Marketing auf Zuruf

Konstruktionsmanagement

Interview – Eine Schwäche vieler Unternehmen ist die unzureichende Vernetzung von Vertrieb und Marketing. Der Inhaber eines Beratungsunternehmens aus Berlin empfiehlt, viele dieser Aufgaben an einen externen Dienstleister zu vergeben.

08. November 2010

Herr Krüger, Sie sehen bei vielen Unternehmen eine Lücke zwischen Vertrieb und Marketing. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Unternehmen aus der Automatisierungsbranche mit den umfangreichen Aufgaben im Marketingbereich einfach überfordert sind, ganz gleich, ob sie eine Marketing-Abteilung haben oder nicht. Die Führungsebene hat täglich alle Hände voll zu tun und kämpft immer mit der Entscheidung, welche Aufgaben am ehesten verschoben werden können. Im Mittelpunkt steht immer die Optimierung des Vertriebs und die Steigerung des Umsatzes. Die Entwicklung nachhaltiger Marketingstrategien kommt so oft zu kurz, und viel Potenzial bleibt ungenutzt, um die Positionierung des Unternehmens und seiner Produkte strategisch sinnvoll zu begleiten.

Hilft es da nicht, einfach zusätzliches Personal im Marketing einzustellen?

Nicht unbedingt: Viele Aufgaben lassen sich auch temporär und ohne Investition in festes Personal lösen, schließlich arbeiten ja auch Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Anwälte extern. Interne Marketing- und Vertriebsabteilungen sind zum Beispiel vor wichtigen Messen oder bei der Markteinführung neuer Produkte häufig überlastet. Mittlerweile gibt es hier jedoch die Möglichkeit, qualifizierte Hilfe von außen dazuzukaufen und sich in Spitzenzeiten Unterstützung zu holen.

Schafft ein Outsourcing hier nicht eher ein Schnittstellen-Chaos?

Viele Hersteller haben zu ihrer Entlastung alle möglichen Bereiche des Marketings ausgelagert, etwa die Texterstellung, die Dokumentation, die Anzeigenschaltung, die Messegestaltung, die Webpräsenz und vieles mehr. Dadurch müssen eine ganze Reihe von Schnittstellen koordiniert werden, was Reibungsverluste schafft. Was oft fehlt, ist deshalb jemand, der die Aktivitäten koordiniert, der alle Fäden in der Hand hält und dem Unternehmen als alleiniger Ansprechpartner für alle Belange des Marketings zur Verfügung steht. Dieser »Kümmerer« sollte aber unbedingt über technisches Wissen verfügen, er muss die Branche kennen, Erfahrungen im Marketing und der Messeorganisation haben und nicht zuletzt auch gut mit der gesamten Presselandschaft vertraut sein.

Wie könnte so ein Angebot konkret aussehen?

Einen Marketing-Spezialisten kann man in Festanstellung ständig vor Ort haben, muss es aber nicht. Man könnte ihn ebensogut mieten: Für einen Tag, für zwei Tage, je nach Bedarf. Unternehmen sollten jedoch darauf achten, hierfür nicht irgendeine Aushilfskraft anzuheuern, sondern jemanden, der sich auf schwierigem Terrain auskennt und sicheres Geleit in allen Belangen des Vertriebs und der Öffentlichkeitsarbeit garantiert. Und wenn dieser »Marketing-Guide« dann auch noch auf ein Netzwerk von Spezialisten für Dokumentation, Marketing- oder PR-Aktivitäten zurückgreifen kann, dann kann man das getrost »Fullservice on Demand« nennen. bt

Daten und Fakten

Carsten Krüger

Der Dipl-Ing (FH) arbeitete lange Jahre als leitender Ingenieur in Vertrieb und Marketing bei Unternehmen wie Siemens, Schleicher und Baumer Hübner. Sein Büro in Berlin berät und unterstützt Unternehmen in allen Fragen des Marketings und bietet Marketing Management im Outsourcing, etwa für große Projekte oder Messeauftritte.

Erschienen in Ausgabe: 08/2010