Leben im Moloch

Trend

Megacities - Wasser, Energie und Verkehr sind Knackpunkte in zukünftigen Megacities. Elektro- und Automatisierungstechnik für die Welt von morgen bilden darum ein wichtiges Betätigungsfeld.

08. Dezember 2011

Wer sich mit den globalen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte beschäftigt, stößt schnell auf den Betriff der Verstädterung. Dabei stehen Megacities als Inbegriff einer wuchernden urbanen Konzentration im Fokus, weil sich Herausforderungen wie Umwelt, Klima, Energie, Ernährung oder Rohstoffe hier sehr deutlich auswirken. Auch die gesellschaftlichen Folgen der Urbanisierung treten in Megacities krasser zutage.

Nichts Gutes für die Megacities verheißt der US-Stadtforscher Mike Davis in seinem Buch »Planet der Slums«. Weil seit 2006 weltweit mehr Menschen in Städten leben als auf dem Land, zeichnet er ein düsteres Bild. Er beschreibt vor allem die südlichen Megacities als Moloche aus Plastikplanen, Holzlatten und Wellblech. Die Bewohner fristen ihr Dasein »in Armut, im Schmutz der Müllhalden, ohne sauberes Wasser und ohne Gesundheits- oder Sozialversorgung«. In der Megacity prallen, so der Autor, die sozialen Fronten der Globalisierung aufeinander.

Stabile politische Verhältnisse, soziale Gerechtigkeit, Zugang zu Bildung sowie technische Lösungen für eine funktionierende Infrastruktur bedingen sich gegenseitig – das gilt für ärmere Megacities und auch für die in Industrieländern.

Polarisierung zwischen Arm und Reich, mangelnde öffentliche Wahrnehmung der Probleme, die Unfähigkeit zu einer konsistenten Rechtsprechung, Korruption und Kriminalität – mit all diesen Problemen kämpft die Megacity. Hinzu kommen Verschmutzung von Wasser, Luft und Böden, Seuchengefahr, unzureichende Versorgung mit Trinkwasser und Energie sowie fehlende Verkehrswege.

Eine funktionierende Infrastruktur ist aber wichtig, damit Urbanisierung sowie industrielle Entwicklung und ökonomisches Wachstum Hand in Hand gehen. Megastädte wie Bangkok oder Mexico City können durchaus Wachstumsmotoren und Produktivitätszentren sein.

Leider haben schon heute eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser. So sieht der ZVEI in seiner Technologie-Roadmap 2020+ allein für Asien einen Investitionsbedarf von neun Billionen US-Dollar in den nächsten 25 Jahren. Aufgrund mangelhafter Versorgungssysteme gehen heute 50 Prozent des gewonnenen Trinkwassers ungenutzt verloren.

Energiefresser bekämpfen

Auch wachsender Energiebedarf macht einer Megacity zu schaffen, denn mehr Wohlstand bedeutet einen rohstoff- und energieintensiveren Lebensstil. Damit einher geht eine zunehmende Bedrohung des Weltklimas durch steigenden CO2-Ausstoß. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht von einer Verdoppelung des Weltbedarfs an Primärenergie bis 2050 aus, und der Bedarf an elektrischer Energie wird sich in dieser Zeit verdreifachen. Ohne bedeutende technische Innovationen würden diese Emissionen das Weltklima massiv bedrohen. Will man die Klimakatastrophe abwenden, gilt es, dem weltweiten Anstieg des Energiebedarfs entgegenzuwirken und den Anteil CO2-armer Energie zu steigern.

Laut ZVEI-Roadmap wächst das Marktvolumen für Kraftwerkstechnik jährlich um fünf bis zehn Prozent. In den Industrieländern wird dieser Markt durch den Modernisierungsbedarf bestimmt. Hier sowie in den Schwellenländern müssen neue effizientere und CO2-arme Kraftwerke den Energiebedarf decken. Mit der massiven Nutzung regenerativer Energien und mit der dezentralen Energieeinspeisung müssen auch die Energienetze »intelligenter« werden. Die größte Energiequelle ist bekanntlich die Energieeffizienz. Hohe Sparpotenziale liegen in den hoch entwickelten Ländern wie den USA, aber auch in Schwellenländern wie China und Indien. Energieeffiziente Gebäudetechnik ist ein weiterer wichtiger Faktor.

Auch ein funktionierendes Verkehrswesen hat eine Schlüsselfunktion bei der Entwicklung von Infrastruktur.

In vielen Megacities hält das Verkehrsnetz dem Individualverkehr nicht stand. Verkehrschaos, Staus und Smog sind die Folgen. Eine Mobilisierungsquote, wie sie in westlichen Industrienationen existiert, würde die Umweltprobleme verschärfen. Elektromobilität und öffentlicher Personennahverkehr sind darum sehr wichtig.

In all diesen Bereichen wie Wasser und Abwasser, konventionelle und regenerative Energie oder Verkehrstechnik nehmen Elektrotechnik und Automatisierung eine immer größere Bedeutung ein. Ein global agierendes Unternehmen wie Phoenix Contact, das solche technischen Lösungen für die Infrastrukturprobleme der Megacity bereithält, kann einen Beitrag dazu leisten, Missstände zu beseitigen und Perspektiven für die Zukunft aufzeigen.

Ob Trinkwasser aus Abwasser oder über Entsalzungsanlagen aus Meerwasser gewonnen wird – Automatisierungs-, Steuerungs-, MSR- und Fernwirktechnik aus Blomberg macht Anlagen wirtschaftlicher und verbessert die Wasserqualität. Um gewonnenes Trinkwasser effektiv zu nutzen, gilt es, die Versorgungssysteme technisch besser zu überwachen und stetig zu optimieren. Dezentrale regenerative Kraftwerke, egal ob sie die Kraft von Wind, Sonne oder Kraft-Wärme-Kopplung nutzen, benötigen Automatisierungskomponenten für Regelung und Kommunikation.

Die Vernetzung dezentraler Energielieferanten mit der Integration der Verbraucher, inklusive der Elektromobile an den Ladestationen, erfordert intelligente Netzstrukturen, wie sie in der Industrieautomatisierung existieren – die so genannten Smart Grids, die schon in aller Munde sind. Und das energieeffiziente integrierte Gebäudemanagement funktioniert ohne Automatisierungstechnik genauso wenig wie der energieeffiziente Betrieb von Maschinen und Industrieanlagen.

Weltweit »im Dienst«

Wasser, Energie und Verkehrstechnik sind wichtige Zielmärkte von Phoenix Contact. Mit regionalen Entwicklungszentren, Produktionsstätten in den Weltmarktregionen sowie einer weltweiten vertrieblichen Präsenz bietet das Unternehmen Technologie- und Lösungskompetenz vor Ort.

Lösungen und Komponenten von Phoenix Contact sind in aller Welt daran beteiligt, die Folgen und Probleme der Megacities in den Griff zu kriegen.

Erschienen in Ausgabe: Industrie Handbuch/2011