Kostenfalle oder Chance?

Software & IT - Software gilt als das Stiefkind des Maschinenbaus: wenig geliebt und meist nur als zusätzlicher Kostenfaktor eingeschätzt. Doch es gibt Wege, wie man diese stiefmütterliche Behandlung ändern kann und Produkte schneller, besser und günstiger entwickelt.

13. Dezember 2005

Software und IT sind im Maschinenbau meist wenig beliebte Begriffe. Oft verbindet der hart rechnende Controller damit hohe Kosten für Lizenzen und Wartungsverträge von Office-Software und Systemen für CRM, ERP, CAD oder PDM. Der klassische Konstrukteur nimmt mit Argwohn zur Kenntnis, daß der Anteil der für ihn schwer greifbaren Software-Komponenten in der Maschine stetig zunimmt. Der Monteur und Servicemitarbeiter steht immer öfter vor dem Problem, daß er eine Maschine ohne Software-Mann nicht mehr in Betrieb setzen kann. Der Vertrieb muß sich die Klagen der Kunden anhören, daß die Software nicht funktioniert. Zudem ist der Vertrieb damit konfrontiert, daß seine Produkte in den klassischen Maschinenelementen denen des Wettbewerbs immer mehr gleichen.

Merkmal Software

Unterschiede liegen oftmals in dem für den Vertrieb schwer vermittelbaren Softwarebereich. Beim Geschäftsführer laufen schließlich all die Klagen zusammen über die Software und IT, gepaart mit der steten Forderung seiner Softwerker und IT-ler nach mehr Kapazitäten und neuen Rechnern. Diesen oftmals emotional geprägten Einstellungen zu Software und IT steht die durchaus rational nachvollziehbare Erkenntnis entgegen, daß die Unternehmen nur dann dem immer stärker werdenden Marktdruck widerstehen können, wenn sie ›schneller, besser, billiger‹ werden. Ihre Abläufe müssen also effizienter und die Produkte innovativer werden. Um bessere Abläufe zu generieren, stehen Unternehmen vor der Aufgabe, geeignete Software-Systeme zu finden, die ihre branchenspezifischen Bedürfnisse abdecken. Die Suche ist meist nicht ganz so einfach, da die großen Anbieter von CRM, ERP, CAD oder PDM-Systemen in der Verkaufsargumentation für ihre Produkte recht selbstbewußt auftreten, aber ihren Kunden wenig entgegenkommen. Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen des Maschinenbaus werden häufig Lösungen angeboten, die nur bedingt zu deren Größe und Eigenheiten passen. Zur Unterstützung der Entscheidung bietet der VDMA Fachverband Software beispielsweise Anwenderforen an, in denen Anwender und Anbieter auf ›neutralem‹ Boden in kompakter Art und Weise verschiedene Systeme miteinander vergleichen können. Für verbesserte Abläufe müssen naturgemäß Arbeitsprozesse verändert werden. Hier tritt eine weitere Komplikation ein: Gegenüber Verbesserungen ist man zwar aufgeschlossen, doch die dazu gehörenden Veränderungen stoßen auf weniger Gegenliebe. Widerstände bei der Einführung von IT-Lösungen sind in den Unternehmen meist ziemlich hoch. Einer Palastrevolution kommt es aber gleich, wenn ›gestandene‹ Maschinenbauer durch die Entwicklung innovativer Produkte damit konfrontiert werden, daß die Bedeutung der Software in den Produkten heute schon mindestens genauso hoch ist, wie die der mechanischen Komponenten und noch weiter steigen wird.

Schwer vermittelbar

Diese Botschaft ist nur sehr schwer vermittelbar, da Software heute in den Produkten meist nur als Kostenfaktor gesehen wird. Die Erkenntnis, daß Softwarefunktionalitäten auch Geld einspielen, ist noch nicht weit verbreitet. Vor allem Vertriebsmitarbeiter schätzen die Wertigkeit der Software als gering. Hier sind sicherlich entsprechende Schulungen angesagt. Damit Software nicht mehr länger nur als Anhängsel zur Mechanik gesehen wird, sind auch organisatorische Schritte angesagt. Erst wenn Software als vollwertiger Bestandteil bewertet wird, können neue Funktionen unter günstigeren Konditionen entwickelt werden. Hinweise, wie eine mechatronische Entwicklung in Zukunft erfolgen soll, gibt eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie. Im Rahmen dieser Arbeit wurde das sogenannte Quality-Gate-Konzept entwickelt. Dieses Konzept gibt klare Handlungsempfehlungen, was, wann und wie zu tun ist. Zusammenfassend kann man sagen, daß inzwischen hinreichend viele Erkenntnisse vorliegen, welche klar zeigen, wie durch Einsatz moderner Softwarekonzepte und IT-Lösungen Chancen genutzt und Kosten gespart werden können. Leider werden diese oftmals nur halbherzig angenommen, weil der Maschinenbau emotional nun mal mehr mit klassischen Maschinenelementen anfangen kann, als mit Software und IT.

Dr.-Ing. Rainer Stetter, ITQ

Erschienen in Ausgabe: Wer macht was?/2005