»Leitung für mehr Leistung«

Leitungen – Wenn technische Parameter wie zum Beispiel Werkstoffe für Kraftstoffschläuche stimmen, werden Rapsöl und Biodiesel für die Industrie interessant. Tanja Breunung-Bockenheimer ist Entwicklungsleiterin bei Contitech Techno Chemie. Sie nennt Beispiele.

11. April 2008

Lassen sich durch den Einsatz alternativer Treibstoffe Energiekosten sparen? Wird hier geforscht und entwickelt?

Tanja Breunung-Bockenheimer: Rapsöl und Biodiesel sind nicht nur im Kommen, sondern längst etabliert – Biodiesel allerdings schon sehr viel mehr als reines RME, das deutlich aggressiver ist. Von den von uns üblicherweise verwendeten Werkstoff en ist nur einer – FPM – wirklich dagegen resistent und kommt bei den RME-Motoren zum Einsatz. Die jetzt schon hohe Akzeptanz der Biokraftstoff e bei den Anwendern zeigt, dass es sich für sie rechnet. Treibstoff e aus nachwachsenden Rohstoffen wie Raps helfen, die knapper werdenden natürlichen Energien zu schonen und könnten sie später vielleicht sogar ganz ersetzen. Ziel aller Entwicklung ist natürlich, den Verbrauch so gering wie möglich zu halten, weil auch die Verbrennung alternativer Energien die Umwelt belastet. Techniken zur Energieeinsparung zu entwickeln, ist allerdings Aufgabe der Motorenhersteller. Wir helfen ihnen mit unseren Leitungen nur, ihre Konzepte auch in praxistauglichen Serienmodellen umzusetzen.

Können die Kraftstoffleitungen, die für den Deutz- Motor entwickelt wurden, für Motoren anderer Hersteller eingesetzt werden?

Die Leitungen lassen sich in jedem anderen Motor einsetzen, sofern die Druckbelastung nicht zu hoch wird und kein neues Öl eingesetzt wird, mit dem wir noch keine Erfahrungen sammeln konnten. Im Normalfall müssen die Leitungen nur noch auf das jeweilige Lastenheft zugeschnitten, also bezüglich Geometrie, Temperatur und Druckverhältnissen angepasst werden.

Wenn die kleineren Biegeradien ein besonderer Vorteil der Polyamid-Leitungen sind, könnten sie doch auch für andere Anwendungen eingesetzt werden. Welche industriellen Anwendungen sind denkbar?

Im Automotive- und im Truckbereich werden sie bereits erfolgreich eingesetzt. Grundsätzlich können wir jede Rohrleitung, in der keine zu hohen Drücke aufgebaut werden, durch einen Form- oder Polyamidschlauch ersetzen. Durch ihre Flexibilität lassen sich nicht nur engere Biegeradien realisieren. Vorteilhaft sind sie auch da, wo das Bauteil Schwingungen ausgesetzt ist und der Einsatz einer starren Rohrleitung wegen der Gefahr von Dauerbruch kritisch wäre.

Fragen Hersteller von Hydraulik- und Fluidtechnik die neuen Leitungen nach?

Von selbst so gut wie nie. Aber wir entwickeln unsere Leitungen und Leitungssysteme gemeinsam mit den Herstellern und können so unsere Ideen einbringen und auf bessere Lösungen hinweisen.

Gibt es ähnlich wie mit Deutz auch Entwicklungspartnerschaften zu Herstellern von fluidtechnischen Antrieben und Elementen?

Das ist der Normalfall. Wir bekommen beispielsweise komplette Stapler von Flurförderzeugherstellern und stellen dann mit unseren Leitungen und Steckverbindungen die Anschlüsse her.

Welche weiteren Anwendungsmöglichkeiten erschließt die Temperaturbeständigkeit?

Höhere Leistungen, engere Bauräume – das ist ein Trend, der nicht aufzuhalten ist. Dadurch steigen auch die Temperaturen im Motorraum. Durch ihre Temperaturbeständigkeit erlauben es unsere Form- oder Polyamidschläuche, Rohrleitungen zu ersetzen, die maximal 150 °C ausgesetzt sind.

Wo wird das Contitech- Stecksystem noch eingesetzt?

Ist es Standard oder eine spezifische Entwicklung für den Deutz-Motor? Im Automotive- und Truckbereich kommt das Stecksystem beispielsweise bei SCR-Harnstoffleitungen zum Einsatz. Die SCR-Technik zur Umwandlung des schädlichen Stickoxids in Stickstoff und Wasserdampf wird zusammen mit unseren Leitungen und dem Stecksystem auch schon in Industriemotoren eingesetzt. Insofern handelt sich um eine spezifische Entwicklung unseres Hauses, allerdings nicht eigens für Deutz. Für den Motorenhersteller haben wir die geeignete Werkstoffapplikation entwickelt, um die Steckverbindungen bruchsicher und fest für den industriellen Einsatz zu gestalten.

Wie stark kann der industrielle Maschinenbau von der Contitech-Entwicklungsarbeit profitieren?

Die Hersteller können vor allem von unseren hausinternen Synergien profitieren, weil wir nicht nur für industrielle Anwendungen, sondern auch für den Automobilbau und den Nutzfahrzeugsektor Lösungen entwickeln und in Serie produzieren. Das bedeutet nicht nur eine Menge Erfahrung – oft können auch Techniken aus einem anderen Bereich übernommen und müssen nur noch angepasst werden. Das beschleunigt natürlich die Entwicklungszeit. Leider binden uns viele Hersteller erst zu spät in ihre Entwicklungsarbeit ein, wenn der Raum schon verbaut ist, oder Biegeradien verlangt werden, die sich nur schwer realisieren lassen. Da profitieren all jene deutlich mehr von der Zusammenarbeit, die uns von vornherein in Projekt einbinden und sich von uns beraten lassen.

Welche weiteren Entwicklungen kann die Antriebstechnik erwarten?

Der Trend zu höheren Leistungen, höheren Temperaturen und Drücken sowie engeren Radien wird weitergehen. Das erfordert ständige Materialverbesserungen. So sind wir gerade dabei, unseren höchsttemperaturbeständigen Tefl on schlauch weiterzuentwickeln. Letztendlich handelt es sich dabei aber nur um Verbesserungen des Bestehenden. Große Innovationen wie jüngst die SCR-Technologie sind meiner Einschätzung nach in den nächsten Jahren nicht in Sicht.

Peter Schäfer

Erschienen in Ausgabe: 02/2008