Kraftvolle Symbole

Design - Braucht man Design im Maschinenbau? Technische Standards und Produkte gleichen sich immer mehr an. Deshalb müssen markante Zeichen den Vorsprung vor dem Wettbewerb zeigen, argumentieren die Industriedesigner. Was können sie bieten?

16. Oktober 2007

Positives muss sichtbar gemacht werden. Erst dann können Menschen spontan in ihrer Kaufentscheidung beeinflusst werden. Produkte, deren Gestaltung Individualität und Qualität vermitteln, sind kraftvolle Symbole, zu denen man sich begeistert bekennt.

Doch Design ist noch weit mehr als das, es erhöht den Gebrauchswert und verbessert die Ergonomie, es berücksichtigt produktionsbedingte Kosten-Nutzen-Faktoren; CI-Richtlinien und natürlich die Wettbewerbssituation am Markt. Design ist nicht eine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern eine konsequente Strategie zum Erfolg! Deshalb hat sich die Krones AG ein Designerteam an Bord genommen, um mit konzerneinheitlichem Design neue Maßstäbe zu setzen und den Vorteil Design für sich zu nutzen. Die Gestaltung eines konzerneinheitlichen Produktdesigns ist eine hochkomplexe Aufgabe - zumal im laufenden Betrieb eines weltweit tätigen Konzerns, wenn alle vorhandenen, in Entwicklung befindlichen und künftigen Maschinen erfasst werden.

Der Krones-Konzern plant, entwickelt, fertigt, installiert und wartet Maschinen und komplette Anlagen für die Abfüll- und Verpackungstechnik. Hauptabnehmer sind Brauereien und Getränkehersteller sowie die Nahrungs-, chemische, pharmazeutische und kosmetische Industrie. Entsprechend umfangreich ist die Produktpalette: Sie reicht von Processing und Brautechnologie über die Herstellung von PET-Flaschen, das Inspizieren, Füllen, Etikettieren und die Reinigung bis hin zum Packen, Palettieren, Transportieren und der Intralogistik. Vorgabe für die Designer von Hartmann und Hartmann war das konzerneinheitliche Produktdesign. Es sollte die Markenzeichen von Krones visualisieren, um die Qualität der Maschinen und die Individualität der Anlagen auf den ersten Blick erkenn- und fühlbar zu machen. Wichtig war zudem, sich von Wettbewerbern abzuheben und die Wiedererkennung der Maschinen zu erhöhen, sprich: die Marke Krones zu stärken. Das neue Design sollte sowohl geeignet sein, ›alte‹ Produkte mit vertretbarem Aufwand zu redesignen als auch bei den neuen Maschinen Innovationen sichtbar zu machen.

Um sich in den zehn Produktsparten mit jeweils Dutzenden von Einzelmaschinen und Komponenten einen Überblick zu verschaff en, erstellten die Designer zunächst eine ausführliche Analyse. Bei Krones intern wurden alle Sparten einbezogen, und bei zahlreichen Werksbesuchen wurden Krones-Kunden und -Anwender nach Schwachstellen und Wünschen befragt. Die Herausforderung war, dieses komplexe Anforderungs-, Erwartungs- und Ideenpaket, gespeist aus Geschäftsführung, Marketing, Controlling, Entwicklung, Produktion, Mon tage, Service und Anwenderpraxis, in ein stimmiges Gestaltungskonzept umzusetzen. Ein Krones-Styleguide beschreibt heute die gestalterischen Elemente, deren Form, Proportion, Platzierung, Materialität und Farbe für alle Maschinen und Anlagen. Er dient als Vorgabe für die technische Entwicklung und hilft Zeit und Kosten zu sparen: Die Frage nach dem Aussehen einer Maschine stellt sich nicht mehr, die Verwendung von Gleichteilen optimiert Einkauf, Lagerhaltung und Logistik.

Die blaue Säule ist das zentrale Element des neuen Designs. Sie befindet sich an jeder Maschine der Krones-Gruppe. Sie trägt den Namen der Maschine, sichert die Wiedererkennung und orientiert den Bediener. Sie trägt die wichtigsten Bedienelemente oder diese befinden sich in unmittelbarer Nähe. Sie strukturiert, weil sie die funktionellen Einheiten einer Anlage signalisiert, und schafft gleichzeitig eine durchgängige optische Verbindung. Neben der blauen Säule entwickelte Hartmann und Hartmann ein transparentes Maschinendesign, das die Technik sichtbar und damit die Kompetenz und Qualität erlebbar macht.

Bei der Ausgestaltung der Neuentwicklungen im Detail wurden in ständiger Rückkopplung mit Krones Funktionen, Ergonomie, Kosten und Realisierbarkeit abgeglichen. Wichtiger Punkt war dabei immer wieder das Hygienic Design, die besonderen Anforderungen, die bei Lebensmitteln in Bezug auf Hygiene erfüllt werden müssen. Ein Teilauftrag war die Entwicklung einer einheitlichen Bedienoberfläche ›Einheitlich‹ bedeutet: konzernkonforme Optik, einheitliche Bedienphilosophie, durchgängige Symbolik, bedienungsoptimierte Buttongrößen, durchgängige Menüstruktur sowie interaktive Benutzerführung bei der Konfiguration und Fehlersuche.

Innovationen sichtbar machen

Im Zuge der Neuentwicklung wurde Klarheit geschaffen. Damit ist jetzt auch bei der Verbindung mehrerer Krones-Maschinen eine Vernetzung möglich, sodass entweder zentral oder von jedem Touchscreen aus gesteuert werden kann. Die systematische Neugestaltung der kompletten Konzern- Produktpalette macht die führende Technik der Krones-Maschinen und -Anlagen sichtbar, bringt Ordnung und Übersicht ins Produktprogramm, vereinfacht Produktions- und Arbeitsprozesse und reduziert so an vielen Stellen die Kosten. Hartmann und Hartmann hat keine vordergründige Gestaltungs-Lösung geschaffen, sondern ein intelligentes System, das für den ganzen Konzern Gültigkeit hat und die Marke Krones profiliert. Belohnt wurde das konzerneinheitliche Design mit dem if award 2006 und dem red dot 2006. Nominiert wurde das Produktprogramm für den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland.

Werner Hartmann,

Hartmann und Hartmann/ ps

Fakten

- Krones ist Weltmarktführer im Bereich Getränkeabfüllanlagen und bietet komplexe industrielle Lösungen für verschiedenste Kunden - vom Bierbrauer bis zum Arzneimittelhersteller.

- Der Krones-Konzern plant, entwickelt, fertigt, installiert und wartet Maschinen und komplette Anlagen für die Abfüll- und Verpackungstechnik.

Erschienen in Ausgabe: 07/2007