrachtung auch sein mag, bietet sie doch ein weites Feld an Innovationsmöglichkeiten. Präzisionsschienenführungen definiert SKF als Genauigkeitswälzlager für Linearbewegungen. Sie können in Werkzeugmaschinen, Bearbeitungszentren, Handhabungssystemen, medizinischen Geräten, Sondermaschinen, Vorrichtungen, Mess- und Prüfgeräten eingesetzt werden und sind ein unverzichtbares Element in der Automatisierungstechnik. Angeboten werden die Präzisionsschienen von 10 mm bis 3,5 m Länge in allen Qualitätsstufen (auch P5 und P2) und können in dieser Länge an einem Stück geliefert werden.

Bei den Linearkugellagern haben wir ein hervorragendes Produkt-Sortiment mit ausgereifter Technik, das von unseren Kunden in aller Welt geschätzt wird. Systemlösungen mit hoher Positioniergenauigkeit und funktionsoptimierter Technik, gepaart mit kompetenter, technischer Beratung, runden unser Angebot ab.

Können Sie das weite Feld der Innovationsmöglichkeiten etwas mehr eingrenzen?

Elsner: Im Bereich der Präzisionsschienen hat sich eigentlich über Jahre hinaus wenig getan, bis wir das Problem des lästigen »Käfigwanderns« gelöst haben. Und wir sind davon überzeugt, dass wir das erfolgreichste System haben, da unser Anti-Creeping-System (ACS) die einzige Lösung am Markt ist, bei der die Verzahnung in die Schiene integriert ist. Mittlerweile haben wir unser AC-System überarbeitet, mit dem Ergebnis von verbesserten Leistungsdaten und neuen Einsatzmöglichkeiten.

Was genau bewirkt dieses System?

Elsner: Nicht selten erfordern Prozesse Linearführungs- und -antriebskonzepte für Beschleunigungen, die einem Mehrfachen der Gravitation entsprechen. Die hohen Beschleunigungen, ungleiche Vorspannungen oder Lastverteilungen können bei konventionellen Schienenführungen dazu führen, dass die Käfige aus den Führungen herauswandern. Dieses »Käfigwandern« heraus aus der Sollposition wird verhindert durch das patentierte Anti-Creeping-System. Dabei wird die bestehende Käfigkonstruktion durch ein Antriebselement erweitert, das mit einem speziell geformten, kleinen Zahnrädchen ausgerüstet ist, das in eine Verzahnung der Schienen eingreift und so für eine Zwangsführung sorgt. Ein synchroner Ablauf der Wälzkörper wird gewährleistet, der Käfig bleibt in seiner definierten Position und ein Wandern, selbst unter extremen Betriebsbedingungen, wird vermieden. Präzisionsschienenführungen mit ACS steigern die Zuverlässigkeit von Anlagen und bewirken überdies längere Standzeiten der Linearführungen.

Nach der Exkursion tief in die Präzisionsschienenführung hinein, drängt sich nun die Frage nach den Visionen des neuen Führungsduos bei der SKF Linearsysteme GmbH, Elsner/Rademaker, auf. Was wollen Sie verändern, was ist Ihr Anspruch?

Elsner: Unser Anspruch ist, die SKF-Philosophie der plattformübergreifenden Kompetenz in sichtbaren, zählbaren Projekten zu verwirklichen. Und mein persönliches Ziel sehe ich darin, unser Unternehmen in entscheidenden Bereichen zum Marktführer aufzubauen. Rademaker: Für mich ist eigentlich von Bedeutung, dass wir die vorherrschenden Trends konsequent in unseren Produkten und Systemlösungen umsetzen. Dabei liegt mir das Thema Mechatronik sehr am Herzen und ich glaube, unsere Chancen, auf diesem Sektor eine führende Rolle zu spielen, sind sehr ausgeprägt.

Elsner: Ich denke, wir sind mit unserer Mannschaft gut aufgestellt, um die hochgesteckten Ziele zu erreichen. Unsere Serviceleistung, die Logistik, die globale Präsenz in allen wichtigen Märkten in Europa, Amerika und Asien, kurz, das Gesamtpaket stimmt. Wir sind zertifiziert nach ISO 14000-1, für beide Standorte erfüllen wir die Qualitätsnorm 9001/2000 und seit einem Jahr sind wir am Standort in Schweinfurt zusätzlich gemäß ISO TS 16949 als Zulieferer für die Automobilindustrie zertifiziert.

Rademaker: Nach wie vor macht SKF seinen Hauptumsatz im Mechatronik-Bereich in Europa und hier ist Deutschland der wichtigste Markt.

Welche Ereignisse sind für den Herbst geplant und auf welchen Messen sorgt die SKF Linearsysteme GmbH für Bewegung?

Elsner: Zunächst einmal freuen wir uns auf die Fertigstellung unserer Umbaumaßnahmen im Herbst. Die Einweihung der neuen Gebäude erfolgt im Rahmen der Veranstaltung ›100 Jahre SKF‹, zusammen mit unseren Kunden und dem SKF-Management, im Frühjahr 2007. Garniert wird das Ganze mit einer Leistungsshow der Lineartechnik von SKF.

Rademaker: Schon auf der Motek in Sinsheim vom 26. bis zum 29. Sept 2006 (Halle 1, Stand 1309) und der MEDICA in Düsseldorf (15.-18.11.2006, Halle 4, Stand 4G60) werden wir unsere jüngsten Entwicklungen präsentieren. Ebenfalls stellen wir die verbesserte Zwangsführung für unsere LWRE-Präzisionsschienen vor sowie ein ausgesprochen wirtschaftliches Systemkonzept des Profilschienenschlittens LTB.

Winfried Schmidt

FAKTEN

- Andreas Elsner (49), Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH), verheiratet, 3 Kinder, trat 1990 in das Unternehmen der SKF ein. Als langjähriger Werksleiter am Fertigungsstandort in Meckesheim weiß er das hohe Lied der Präzision zu singen und dass in der Fertigungsqualität der Schlüssel zum Erfolg liegt. Der Hobbypilot mit ausgeprägtem Hang zur Musik und Begeisterung für Sport leitet seit dem 1. März 2005 die Geschicke der SKF Linearsysteme GmbH in Schweinfurt.

- Ron Rademaker (49), Dipl.-Ingenieur, verheiratet, 3 Kinder, ist seit 1988 bei der SKF. Der ausgewiesene Vetriebs­profi hat sich die ersten Sporen im Außendienst erworben und mehrere Positionen bei SKF durchlaufen, in denen er die grundsätzliche Erfahrung machte, wie wichtig es ist, das Ohr am Kunden zu haben. Rademaker liebt die Musik ebenso wie den Sport. Seit dem 1. Januar 2006 ist der gebürtige Holländer Geschäftsführer der SKF Linearsysteme GmbH in Schweinfurt.

Erschienen in Ausgabe: 06/2006