Lebensdauer von Hybridlagern realistisch berechnen

Mit dem Generalized Bearing Life Model von SKF können Konstrukteure und Vertragshändler erstmals die Lebensdauer von Hybridlagern praxisgerecht prognostizieren. Als »realitätsgetreue Theorie« soll das Berechnungsmodell die anwendungsspezifische Entscheidung zwischen Hybrid- und Stahllagern enorm erleichtern.

05. Juli 2019
Lebensdauer von Hybridlagern realistisch berechnen
Wissenschaftler von SKF haben sich sieben Jahre lang mit den verschiedensten interagierenden Variablen beschäftigt, um eine möglichst realitätsgetreue Lebensdauerberechnung für Hybridlager zu entwickeln. (Bild: SKF)

Bisher war es für Konstrukteure schwierig, vorherzusagen, ob ein Hybridlager (mit Ringen aus Stahl und Wälzkörpern aus Keramik) die Leistung eines reinen Stahllagers (Ringe und Wälzkörper aus Stahl) in einer bestimmten Anwendung übertrifft. Ebenso problematisch war die Prognose, ob die Performancevorteile der kostenintensiveren Hybridlager die entsprechend höheren Investitionen auch tatsächlich rechtfertigen. Denn die bis dato verfügbaren Berechnungsmodelle waren kaum imstande, das Verhalten von Hybridlagern in der betrieblichen Praxis realistisch abzubilden.

Um dieses Problem aus der Welt zu schaffen, haben Experten von SKF im Jahr 2012 angefangen, nach einer möglichst „wirklichkeitsgetreuen Theorie“ zu suchen. Das Grundkonzept davon wurde im Rahmen der Hannover Messe 2015 vorgestellt; allerdings lag der Fokus bei dieser Version noch nicht auf der praxisgerechten Berechnung von Hybridlagern. Nun ist es SKF Wissenschaftlern und Ingenieuren aus den Niederlanden, Österreich, Deutschland und Italien gelungen, dies mit dem GBLM zu erreichen.

Mit dem Modell ist es jetzt möglich, die Vorteile von Hybridlagern in den verschiedensten Anwendungen genauer zu ermitteln. Beispielsweise kann die Lebensdauer eines Hybridlagers in einer unzureichend geschmierten Pumpenanwendung bis zu acht Mal länger sein als die eines reinen Stahllagers.

Bei verunreinigten Schmierstoffen in Schraubenkompressoren können hybride Lösungen sogar bis zu hundertmal länger halten als ihre Äquivalente aus Stahl. Derartiges ließ sich mit den bisherigen Wälzlager-Lebensdauermodellen nicht abbilden; mit dem neuen GBLM hingegen schon. »Bei der Entwicklung neuer Methoden zur Berechnung der Lagerlebensdauer genießen wir seit je her eine gewisse Vorreiterrolle«, so Guillermo Morales-Espejel, leitender Wissenschaftler im niederländischen Forschungs- und Technologieentwicklungszentrum von SKF. »Mit dem GBLM setzen wir diese Tradition fort, denn es ist ein großer Schritt in der Wälzlager-Theorie: Das Modell versetzt seine Anwender in die Lage, bei der Auswahl von Lagern für eine Vielzahl von Anwendungen viel praxisgerechtere Entscheidungen zu treffen«.

Kunden und Vertragshändler können das GBLM via SKF Bearing Select (www.skfbearingselect.com) anwenden. Damit lassen sich Hybrid-Rillenkugellager und Hybrid-Zylinderrollenlager berechnen. Fortgeschrittene Berechnungsmöglichkeiten für anspruchsvollere Projekte und Anwendungen stehen in weiterführenden SKF Engineering Tools u. a. den SKF Anwendungstechnikern zur Verfügung.

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