Kraftwerksupdate

Elektrodokumentation - Am Bau oder an der Modernisierung von Kraftwerken sind viele Unternehmen beteiligt. Sie müssen ihre Arbeit so dokumentieren, dass der Betreiber das Kraftwerk problemlos warten und Störungen selbst beheben kann. Fürs modernisierte Heizkraftwerk Linz-Mitte gibt es jetzt eine Dokumentation aus einem Guss.

15. September 2005

Die sieben Kraftwerke der Linz AG in Österreich erzeugen jährlich 996,6 GWh Strom und 940,6 GWh Fernwärme für mehr als 225.000 Kunden. Die meiste Energie wird in den Kraftwerken Linz-Mitte und Linz-Süd produziert. Dabei erstrahlt das Fernheizkraftwerk Linz-Mitte mehr und mehr in neuem Glanz. Die rund 30 Jahre alte Anlage wird seit November 2004 modernisiert und ausgebaut. Wenn im November 2005 das neue Biomasse-Fernheizkraftwerk seinen Betrieb aufnimmt, finden Modernisierung und Ausbau ihren vorläufigen Abschluss. Optisches Kernstück der neuen Anlage ist der weithin sichtbare Fernwärme-Speicher. Der zylinderförmige Behälter ist 65 m hoch und fasst 34.800 m3 Wasser, das bei Bedarfsspitzen drucklos in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Die Wassertemperatur im Speicher beträgt 55 bis 97 °C. Der Speicher hilft, das Kraftwerk perfekt auszulasten. Mit der Modernisierung des Kraftwerks wurde die VA Tech Hydro GmbH & Co. in Wien beauftragt. VA Tech Hydro ist ein Unternehmen der VA Technologie AG und einer der weltweit größten Anbieter für hydraulische Energieerzeugung mit einer führenden Position in der Kraftwerkserneuerung. Um den reibungslosen Betrieb auch nach Abschluss der Modernisierung sicherzustellen, forderte die Linz Strom GmbH eine durchgängige Dokumentation aller zum Kraftwerk gehörenden Gewerke.

Durchgängig dokumentiert

Diese sollte sowohl auf Papier als auch elektronisch zur Verfügung stehen, damit man sie bei späteren Reparaturen, Änderungen und Erweiterungen selbst anpassen kann. Besonders wichtig für das Wartungspersonal sind schnelle Such- und Navigationsfunktionen in dem rund 10.000-seitigen Dokument. Thomas Pröll, bei der Linz Strom GmbH für die Dokumentationen zuständig, hätte am liebsten dieselbe Software benutzt wie beim Fernheizkraftwerk Linz-Süd. Doch die Linz AG wollte in allen Bereichen die eingesetzte CAD-Software vereinheitlichen und bevorzugte dieselbe Software, die auch der Generalunternehmer seit längerem einsetzte: ecscad von Mensch und Maschine. Eine dreitägige Schulung beim Systemhaus büro.plus in Wels bewies Thomas Pröll, dass mit diesem Programm auch intern keine Schwierigkeiten zu erwarten waren. Ganz im Gegenteil: Die Software erwies sich als leicht zu bedienen, die geforderten Navigations- und Suchfunktionen arbeiten sowohl im Originalformat als auch in der PDF-Datei einwandfrei.

Die Generalunternehmung VA Tech Hydro gliederte die Elektrodokumentation in drei Teilprojekte: Erstens die Standarddokumentation der Hauptgewerke Gasturbine, Dampfturbine und Abhitzekessel. Zweitens die Dokumentation der Teilgewerke von externen Lieferanten: Kondensatreinigungsanlage, Heißwasserkessel, Heizung/Klima/Lüftung, Licht und Kraft, Gleichrichter, Wechselrichter, Notstromdiesel, Transformatoren.

Drittens die Leittechnik und Spannungsversorgung, die alle Haupt- und Teilgewerke beeinflussen. Leittechnik und Spannungsversorgung wurden durchgehend mit ecscad dokumentiert. Hier realisierte man auch Schnittstellen zu den Haupt- und Teilgewerken. Viele Zulieferfirmen hatten ihre Dokumentationen mit ecscad erstellt - da war die Übernahme völlig problemlos. Die Dokumentationen, die nicht mit ecscad erstellt wurden, konnte man aufgrund der gut dokumentierten Schnittstellen im Originalformat belassen - damit konnte man Fehler durch Umzeichnen vermeiden. Durchgängige Dokumentation bietet noch weitere Vorteile: Alle Anlagen sind in einer einzigen Datenbank gespeichert, gleiche Anlagen sind in allen Teilgewerken auf die gleiche Art dargestellt. Das spart Speicherplatz und verbessert die Übersicht. Die CAE-Software speichert alle Informationen über das Projekt in einer gemeinsamen Access-Datenbank, die sich leicht und sicher verwalten lässt. Gute Erfahrungen hat Thomas Pröll auch mit der Klemmenplanauswertung gemacht. Sie ist deutlich schneller als in seiner bisherigen Applikation.

Plan in PDF-Format

Kurz vor der Fertigstellung der Gesamtdokumentation kämpft der Generalunternehmer noch mit der Größe der Pläne: 10.000 Seiten scheinen die Rechner an ihre Leistungsgrenzen zu bringen. Doch das Systemhaus wurde bereits eingeschaltet und wird eine Lösung finden. Die Wartungstechniker werden nur noch Pläne im PDF-Format erhalten. Mit dem Zusatzmodul ecsPublisher lässt sich die Dokumentation jederzeit als intelligente PDF-Datei abspeichern, in der sämtliche Such- und Navigationsfunktionen enthalten sind. Der Techniker kann damit auf schnellstem ›logischem‹ Weg die Seite ausfindig machen, auf der eine fehlerhafte Stelle der Anlage dokumentiert ist, und die Schaltung im Plan und vor Ort überprüfen, ohne dass er die CAE-Software beherrschen muss. Für Thomas Pröll und sein Team ist dieses Dokumentationswerkzeug das Richtige: »Wir werden zwar keine bestehenden Dokumentationen in ecscad übernehmen, aber bei künftigen Erweiterungen und Modernisierungen ist ecscad das System unserer Wahl.«

Roswitha Menke

Erschienen in Ausgabe: 06/2005