Luxus unter Kontrolle

HMI-Panels - Was hat eine Verpackungsmaschine mit einer Motoryacht gemeinsam? Beide setzen für die Anzeige und Bedienung der Systemkomponenten die gleiche HMI-Basis-Hardware ein.

15. November 2005

Die HMI-Plattform der Zukunft muss offen und flexibel sein. Schnelles Time to Market ist ebenso wichtig wie die Anpassung an Kundenwünsche und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis. Software und Service sollten günstig sein und das System einfach in bestehende Anlagen zu integrieren. Wie erreiche ich diese teilweise gegensätzlichen Anforderungen? Exor hat zu diesem Zweck das Xpanel-Konzept entwickelt.

Der Bootsausrüster NaviOP hat sich aus genannten Gründen entschieden, für die Ausrüstung hochwertiger Segel- und Motoryachten die Produkte von Exor einzusetzen. In Italien beliefert NaviOP so bekannte Yachtbauer wie Ferretti, Pershing oder Comar. Luxusyachten werden in den meisten Fällen vom zukünftigen Eigner mit geplant, die Ausstattung ist darum sehr individuell. Bequemlichkeit an Bord wird groß geschrieben.

Anforderungen auf See

Darum lassen sich alle wichtigen Informationen über Motor, Klima und Lüftung bis zu Multimedia und Beleuchtung an vielen Stellen des Bootes abrufen und einstellen.

Alle technischen Aggregate sind entweder seriell mit dem XPanel über ein spezielles Bussystem verbunden oder über digitale und analoge E/A-Schnittstellen. Somit eignet sich das System auch für die Nachrüstung. Die Exor-Panels können seriell mit mehreren Systemen auf unterschiedlichen Schnittstellen kommunizieren und dienen als Gateway zwischen proprietären Protokollen und TCP/IP oder Systembussen wie NMEA.

Auf See wechselt Sonnenschein mit Regen und Wellengang. Darum muss ein dort auf Booten verwendetes Panel robust und wasserdicht sein und gut lesbar bei Sonne. Negative Beschleunigungen von vier g ist keine Seltenheit. Das XPanel erfüllt diese Anforderungen. Entscheidend sind die Faktoren Flexibilität, Design und Software.

Die Flexibilität im Bereich der Elektronik wird durch den Einsatz der FPGA-Technologie erreicht. Sie beinhaltet Komponenten wie Videocontroller, Memory-Management, CAN oder die Displaytreiber. Somit ist die Unabhängigkeit von der Verfügbarkeit dieser Bauelemente gegeben. Weiterhin ist der Schaltkreis für die Kommunikation zwischen CPU, Speicher und Peripherie verantwortlich. Dank der freien Programmierbarkeit lassen sich Komponenten reibungslos wechseln. An Bord einer Yacht ist die Videoverarbeitung ein wichtiger Punkt. Neben der visuellen Überwachung dient sie auch der Kontrolle unter Deck. Kameras identifizieren über mehrere Kilometer wichtige Ziele oder erkennen, ob sich unter dem Rumpf Algen bilden und die Geschwindigkeit verringern.

Das Design der Hardware ist so ausgelegt, das es sich in kundenspezifische Anwendungen einpasst. Ein im Aluminium-Druckguss erstelltes Gehäuse gewährleistet Sicherheit bei starker Beanspruchung. Informationen sind dank sonnenlichtlesbarer und transflektiver Displays auch bei direkter Sonneneinstrahlung lesbar.

Zur Strategie von Exor gehört die offene Software ›Screwdriver‹, angefangen von IP Cores über CPUs für das eigene HMI bis hin zur kundenspezifischen Panel-Lösung. Die neue Soft­ware ist unabhängig von Betriebsystemen. Somit lassen sich Applikationen innerhalb des Bootes auch auf anderer Hardware wie beispielsweise einem Pocket PC oder einem Smartphone installieren. Dies ist gerade für die Bereiche Multimedia und Licht wichtig. Screw­driver basiert auf SVG von Adobe, die Hardwareanforderungen sind somit gering. Das komplette Programmiersystem wird auf die Zielplattform heruntergeladen, vor Ort ohne PC. Dies ist gerade bei einem Eignerwechsel wichtig, da dessen Vorstellungen über Bedienung und Visualisierung sehr unterschiedlich sein können.

Exor setzt auf Embedded Systeme. Dies kommt der Verfügbarkeit und Sicherheit zugute. Beides sind auf Yachten entscheidende Voraussetzungen. Ma­ri­ti­me Applikationen erfordern unter Umständen auch spezielle Zulassungen. Diese werden vom Germanischen Lloyd, der Norske Veritas oder der Rina vergeben. Das XPanel hat den Tests auf klimatische und mechanische Einwirkungen standgehalten.

Christoph Mueller, Exor

Erschienen in Ausgabe: 08/2005