Magnetismus hebt die Kette

Energieketten - Keine Reibung, kein Verschleiß. Schon ab fünf Meter Verfahrweg sind Energieführungsketten im Vorteil, die nach dem Prinzip des Magnetismus arbeiten. Murrplastik treibt diese Innovation zur Marktreife voran.

13. September 2006

Energieführungen mit langen Verfahrwegen machen ein Problem. Das Obertrum der Kette legt sich auf das Untertrum und verursacht beim Verfahren erhöhten Verschleiß und ist auch nicht eben leise. »Hier hilft nur Magnetismus«, haben sich die Entwickler von Murrplastik gesagt. Denn wo keine Reibung ist, gibt es keinen Verschleiß, keine Vibration und keine Geräusche. Ohne Reibung kann die Antriebsleistung sehr gering sein und der Verfahrweg bedeutend länger. Der Transrapid zeigt, wie auch große Massen mit viel höherer Geschwindigkeit fahren können. Auf der Motek 2005 hatte die neue Magnetkette von Murrplastik ihre Premiere. Das Prinzip der Magnetkette ist ebenso einfach wie einzigartig: An allen Gliedern der neuen Magnetkette werden auf den Rahmenstegen im Innenbogen beziehungsweise auf der Gleitschiene der Kette über die gesamte Länge starke Magnete montiert, die so gepolt sind, dass sie sich abstoßen, wenn sie sich gegenüberstehen.

Was nicht gleitet oder rollt, verschleißt nicht

Die Folge ist, dass sich auch bei langen Verfahrwegen wie zum Beispiel bei Kranen der obere Kettenteil, das Obertrum, mit seinem zum Teil sehr großen Gewicht nicht mehr auf das untere Kettenteil, das Untertrum, legt. Was nicht gleitet oder rollt sondern schwebt, erzeugt keinen Verschleiß, keine Vibrationen und keine Geräusche. Und wo keine Reibung zu überwinden ist, lassen sich die Antriebseinheiten wie Motor und Getriebe erheblich kleiner auslegen und dennoch die Fahrgeschwindigkeiten deutlich erhöhen. Durch den Aufbau des Systems, das nahezu keine Reibung aufweist, ist die erforderliche Antriebskraft bei konstanter Geschwindigkeit unabhängig von der Zusatzlast. Das bedeutet: Die Antriebsleistung ist bei 2 kg/m Zuladung ähnlich groß wie zum Beispiel bei 12 kg/m. Zum Beschleunigen der Masse braucht man natürlich Antriebsleistung, aber sie beträgt nur noch rund die Hälfte der üblichen Werte. Das spart viel Energie und damit erhebliche Kosten. Man denke zum Beispiel an den Kranbereich, wo durchaus mehrere hundert Meter Kette mit Zuladungen von bis zu 25 kg/m mit Verfahrgeschwindigkeiten von 5 m/s und mindestens 2 m/s² Beschleunigung bewegt werden müssen.

Absolut elektromagnetisch verträglich

Durch die Platzierung der Magnete an den Kettengliedern gibt es keine Relativbewegungen zwischen den geführten Leitungen und den Magneten. Das ist von entscheidender Bedeutung. Bewegt man eine Spule - in dem Fall also eine Leitung - in einem Magnetfeld, wird immer eine Spannung induziert. Solche Spannungen könnten bei Datenkabeln zu EMV-Problemen führen (EMV = elektromagnetische Verträglichkeit). Bei Murrplastik gibt es diese störende Spannungsinduzierung nachweislich nicht. Die Murrplastik-Magnetkette bietet noch mehr Vorteile: Sie besteht nicht aus speziellen und damit teureren Komponenten, sondern basiert auf dem normalen Standardprogramm des Lieferanten - mit allen Variationen an Innenhöhen und Breiten sowie allen Vorzügen wie einfaches Öffnen der Kette dank ›Klick-Verriegelung‹ und schnelle Bestückung durch das klappbare Regalsystem.

Das ›Schweben‹ lässt sich nachrüsten

Doch nicht nur das: Durch den Einsatz der Standardkomponenten lassen sich auch normale Murrplastik-Energieführungs­ketten mit Magneten nachrüsten und damit zu Magnetketten umwandeln. Und sollte es notwendig werden, kann man die Tragkraft durch die variable Anzahl der fixierbaren Magnete anpassen.

Entsprechend der Unternehmensphilosophie, Produkte erst dann auf den Markt zu bringen, wenn sie absolut ausgereift, richtig - das heißt wirtschaftlich - dimensioniert und in jeder Situation beherrschbar sind, sammeln die Energieführungsketten-Spezialisten seit Monaten in Gesprächen mit potenziellen Anwendern eine Fülle von Informationen aus dem Markt und unternehmen zahlreiche Feldversuche. Die Tests dienen der Parameterfestlegung für sehr unterschiedliche Belastungsfälle, um ein garantiert funktionsfähiges System anbieten zu können. Dabei geht es unter anderem um die genaue Ermittlung der Lebensdauer, die - das steht bereits fest - um ein Vielfaches höher sein wird als die einer konventionellen Kette. Die Magnetkette wird in Grenzsituationen getestet, damit sie sich wie gewünscht verhält.

Klar ist schon jetzt, dass das - übrigens patentierte - Prinzip der Abstoßung bei gleichzeitiger seitlicher Führung der Kette mittels Ablegewannen-System aus Aluminium gegenüber anderen Lösungen eindeutig im Vorteil ist, weil es immer im Gleichgewicht bleibt. Mehr noch: Je höher die Last im Obertrum wird, desto größer werden die magnetischen Abstoßungskräfte, weil die gegen­überliegenden Magnete näher aneinander rücken. Die Magnetkette basiert vollständig auf dem Baukastensystem von Murrplastik. Also: Öffnen und schließen per Klick-Verriegelung und schnelle Bestückung durch das klappbare Regalsystem.

Das System verhält sich immer stabil

Wichtig ist den Murrplastik-Ingenieuren auch das Verhalten der Magnetkette beim Auftreten von nicht zu vermeidenden Schwingungen des Systems oder äußeren Einwirkungen wie etwa Stöße. Die Arbeiten an der Magnetkette sind inzwischen so erfolgreich verlaufen, dass Murrplastik Anfang 2007 alle Eventualitäten abgeprüft und die Magnetkette zur wirklichen Marktreife gebracht haben wird. Zu diesem Zeitpunkt wird der Vertrieb dieses innovativen Produkts aufgenommen. Zahlreiche Anfragen aus den Bereichen Off-Shore-Technik, Kranbau, Entladebrücken, Bergbau, Regalbediengeräte und anderen - gerade auch von Neukunden - liegen bereits vor und lassen auf einen großen Markterfolg schließen.

Helmut Jostmeier ist Produktmanager bei der Murrplastik Systemtechnik GmbH

Erschienen in Ausgabe: 06/2006