Kreislauf des Wissens Auf einen Blick Helmut Frick

Sicherheitstechnik

Normen – Schon sehr früh hat sich Helmut Frick intensiv mit dem Normenwesen beschäftigt. Mit seinem Unternehmen IBF und der Software Safexpert sorgt er für Maschinensicherheit – mittlerweile mit der komplett neuen Version 8.0.

17. Juni 2011

Für die meisten sind Normen ein Graus. »Auch für viele Unternehmen waren sie lange eine Bürde, ein nicht zu bewältigender Vorschriftenberg«, bestätigt Helmut Frick, Gründer und Geschäftsführer von IBF aus dem österreichischen Vils. Für ihn sind Normen eine Leidenschaft: »Während eines Seminars 1994 in Deutschland habe ich erkannt, dass Normen keine Bürde sind, sondern dass sich dahinter das enorme Wissen vieler Experten verbirgt. Ich habe mir außerdem gedacht, wenn es stimmt, was der Referent da über die damals neue Maschinenrichtlinie erzählt, kommt auch auf den Maschinenbau eine Menge Arbeit zu.«

Ein zweiter Auslöser war ein Beinahe-Unfall, über den der Elektrotechniker Erkenntnis erlangte. Eine SPS-Ausgabebaugruppe hatte durch einen Fehler 32 digitale Ausgänge plötzlich durchgeschaltet. Nur durch Zufall sind durch die Folgen keine Personen zu Schaden gekommen. Es war nicht im Gedankengut der Konstrukteure und der Programmierer verankert, dass etwas, was funktioniert, nicht gleichzeitig auch sicher ist.

Diese beiden Erfahrungen haben Helmut Frick sehr geprägt und sein Interesse an sicherheitstechnischen Normen geweckt.

Die Maschinenrichtlinie war gerade der Übergangsfrist entwachsen, da legte Frick 1995 die erste Version der CE-Kennzeichnungssoftware Safexpert vor. Sie umfasste bereits den Kern der Maschinenrichtlinie: die Risikobeurteilung, damals noch Gefahrenanalyse genannt. Motivation waren laut Helmut Frick aber vor allem die immer wiederkehrenden Fragen der Seminarteilnehmer: Was muss man dokumentieren? Wie läuft eine Gefahrenanalyse ab? Wie stellt man fest, dass das Projekt abgeschlossen ist? Das Produkt kam gut an. »Wir waren erstaunt über den großen Rücklauf«, erinnert sich Helmut Frick.

Bei der Wahl geeigneter sicherheitstechnischer Lösungen unterstützen Normen. Daher wurde als nächstes Modul der Safexpert Normmanager entwickelt. Er sollte helfen, Normen zu verwalten und kontinuierlich zu aktualisieren.

Nächster Meilenstein von Safexpert war der Prüf- und Abnahmeassistent. Helmut Frick schildert den Anlass: »Kunden hatten uns berichtet, ihre CE-Kennzeichnung scheitere häufig daran, dass zugekaufte Maschinen oder Teilmaschinen fehlerhaft sind und sie daraus keine sichere Maschine bauen können. Mit dem Prüf- und Abnahmeassistent können sie Zukaufteile prüfen oder eine Gesamtmaschine abnehmen, aber auch Käufer können das tun.«

Alles völlig neu

Jetzt steht Version 8.0 ins Haus. Sie basiert auf einer komplett neuen Technologie. »Sechs Jahre haben wir Safexpert von Grund auf neu programmiert. Eingeflossen sind alle Erfahrungen der zehn Jahre vorher, und wir haben viele Experten mit einbezogen.«

Parallel hat auch die Benutzeroberfläche ein komplettes Facelifting erfahren. Dabei durfte die Kompatibilität der Projekte nie leiden. Frick: »Wichtig war, alle bestehenden Daten konvertieren zu können, inklusive der Überprüfung, ob sich angewandte Normen in der Zwischenzeit verändert haben. Als Wissensquelle nützt Safexpert das beste Wissen, das wir haben, nämlich das Wissen aus Normen. Und die Erfahrungen der Experten fließen wiederum in die Normenarbeit ein. So bildet sich ein schöner Kreislauf des Wissens.« In Version 8.0 kann der Kunde jetzt zudem sofort überblicken, welche Projekte zu welchem Zeitpunkt überfällig sind, welche Aufgaben von welchen Personen zu erledigen sind oder erledigt wurden.

Für jede Branche eine Lösung

IBF legt mit Safexpert 8.0 den Grundstein für spezielle Branchenlösungen. Auf Basis von Produktnormen (C-Normen) können für die von der Norm behandelten signifikanten Gefährdungen spezielle Querverweislisten angelegt werden. Für jede identifizierte Gefährdung steht so punktgenaues Normenwissen genau zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung. IBF plant, Listen von ausgewählten Partnern über den Safexpert Live Server anzubieten und im Rahmen von Wartungsverträgen zu aktualisieren.

Ist die Maschinenrichtlinie denn dann überhaupt noch relevant? »Auf jeden Fall«, ist sich Helmut Frick sicher, »sie ist der gesetzliche Anker und sie ist die Basis für einen freien Warenverkehr im Europäischen Wirtschaftsraum.«

Die EU will sicherstellen, dass in Verkehr gebrachte Maschinen den Sicherheitsanforderungen entsprechen. »Die Richtlinie ist sozusagen ein Schutzgesetz für alle Menschen, die die Maschinen bedienen, warten, instandhalten oder reinigen«, fasst der Experte zusammen. Allerdings ist für ihn die Beachtung des Normenwesens ein wesentlich wichtigerer Faktor als die zum Teil bürokratischen Diskussionen über die neue Maschinenrichtlinie. In der operativen Umsetzung der sicherheitstechnischen Anforderungen spielen harmonisierte europäische Normen in vielen Fällen eine wesentlich wichtigere und konkretere Rolle als die Richtlinie. Und Normen ändern sich wesentlich häufiger als die Richtlinie.«

Eine Basisnorm bildet die internationale Norm ISO 12100, auf der Safexpert basiert.So können auch Kunden aus anderen Kultur- und Wirtschaftskreisen auf Safexpert zurückgreifen. »Das ist für uns erfreulich, weil wir den Kundenstamm so kontinuierlich erweitern können. Wir haben bereits Lizenzen in die USA, nach Australien und Neuseeland, Indien oder China verkauft.«

IBF war von der Krise nicht betroffen. »Für die Unternehmen ist Safexpert keine große Investition und sie haben die Krisenzeit genutzt, um Altlasten aufzuarbeiten. Und dafür haben sie unsere Software gebraucht«, freut sich Frick. Ab September wird IBF mit einer eigenen Niederlassung in Stuttgart starten. »Wir werden in Stuttgart vor allem unsere Vertriebs- und Beratungsaktivitäten erweitern und haben daher auch mit der Suche nach neuen Mitarbeitern begonnen.«

Die zweite Generation

Heute ist der Pionier der Maschinensicherheit ein gefragter Redner auf Kongressen und Seminaren. IBF hat sich in der Branche etabliert. Und die Nachfolge ist auch gesichert: Sohn Christian hat schon mit 16 bei seinem Vater die ersten Kundentelefonate geführt, ihn zog es von Anfang eher in den Vertrieb. Er hat dann auch folgerichtig Betriebswirtschaft studiert und ist nach dem Studium sofort in die Vertriebsabteilung eingestiegen. Wie hat er sich vorbereitet? »Für mich waren die vielen Gespräche mit meinem Vater sowie zahlreiche Schulungen und Seminare sehr hilfreich, um breiter Bescheid zu wissen über das Thema Maschinensicherheit, als es für einen Betriebswirt möglich ist. So kann ich bei den Kunden auf fachlicher Ebene bestehen und die richtigen Vorschläge machen.«

Heute leitet Christian den Vertrieb von IBF. »Wir bieten in Verbindung mit Safexpert spezielle Schulungen und Seminare an. Der Wissensstand in den Unternehmen ist sehr unterschiedlich. Da ist es uns wichtig, für die Kunden genau das richtige Angebot zu finden. Daher legen wir auch im Vertrieb hohen Wert auf Beratungskompetenz.«

Helmut Frick sieht einen aktuellen Trend: »Es hat sich herumgesprochen, dass das Thema Maschinensicherheit in den Konstruktionsprozessen berücksichtigt werden muss.« Auf die optimale Zusammenarbeit im Netzwerk und kontinuierliche Aufgaben- und Aktualitätschecks wurde daher besonderes Augenmerk gelegt. »Wir sind sicher, dass wir mit der neuen Generation von Safexpert ganz neue Maßstäbe setzen und hoffen, dass wir jetzt auch die letzten Zweifler davon überzeugen können, dass Excel oder Word auf Dauer keine passenden CE-Softwarelösungen sind«, resümiert Frick.

Auf einen Blick:

Helmut Frick

- Ursprünglich Betriebselektriker

- Im zweiten Bildungsweg Ausbildung zum Ingenieur für Elektrotechnik

- Ab 1986 sieben Jahre Beschäftigung in einem Industrieunternehmen, Kontakt mit Normen

- 1994 Gründung von IBF, 1995 Safexpert 1.0

- 2011 völlig neue Version 8.0

Erschienen in Ausgabe: 05/2011