Ladenbau im Akkord

CAD CAM

CAD-Konfigurator – »Jeden Tag ein Shop«: Das ist das Ziel der Ladenkonstrukteure bei Polenz. Mit Hilfe von TactonWorks kommen sie diesem Ziel schon recht nahe.

21. März 2011

Hohe Handwerkskunst und moderne Computertechnik müssen kein Gegensatz sein. Die Polenz Metall Design Manufaktur, die sich der Gestaltung von Ladeneinrichtungen, Treppen, Fassaden, Yachtausstattungen und anderen Objekten aus edlen Metallen verschrieben hat, setzt in der Konstruktion auf SolidWorks. Mit dem TactonWorks Configurator lassen sich die modular aufgebauten Ladeneinrichtungen jetzt noch schneller an die baulichen Gegebenheiten und Wünsche der Auftraggeber anpassen.

Der kreative Umgang mit Edelstahl, Messing und anderen edlen Metallen hat die 1966 als Bauschlosserei gegründete Polenz Metall Design Manufaktur in Lüdinghausen weit über die Grenzen des Münsterlands hinaus bekannt gemacht. Anspruchsvolle Privatkunden und renommierte Unternehmen aus aller Welt schätzen das hohe handwerkliche Können der Firma, die beispielsweise Ladeneinrichtungen für Hermes und Louis Vuitton herstellt oder Außenrelings und Pools für große Yachten und Kreuzfahrtschiffe, die bei der Meyerwerft, Blohm & Voss, Lürssen oder anderen Werften vom Stapel laufen. Der von Jürgen Polenz in zweiter Generation geführte Betrieb beschäftigt mittlerweile über 80 Mitarbeiter, darunter allein zehn Konstrukteure.

Seit Anschaffung der ersten SolidWorks-Lizenz im Jahr 1999 hat sich die Zahl der 3D-Arbeitsplätze verzehnfacht. Der 3D-Einsatz erleichtert den Konstrukteuren gerade bei komplex geformten Produkten die Arbeit, weil sie schon am Rechner untersuchen können, ob sie sich ohne Kollisionen einbauen lassen. »Außerdem können wir den Kunden unsere Vorschläge leichter verständlich machen, wenn wir ihnen ein 3D-Modell zeigen«, sagt Konstruktionsleiter Thomas Krebber.

Starkes Standbein Ladenbau

Umsatzstärkstes Standbein ist zur Zeit der Ladenbau, was unter anderem damit zusammenhängt, dass die Firma vor einigen Monaten einen Großauftrag von einem bekannten Computerhersteller erhalten hat. Die Metallbauer sollen in den nächsten Jahren Hunderte von Edelstahl-Einrichtungen herstellen und einbauen. Um das Großprojekt stemmen zu können, hat man viel Geld in neue Gebäude, Maschinen, die IT-Infrastruktur und die Logistikkette investiert. Verglichen damit war die Anschaffung von TactonWorks eine kleine Investition, die sich nach Einschätzung von Projektleiter Bernd Eggenstein noch im Laufe dieses Jahres bezahlt machen wird. »TactonWorks ist ein wichtiges Werkzeug, um die Mannstundenzahl in Konstruktion und Arbeitsvorbereitung zu reduzieren und kostendeckend arbeiten zu können.«

Zum Zeitpunkt der Systemeinführung hatte Polenz bereits die Einrichtung für mehrere Läden in SolidWorks modelliert. Obwohl die Komponenten und Baugruppen bei jedem Laden ähnlich sind und sich dank des parametrischen Modellaufbaus auch relativ einfach ändern lassen, kostete die manuelle Anpassung der Module an die baulichen Gegebenheiten zu viel Zeit. Um eine Ladeneinrichtung in der vorgegebenen Zeit erstellen zu können, musste fast immer die gesamte Mannschaft auf das Projekt angesetzt werden. Deshalb machte man sich auf die Suche nach einem Produktkonfigurator, mit dem die Konstrukteure die Anpassung der Module über die Eingabe weniger Parameter steuern können.

Ausschlaggebend für die Wahl von TactonWorks war neben der tiefen Integration in SolidWorks die einfache Bedienung und das gute Preis-Leistungsverhältnis, wie Krebber sagt. »Eine wichtige Rolle spielte außerdem, dass SolidLine bereit und in der Lage war, binnen weniger Tage eine auf die Projektanforderungen zugeschnittene Präsentation vorzubereiten, die den Architekten und Designer des Auftraggebers von der Funktionsweise des Konzepts überzeugten«, ergänzt Eggenstein.

Schulungen am realen Objekt

SolidLine kümmerte sich um die Implementierung der Software und die Anwenderschulung. Ein Mitarbeiter des Systemhauses erläuterte den Konstrukteuren drei Tage lang die Funktionsweise des Produktkonfigurators anhand eines Türmoduls aus etwa 80 Einzelteilen. Dazu entfernten sie zunächst die bestehenden Referenzen und Abhängigkeiten im SolidWorks-Modell, um sie in TactonWorks neu zu definieren und mit den Steuerparametern zu verknüpfen.

Die existierenden Fertigungszeichnungen konnten ohne Anpassungen übernommen werden – die Ansichten und Schnitte der mit dem Konfigurator definierten Ausprägungen werden in die Zeichnungsvorlagen geladen und die Maße passen sich automatisch an, so dass die Zeichnungen auf Knopfdruck ausgegeben werden können. Bei dem Türmodul dauerte das wenige Minuten; bei größeren Modulen mit 60 oder 70 Zeichnungen muss der Rechner schon mal eine Nachtschicht einlegen. TactonWorks steuert den gesamten Ausgabeprozess, wobei der Anwender festlegen kann, ob er den Satz an Fertigungszeichnungen oder den Architektensatz mit den Zusammenbauzeichnungen ausgeben möchte.

»Die Handhabung der Software lässt sich in wenigen Tagen lernen, da sie sehr konstruktionsnah ist und keine Programmierkenntnisse erfordert, um recht komplexe Regeln zu definieren«, sagt Krebber. Wenn trotzdem einmal Probleme auftauchen, wenden sich die Anwender an den Support von SolidLine, der ihnen weiterhilft.

Zeitaufwand mehr als halbiert

Im Unterschied zu einem Vertriebskonfigurator, der die Konfiguration aus einem Baukasten von vordefinierten Modellvarianten zusammenstellt, wird die Ausprägung der Module in TactonWorks aus einem generischen Mastermodell durch Eingabe von bestimmten Parametern zur Laufzeit erzeugt. Da sich die gesamte Konfiguration über fünf oder sechs Parameter steuern lässt, kann die Lösung künftig auch von einem Vertriebsmitarbeiter genutzt werden, um eine Ladeneinrichtung zu konfigurieren, den Preis für die Konfiguration zu kalkulieren und die Fertigung in Auftrag zu geben, sobald der Kunde das Angebot akzeptiert.

Voraussetzung ist natürlich, dass alle Module der Bibliothek abgebildet sind, was derzeit noch nicht der Fall ist. Polenz befindet sich in der Aufbauphase und hat derzeit etwa die Hälfte der acht bis zehn Module mit TactonWorks für die Konfiguration aufbereitet. Bei jedem Projekt kommen neue Module hinzu, so dass in drei bis vier Monaten die komplette Ladeneinrichtung abgebildet werden kann. Eggenstein geht davon aus, dass sich dann 80 bis 90 Prozent der Konstruktionen mit dem Konfigurator erstellen lassen. Lediglich die individuell gestalteten Ladenfronten müssen die Konstrukteure wie bisher »von Hand« mit SolidWorks modellieren.

Nach den bisherigen Erfahrungen mit TactonWorks geht Eggenstein davon aus, dass sich die Zahl der Mannstunden für die Anpassungen der Module und die Ableitung der Zeichnungssätze für Fertigung und Architekt um über 50 Prozent reduzieren lässt. »Unser Chef hat die Devise One Shop a Day ausgegeben, das heißt wir wollen in der Lage sein, einen kompletten Laden an einem Tag konstruktiv umzusetzen. Bis dahin ist noch ein Stück Weg, aber wenn TactonWorks hält, was es verspricht, werden wir diesem Ziel sehr nahe kommen.«

TACTONWORKS

-TactonWorksEngineer ist ein SolidWorks-Add-On, das die Tacton-Produktkonfigurationssoftware in das CAD-System integriert.

-In TactonWorks lassen sich Konfigurationsregeln definieren, die dann am SolidWorks-Modell überwacht werden. Bei Widersprüchen bietet das System Hinweise an, wie das Modell geändert werden muss, um den Vorgaben zu entsprechen.

www.solidline.de

Erschienen in Ausgabe: 02/2011