Luft fürs Licht

Spezial Fahrzeugtechnik

Kabelverschraubung – Die Wiener Linien setzen atmungsaktive Kabelverschraubungen ein, die Kondenswasser aus den eingesetzten Leuchten entlang der Strecke fernhalten. Sie sind vom Betreiber jetzt sogar als Standard vorgeschrieben worden. von Michael Kleine

04. Mai 2012

Wien ist laut internationalen Studien die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Ein wichtiger Faktor dabei ist die Qualität des öffentlichen Verkehrsnetzes. Die Wiener Linien als Betreiber sind eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Wiener Stadtwerke Holding und direktes Eigentum der Stadt Wien. Sie unterhalten rund 120 Linien mit U-Bahnen, Autobussen und Straßenbahnen.

Durch konsequenten Ausbau des Verkehrsnetzes soll der Anteil der Fahrgäste in den nächsten Jahren weiter steigen. Das Wiener U-Bahn-Netz ist seit dem letzten Ausbau 2010 rund 75 Kilometer lang. Bis 2019 werden die U-Bahn-Linien U2 und U1 weiter verlängert, der Ausbau der U2 zum Stadtentwicklungsgebiet Seestadt Aspern in der Donaustadt läuft bereits auf Hochtouren. Dann wird der Fahrgast in gut 20 Minuten mit der U-Bahn vom östlichen Stadtrand in der Wiener Innenstadt sein.

Die Wiener Linien investieren ständig in den Ausbau und Erhalt des Straßenbahnnetzes sowie in neue und moderne Fahrzeuge. Es gibt permanent Bedarf für Erneuerungen, zudem treten mit fortschreitender Lebensdauer Probleme an einzelnen Komponenten auf. So waren die in der U-Bahn Linie U2 installierten Rohrleuchten immer häufiger von der Bildung von Kondenswasser im Leuchteninneren betroffen. Dieses führt schnell zu Korrosion, Kurzschlüssen und Geräteausfall. Solche Ausfälle verursachen entweder den kompletten Geräteaustausch oder eine aufwändige Reparatur.

Wasser als Feind

Aber was hat Kondenswasser in den Rohrleuchten an der U-Bahn zu suchen, wie entsteht es? So abwegig es klingt, es bildet sich trotz und gerade wegen der hohen eingesetzten IP-Schutzklasse, meist IP 68. Diese sorgt zwar dafür, dass die Geräte sicher vor Wassereintritt geschützt sind, ermöglicht aber dennoch einen Gasaustausch, durch den Wasserdampf immer noch in das Gehäuse eindringen kann.

Unterstützt wird die Bildung durch ein physikalisches Phänomen: Durch den schnellen Temperatur- beziehungsweise Druckwechsel der vorbeifahrenden Züge entsteht in den Rohrleuchten ein Druckunterschied zwischen dem Leuchteninnenraum und der Umwelt. In Folge des Unterdrucks wird Luft in die Leuchte eingesaugt, deren Feuchtigkeitsbestandteil später kondensiert und die bekannten Ausfälle verursacht.

Für jedes Problem gibt es aber eine Lösung. Im Fall der Rohrleuchtenmisere ist dies die patentierte Kabelverschraubung Ventgland der Wiska Hoppmann & Mulsow GmbH aus Kaltenkirchen in Schleswig-Holstein.

Anstatt diverser Belüftungs- oder Heizungslösungen bietet die Ventgland Kabelverschraubung und Druckausgleich in einem: Die Kabelverschraubung verfügt über eine integrierte ePTFE-Membran, die das Gehäuse förmlich atmen lässt. Dieser Effekt gleicht die unterschiedlichen Drücke aus. Kondenswasser wird somit auf ein Minimum reduziert, während Schmutz und Wasser dennoch nicht in das Gehäuseinnere eindringen können.

Auf Grund der identischen Bauweise und Größen einer Standard-Kabelverschraubung kann Ventgland ganz einfach und ohne zusätzlichen Montageaufwand eingesetzt werden. Die Kabelverschraubung wird täglich zuverlässig in der Außenbeleuchtung, in Wetterstationen und Elektroniksensoren eingesetzt und erfüllt IP 68 und IP 69K.

Naheliegende Lösung

Beim Zustandekommen der Zusammenarbeit zwischen den Wiener Linien und Wiska war Burisch Elektrosystemtechnik aus der österreichischen Hauptstadt entscheidend beteiligt. Das Vertriebshaus vertritt Wiska in Österreich und hegt schon seit längeren Jahren eine Kundenbeziehung zu den Wiener Linien. »Diese kamen mit dem Problem der Kondenswasserbildung auf uns zu und fragten, ob wir hier eine Lösung hätten. Uns war sofort klar, dass in diesem Fall die Wiska Ventgland die optimale Lösung ist«, erzählt Dr. Alfred Lehner, geschäftsführender Gesellschafter von Burisch.

Der Vorschlag kam an und die Wiener Linien unternahmen daraufhin Praxistests mit der Ventgland. Da die Leuchte mit der Kabelverschraubung von Wiska gegenüber anderen Alternativen als einzige im Inneren trocken blieb, haben sich die Wiener Linien entschieden, diese bei allen Rohrleuchten einzusetzen. Also rückten die Monteure an und tauschten bei 300 IP68-Rohrleuchten entlang der Linie U2 auf der Donaustadtbrücke von Stadion nach Aspernstraße die vorhandene Verschraubung gegen die Ventgland aus.

Seitdem ist das Kondenswasserproblem gelöst und die Wiska Ventgland wurde von den Wiener Linien als Standardkabelverschraubung für IP68-Leuchten vorgeschrieben. Durch die Installation der atmenden Kabelverschraubung kann die Betreibergesellschaft kostenaufwändige Reparaturen oder sogar den Komplettaustausch der Rohrleuchten vermeiden.

Auf einen Blick

-Kabelverschraubung aus dem Industry-Programm von Wiska Hoppmann & Mulsow.

-Atmungsaktiv dank integrierter ePTFE-Membran, gleicht unterschiedliche Drücke aus.

-Kondenswasser wird auf ein Minimum reduziert,während Schmutz und Wasser nicht in das Gehäuseinnere eindringen können.

-Einsatz auch in Wetterstationen.

Erschienen in Ausgabe: 03/2012